Examensarbeit, 2009
86 Seiten, Note: 1,3
1. Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
2.1. Einführung
2.2. Vorgehensweise
3. Die Entwicklung des Schultheaters
4. Begriffseinordnungen
4.1. Entwicklung der Identität
4.2. Kinderalltag und schulische Aufarbeitung
4.3. Die Umsetzung von Kindertheater in der Schule
5. Theater als Erprobungs-, Erfahrungs- und Handlungsraum
5.1. Entwicklung durch den Körper
5.1.1. Bedeutung der Bewegung
5.1.2. Körpererfahrung und Körpererleben
5.1.2.1. Verkörperung als Selbsterfahrung
5.1.2.2. Zwischen Erleben und Erfahren bei der Verkörperung
5.1.2.3. Habitualisierung, Verfremdung und andere Strategien
5.1.3. Unterstützung durch das Gedächtnis
5.2. Das kindliche Spiel als eine Grundlage für das Theater
5.2.1. Das Spiel nach Walter Benjamin
5.2.2. Nachahmung in der Sozialisation
5.2.3. Kindliches Spiel als Selbsterfahrung
5.3. Entwicklung durch Rollenübernahme
5.3.1. Rollenübernahme als Sozialisationsinstrument
5.3.2. Die Bedeutung von Rollenspielen
5.3.3. Möglichkeiten für Rollenspiele
6. Gewaltprävention und Kindertheater
6.1. Gewalt und Aggression
6.2. Anti-Gewaltprogramme und Theater
6.3. Ein praktisches Beispiel: Faustlos
6.3.1. Über das Programm
6.3.2. Einsatz an einer Grundschule
7. Abschluss
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial des Kindertheaters als Instrument zur Einübung von Bewältigungsstrategien im Alltag von Grundschulkindern. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, wie theatrale Prozesse, Körpererfahrungen und Rollenübernahmen die Identitätsentwicklung fördern und Kindern helfen können, soziale Konflikte konstruktiv zu verarbeiten.
2.1. Einführung
Wenn man sich heutzutage in einem Praktikum in einer Grundschule befindet, stellt man fest, dass kaum eine Woche vergeht, ohne dass die Kinder wenigstens einmal vor der Klasse ein kurzes, szenisches Spiel aufführen. Dabei muss man sich nicht einmal im Fach „Darstellendes Spiel“ befinden, um dies zu sehen. Ob im Deutschunterricht oder im Sachunterricht, vielleicht sogar bald im Mathematikunterricht kann man Schulkinder beobachten, die Theater spielen sollen. Dieses Sollen ist bewusst gewählt, denn es bleibt die Frage ob die Kinder überhaupt wollen und was es ihnen und ihrer Entwicklung bringt. Das Theaterspiel ist unzweifelhaft für ein besseres Einprägen des Unterrichtstoffes förderlich und somit ist die Aufnahme in die heutigen Lehrpläne nachvollziehbar, aber ist dieses zweckmäßige Verarbeiten im Sinne von „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ zu verstehen?
Mein Standpunkt ist, dass es gar nicht um das stoffliche Erarbeiten durch das Theater geht. Es geht vielmehr darum, dem Kind einen Raum zu eröffnen, in dem es sich entwickeln kann, indem es Verhaltensweisen erproben und Erfahrungen machen kann. Früh begonnen kann es sich darüber ein größeres Handlungsrepertoire aneignen, das es nicht nur später zielorientiert anwenden, sondern sogleich auf seine Alltagserfahrungen und Alltagssituationen übertragen kann. Auch für neu erlernte Handlungsmuster braucht ein Kind einen Raum zum uneingeschränkten Üben und Erproben von diesen. Das Gelingen und Misslingen der angewandten Handlungen, die Reaktionen von der Umwelt darauf und die Reflexion vom Kind selbst fügen sich zusammen zu einem Erschaffen von Möglichkeiten und damit wiederum zu Bewältigungsstrategien. Probleme, die im Alltag des Kindes auftauchen, könnten so besser und schneller gelöst werden und haben somit einen positiven Einfluss auf die Psyche des Kindes. Das bedeutet das Selbstbewusstsein wird gestärkt und die Ausbildung zur Identität wird positiv unterstützt.
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Alltagsrelevanz des Theaterspiels an Grundschulen und hinterfragt, ob es primär der Stoffvermittlung dient oder als entwicklungsfördernder Raum fungieren sollte.
Die Entwicklung des Schultheaters: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Weg vom zweckgebundenen, kirchlichen Theater bis hin zu modernen, ästhetischen Bildungsansätzen nach.
Begriffseinordnungen: Hier werden die theoretischen Grundlagen zu Identität und Alltagslernen gelegt sowie die Rolle des Kindertheaters innerhalb des schulischen Rahmens erörtert.
Theater als Erprobungs-, Erfahrungs- und Handlungsraum: Der Hauptteil analysiert die Bedeutung von Körper, Bewegung, kindlichem Spiel und Rollenübernahme als zentrale Pfeiler für die Persönlichkeitsentwicklung.
Gewaltprävention und Kindertheater: Abschließend wird diskutiert, wie Theater im Kontext von Gewaltprävention eingesetzt werden kann, illustriert durch das Beispielprogramm „Faustlos“.
Abschluss: Das Fazit fasst zusammen, wie das Theater als ganzheitlicher Erprobungsraum Kindern hilft, soziale Kompetenzen zu erwerben und ihren Alltag selbstbewusster zu meistern.
Kindertheater, Schultheater, Alltagsbewältigung, Identitätsentwicklung, Rollenübernahme, Körpererfahrung, Bewegung, Sozialisation, Gewaltprävention, Empathie, Faustlos, Persönlichkeitsbildung, Darstellendes Spiel, Modelllernen, Spielpädagogik.
Die Arbeit befasst sich mit dem Potenzial des Kindertheaters als pädagogisches Mittel, um Kindern Handlungsmöglichkeiten zur Bewältigung ihres Alltags an die Hand zu geben.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der kindlichen Identität, der Bedeutung von Körpererfahrungen, der Rolle des Spiels in der Sozialisation und der Nutzung von Theater zur Gewaltprävention.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch Theaterspiel im schulischen Kontext soziale Kompetenzen gefördert und die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes gestärkt werden können.
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse anthropologischer, sozialisationstheoretischer und theaterpädagogischer Konzepte sowie die Beobachtung praktischer Beispiele.
Im Zentrum steht das Theater als „Erprobungs-, Erfahrungs- und Handlungsraum“, in dem durch Körperarbeit, Gedächtnisnutzung und Rollenspiele neue Handlungsmuster eingeübt werden.
Wesentliche Begriffe sind Identitätsfindung, Rollendistanz, spielerisches Lernen, psychomotorische Entwicklung und handlungsorientierte Prävention.
Durch den Rollentausch lernen Kinder, Perspektiven anderer einzunehmen und deren Emotionen nachzuvollziehen, was die Basis für gewaltfreies soziales Verhalten bildet.
„Faustlos“ ist ein wissenschaftlich fundiertes Curriculum, das explizit theatrale Elemente und Rollenspiele integriert, um gezielt soziale Fertigkeiten in der Grundschule zu trainieren.
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