Examensarbeit, 2005
76 Seiten, Note: 1
1 EINFÜHRUNG
2 DIE FEMINISIERUNG DES LEHRBERUFS
2.1 Vorgeschichte
2.2 Von den Anfängen des Lehrerinnen- Daseins
2.2.1 Industrialisierung
2.2.2 Ausbau des öffentlichen Bildungssystems
2.2.3 Billige Arbeitskräfte
2.2.4 Bedürfnisprinzip
2.2.5 Lehrerinnenzölibat
2.2.6 Berufsvorschriften
2.2.7 Lehrerinnenfrage
2.3 Lehrerin- Sein in der Weimarer Republik
2.3.1 Diskussionen
2.4 Lehrerin- Sein im Nationalsozialismus
2.4.1 Propaganda
2.5 Lehrerin- Sein in den ersten Nachkriegsjahren
2.6 Lehrerin- Sein in den 60er Jahren
2.6.1 Kritik
2.7 Lehrerin- Sein ist Frauenberuf geworden
2.7.1 Diskussionen
2.8 Zusammenfassung
3 ÜBERBLICK ÜBER DIE BERUFSWAHLMOTIVE VON LEHRER/INNEN
4 BERUFSWAHLMOTIVEN JUNGER LEHRAMTSSTUDIERENDER
4.1 Anlage der Untersuchung
4.2. Befragung
4.2.1 Erstellen des Fragebogens
4.2.2 Die Fragen zu den Berufswahlmotiven
4.2.3 Durchführung der Umfrage
4.2.4 Zusammensetzung der Stichprobe
4.2.5 Auswertungsmethode und Darstellungsform
4.3 Darstellung der Ergebnisse
4.3.1 Lehramt an Grundschulen
4.3.2 Lehramt an Hauptschulen
4.3.3 Lehramt an Sonderschulen
4.3.4 Lehramt an Realschulen
4.3.5 Lehramt an Gymnasien
4.4 Interpretation der Ergebnisse
4.4.1 „Weil es mir sehr viel Spaß macht mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten.“
4.4.2 „Weil ich gerne Wissen vermitteln möchte.“
4.4.3 „Weil die Tätigkeit als Lehrer/in interessant, vielseitig und abwechslungsreich ist.“
4.4.4 „Weil ich auf die nachwachsende Generation Einfluss nehmen kann.“
4.4.5 „Weil man in diesem Beruf familiäre und berufliche Aufgaben gut miteinander verbinden kann.“
4.4.6 „Weil man als Lehrer/in eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe hat.“
4.4.7 „Weil man in diesem Beruf relativ viel Freiheit hat.“
4.4.8 „Weil ich schon immer gerne Lehrer/in werden wollte.“
4.4.9 „Weil mich die gute Bezahlung und die Sicherheit als Beamter anziehen.“
4.4.10 „Weil ich selbst sympathische Lehrer/innen hatte und ihnen nacheifern möchte.“
4.4.11 „Weil ich als Lehrer/in viel Freizeit habe.“
4.4.12 „Weil ich in meiner Schulzeit schlechte Erfahrungen gemacht habe und es besser machen möchte.“
4.4.13 „Weil man als Lehrer/in gut berufliche und politische Arbeit verbinden kann.“
4.4.14 „Weil die Ausbildung relativ kurz ist.“
4.4.15 „Weil ich mir ein anderes Studium nicht zugetraut habe.“
4.4.16 „Sonstiges“
4.5 Zusammenfassung der Ergebnisse
4.5.1 Berufswahlmotivation und Geschlecht
4.5.2 Berufswahlmotivation und Schulart
5 MÄNNERQUOTEN AN SCHULEN?
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Prozess der Feminisierung des Lehrberufs und analysiert auf dieser Grundlage die aktuellen Berufswahlmotive junger Lehramtsstudierender an der Universität Würzburg, um geschlechtsspezifische Unterschiede und schulartabhängige Präferenzen aufzudecken.
2.2.3 Billige Arbeitskräfte
Die Anstellung von Frauen im Schuldienst wurde außerdem dadurch begünstigt, dass sie unabhängig davon, ob sie auf dem Land oder in der Stadt unterrichteten, ein geringeres Gehalt als ihre männlichen Kollegen bezogen. In Preußen wurde der Durchschnittssatz für eine Lehrerinnenstelle im Jahre 1885 per Erlass auf 75 - 80% des Durchschnittssatzes für eine Lehrerstelle festgesetzt (vgl. Ehrich/Vauth 1980, 103).
Auf dem Land wurde dieser Satz auch erreicht, während der prozentuale Anteil der Gehälter der Volksschullehrerinnen, die an Stadtschulen unterrichteten, meist darunter lag (vgl. Abbildung 2). Dennoch waren sie besser gestellt als ihre Kolleginnen auf dem Lande, wo auch die männlichen Kollegen wegen der geringeren Lebenshaltungskosten weniger verdienten.
