Examensarbeit, 2023
73 Seiten, Note: 2,5
1. Einleitung
2. Schulabsentismus
2.1 Begriff und Definition
2.2 Formen von Schulabsentismus
2.2.1 Schulverweigerung
2.2.2 Schulphobie
2.2.3 Schulangst
2.2.4 Schulschwänzen
2.2.5 Fernhalten
2.2.6 Dropout
2.3 Risikofaktoren für Schulabsentismus
2.4 Wirkungsbereiche von Schulabsentismus
2.5 Theoretische Zugänge zu Schulabsentismus
2.5.1 Das Modelllernen
2.5.2 Die Theorie der differentiellen Assoziation
2.5.3 Die Kontrolltheorie
2.5.4 Der Sozialökologische Ansatz
2.5.5 Die Anomietheorie
2.5.6 Die Subkulturtheorien
2.5.7 Der Labeling Approach (Etikettierungsansatz)
2.5.8 Die Individuelle Defizittheorie
2.5.9 Die Institutionelle Defizittheorie
2.6 Forschungsstand
3. Peers
4. Bullying
4.1 Begriff und Definition
4.2 Cyberbullying
4.3 Erklärungsansätze
4.4 Folgen von Bullying
4.5 Forschungsstand
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Peerbeziehungen und Bullying auf das Phänomen Schulabsentismus bei Sekundarschülern. Ziel ist es, durch die Verknüpfung soziologischer und psychologischer Theorien das komplexe Geflecht aus sozialen Dynamiken, Gruppendruck und institutionellen Faktoren zu durchdringen, um ein umfassendes Verständnis der Entstehungsbedingungen von Schulabwesenheit zu gewinnen.
2.2.1 Schulverweigerung
Für Seelinger (2016) ist Schulverweigerung ebenso wie für Ricking/Hagen (2016) eine Unterkategorie des Schulabsentismus. Schulverweigerung sei für sie durch eine prozesshafte Entwicklung charakterisiert. Eine prozesshafte Entwicklung zeichnet sich im Kontext der Schulverweigerung durch einen langsamen Rückzug aus der Schule aus, der Schritt für Schritt erfolgt und nicht innerhalb kurzer Zeit. Seelinger (2016) unterscheidet zwischen der aktiven und passiven Schulverweigerung. Die aktive Schulverweigerung bezeichnet das bewusste Fernbleiben der Schule. Passive Schulverweigerung hingegen zeichnet sich durch die körperliche Anwesenheit in der Schule aus, beinhaltet jedoch das bewusste Verweigern und Missachten von Arbeitsaufträgen, das gezielte Stören im Unterricht oder einer grundsätzlich fehlenden Teilhabe am Unterrichtsgeschehen (Seelinger 2016, S. 26 ff). Die Differenzierung in aktive und passive Schulverweigerung wird auch von Rotthaus (2019, S. 114) verwendet, um allerdings den Begriff Schulvermeidung zu beschreiben. Demnach zeichnet sich hier ein synonymer Gebrauch der Begriffe Schulverweigerung und Schulvermeidung ab, welche eine Differenzierung im deutschsprachigen Raum nicht zulässt. Stamm (2008) hingegen definiert den Begriff ohne die Differenzierung in aktive und passive Schulverweigerung. Sie beruft sich hierfür auf die Erkenntnisse von Schulze et al. (2000) und (Reissig) 2001. Schulverweigerung umschreibe Kinder und Jugendliche mit enormen emotionalen Verhaltensproblemen, die - mit Wissen der Eltern - nicht mehr imstande seien, zur Schule zu gehen und in diesem Zusammenhang auffällige psychogene oder psychosomatische Veränderungen zu zeigen (vgl. Stamm 2008, S. 79).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Schulabsentismus ein und verknüpft das Phänomen mit dem aktuellen Forschungsbedarf im Kontext sozialer Dynamiken wie Peerbeziehungen und Bullying.
2. Schulabsentismus: Das Kapitel definiert den Absentismus als multikausales Phänomen, untergliedert ihn in Subformen und beleuchtet theoretische Erklärungsansätze sowie Risikofaktoren.
3. Peers: Hier wird die Bedeutung von Gleichaltrigen als Sozialisationsinstanz und ihre ambivalente Rolle für das schulische Wohlbefinden sowie die Leistungsbereitschaft analysiert.
4. Bullying: Dieses Kapitel widmet sich der Definition, den Erscheinungsformen sowie den schwerwiegenden psychischen und sozialen Folgen von Bullying und Cyberbullying für Opfer und Täter.
5. Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit eines ganzheitlichen, interdisziplinären Blicks auf alle Wirkungsräume des Schülers zur wirksamen Bekämpfung von Absentismus.
Schulabsentismus, Schulverweigerung, Schulschwänzen, Peerbeziehungen, Bullying, Cyberbullying, Sozialisationsinstanz, Schulabbruch, Risikofaktoren, Wirkungsräume, Feldtheorie, Mobbing, Prävention, Intervention, Entwicklungspsychologie.
Die Arbeit analysiert das komplexe Phänomen der Schulabwesenheit von Schülern. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf dem Einfluss von sozialen Beziehungen zu Gleichaltrigen und der Rolle von Bullying als Ursache oder Folge für diesen Absentismus.
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Differenzierung verschiedener Absentismus-Formen, die Bedeutung der Peergroup für die Identitätsentwicklung, psychologische und soziologische Erklärungsmodelle sowie die Auswirkungen von physischem und digitalem Bullying.
Die Arbeit untersucht, inwieweit Peerbeziehungen und Bullying einen direkten Einfluss auf das Fernbleiben von Schülern vom Unterricht ausüben und wie diese Faktoren theoretisch begründet werden können.
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte wissenschaftliche Hausarbeit, die auf einer fundierten Auswertung aktueller deutschsprachiger und internationaler Fachliteratur und empirischer Studien wie dem SEASA-Projekt und PISA basiert.
Im Hauptteil werden diverse Ansätze wie das Modelllernen nach Bandura, die Theorie der differentiellen Assoziation, die Kontrolltheorie, der sozialökologische Ansatz, die Anomietheorie, Subkulturtheorien sowie der Labeling Approach kritisch auf ihre Anwendbarkeit auf Schulabsentismus geprüft.
Die Arbeit zeichnet sich durch eine interdisziplinäre Sichtweise aus, die pädagogische Erfahrungen mit soziologischen und psychologischen Theorien verknüpft, um die multikausale Entstehung von schulvermeidendem Verhalten zu erklären.
Die individuelle Defizittheorie fokussiert auf persönliche Eigenschaften und das Verhalten des Schülers als Ursache (z.B. Lustgewinn/Sensation Seeking), während die institutionelle Defizittheorie nach Möglichkeiten sucht, wie die Schule selbst durch ihre Struktur und "Haltekraft" das Absentismusrisiko minimieren kann.
Cyberbullying unterscheidet sich durch seine Allgegenwärtigkeit (kein Schutzraum), die Anonymität der Täter und die technologische Verbreitungsgeschwindigkeit grundlegend vom traditionellen Bullying, weshalb es eine eigenständige Herausforderung für Prävention und Intervention darstellt.
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