Die Diskrepanz zwischen den Lehrer- und Lehrerinnengehältern wurde zunächst damit begründet, dass sich die Lehrerinnen hinsichtlich der Dauer der Ausbildung, der Zahl der Prüfungen und der Verwendung im Schuldienst von ihren männlichen Kollegen unterschieden. Da sie keine spezielle Ausbildung vorweisen konnten, durften sie zunächst nur als Hilfslehrerinnen an öffentlichen Mädchenvolksschulen, und zwar nur in den unteren Klassen unterrichten. Dagegen mussten Volksschullehrer vor der endgültigen Anstellung eine zweite Prüfung ablegen und durften deshalb auf allen Stufen der öffentlichen Volksschule lehren (vgl. Pollmann 1989, 72). Auch als die Lehrerinnen später für die Mittel- und Oberstufen der höheren öffentlichen Mädchenschulen zugelassen wurden, verdienten sie weniger als ihre Kollegen. Das jährliche Durchschnittseinkommen ordentlicher Lehrerinnen an öffentlichen höheren Mädchenschulen in Preußen lag 1901 bei 1.842 M, das einer etatmäßigen Oberlehrerin bei 2.223 M, während ein etatmäßiger seminarisch gebildeter Oberlehrer durchschnittlich 3.467 M und ein etatmäßiger akademisch gebildeter Oberlehrer durchschnittlich 4.690 M verdiente (vgl. Ehrich/Vauth 1980, 103f). An den unterschiedlichen Gehältern von Lehrerinnen und Lehrern änderte sich weiterhin nichts, auch wenn die Ausbildung und Prüfung der Oberlehrerinnen 1908 der der Oberlehrer angeglichen wurde (vgl. Bölling 1983, 98). Dass Frauen auch an höheren öffentlichen Mädchenschulen zugelassen wurden, geschah nämlich unter anderem aus finanziellen Gründen, um die Ausgabensteigerungen für das Schulwesen einzuschränken. Lehrerinnen waren billige Arbeitskräfte (vgl. Ehrich/Vauth 1980, 103).
1 EINFÜHRUNG: Die Einleitung umreißt das Phänomen der Feminisierung des Lehrberufs und begründet die Zielsetzung der Arbeit, die sowohl den historischen Hintergrund als auch aktuelle Berufswahlmotive untersucht.
2 DIE FEMINISIERUNG DES LEHRBERUFS: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung von den Anfängen im Mittelalter bis in die 1960er Jahre nach und beleuchtet die gesellschaftlichen, rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen, die den Beruf zu einem Frauenberuf werden ließen.
3 ÜBERBLICK ÜBER DIE BERUFSWAHLMOTIVE VON LEHRER/INNEN: Hier werden theoretische Grundlagen und bisherige berufssoziologische Untersuchungen zu den Motiven der Lehrerwahl vorgestellt und in Bezug auf deren Bedeutung für den Lebensentwurf diskutiert.
4 BERUFSWAHLMOTIVEN JUNGER LEHRAMTSSTUDIERENDER: Der Hauptteil dokumentiert die Anlage, Durchführung und Ergebnisse der eigenen Untersuchung an der Universität Würzburg, bei der die Berufswahlmotive differenziert nach Geschlecht und Schulart analysiert werden.
5 MÄNNERQUOTEN AN SCHULEN?: Im abschließenden Teil nimmt die Autorin kritisch Stellung zur aktuellen politischen Debatte um Männerquoten an Grundschulen und plädiert stattdessen für eine allgemeine Steigerung der Attraktivität des Lehrberufs.
Feminisierung, Lehrberuf, Berufswahlmotive, Lehramtsstudierende, Grundschulpädagogik, Geschlechterverhältnis, Lehrerinnenzölibat, Bildungsgeschichte, PISA-Studie, Männerquote, pädagogische Motivation, Berufsbiographie, Bildungsreform, Lehrergehälter, Berufssoziologie.
Die Arbeit befasst sich mit der zunehmenden Feminisierung des Lehrerberufs in Deutschland, sowohl unter historischen Aspekten als auch mit Blick auf die aktuelle Studienwahl von Lehramtsstudierenden.
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der Lehrerrolle, den sozioökonomischen Bedingungen des Lehrerberufs über die Jahrzehnte und den individuellen Motiven von Studierenden, diesen Beruf zu wählen.
Ziel ist es, herauszufinden, warum sich Studierende für das Lehramt entscheiden, und ob es dabei systematische Unterschiede zwischen Männern und Frauen sowie zwischen den verschiedenen Schularten gibt.
Die Autorin führt eine empirische Befragung mittels schriftlicher Fragebögen unter Lehramtsstudierenden an der Universität Würzburg durch und analysiert diese quantitativ sowie inhaltlich-interpretativ.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Auswertung der Fragebögen, der Interpretation der Berufswahlmotive (wie etwa Interesse an Kindern, Beamtenstatus oder Freiheit) und der Diskussion dieser Ergebnisse im Kontext verschiedener Schulstufen.
Zentrale Begriffe sind Feminisierung, Berufswahlmotive, Lehrerinnenzölibat, pädagogische Neigung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie aktuelle bildungspolitische Debatten wie die Männerquote.
Um die heutige Situation an Schulen zu verstehen, ist es notwendig, die jahrzehntelange Diskriminierung von Lehrerinnen sowie die finanziellen und ideologischen Hintergründe der damaligen Berufspolitik zu betrachten.
Während bei Frauen oft der Wunsch nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie biographische Prägungen dominieren, liegt bei Männern tendenziell ein stärkerer Fokus auf der beruflichen Freiheit und der Unabhängigkeit.
Sie lehnt eine isolierte Männerquote ab und schlägt stattdessen vor, den Lehrberuf durch bessere Arbeitsbedingungen und neue Berufsperspektiven attraktiver für alle Geschlechter zu machen.
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