Examensarbeit, 2009
73 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theoretische Grundannahmen
2.1. Daten und Fakten
2.1.1. PISA & Co.: Über die Zuverlässigkeit von Erhebungsmethoden
2.1.2. Türkische Migranten und ihre erreichten Bildungsabschlüsse
2.2. Sprache als Indikator für Sozialisation und schulisches Lernen
2.2.1. Vorüberlegungen zu Sprache und Sozialisation
2.2.2. Deutsche Sprache in Schule und Unterricht: Ein Manko?
2.3. Soziale und normativ-kulturelle Dimension
2.3.1. Elternhaus vs. Schule
2.3.2. Gendereien und andere Konfliktpotenziale
2.3.3. Soziale Netzwerke
2.4. Konsequenzen
2.4.1. Bisherige Schulversuche im Umgang mit türkischen Migranten
2.4.2. Partizipation – Progression – Translokation
2.4.3. Berufliche Perspektiven
3. Empirischer Teil
3.1. Forschungsdesign
3.1.1. Sinn und Zweck der Untersuchung
3.1.2. Methodisches Vorgehen
3.2. Interviewergebnisse
3.2.1. Die Hauptschüler
3.2.1.1. Portrait von Selda
3.2.1.2. Portrait von Hamit
3.2.1.3. Portrait von Cigdem
3.2.2. Es geht auch anders: Die Studenten
3.2.2.1. Portrait von Erdal
3.2.2.2. Portrait von Hülya
3.3. Diskussion
4. Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht, inwiefern persönliche Sozialisationsprozesse junger türkischer Migranten in Deutschland einen Einfluss auf deren schulische Leistungen haben und welche Faktoren für den Bildungs(miss)erfolg maßgeblich sind.
2.2.1. Vorüberlegungen zu Sprache und Sozialisation
In den Sozialwissenschaften wurde dem Sozialisationsbegriff bereits auf vielfältige Weise Rechnung getragen. Eine für die folgenden Überlegungen durchaus früchtetragende Definition liefert jedoch Geulen, der unter Sozialisation „die Genese des Menschen als in der Gesellschaft handlungsfähiges Subjekt aus der Interaktion mit den konkreten Bedingungen seiner Umwelt“ versteht (Geulen 2005: 9). Geulens Fokussierung auf die Beeinflussung des Subjekts durch die Umwelt legt nahe, dass es geeigneter Mittel und Wege bedarf, damit ein Individuum überhaupt in eine Gesellschaft hineinwachsen und sich in ihr platzieren kann. Die Fähigkeit des Menschen, sich mit anderen Personen sprachlich auseinandersetzen zu können, nimmt dabei zweifelsohne den größten Raum ein, wie Zapp bereits in einer früheren Arbeit festgestellt hat:
„Die gemeinsame Sprache ist mithin Vermittler des kollektiven Bewußtseins einer konkreten Gruppe; durch das Erlernen einer Sprache erfolgt bewußt oder unbewußt auch eine schrittweise Teilhabe am kollektiven Bewußtsein und damit eine mehr oder weniger enge Zugehörigkeit zur entsprechenden Gruppe.“ (Zapp 1984: 54)
Sprache ist also deshalb für Sozialisations- und Integrationsprozesse von enormer Relevanz, weil sie die Entstehung sozialer Netzwerke forciert, die zur Eingliederung in eine Gruppe beitragen. Allerdings muss dabei eine verbale Verstehensleistung auf beiden Seiten vorausgesetzt sein: Aufgrund des Vermögens, Wünsche oder emotionale Befindlichkeiten in Worte zu fassen und an andere Personen weiterzuleiten, können diese dann darauf reagieren, so dass ein kommunikatives Gefüge entsteht. Dadurch stellt sich schnell ein Zugehörigkeitsgefühl ein, das sich im Idealfall durch Bestätigung und intersubjektive Sichtweisen manifestiert.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Bildungsbenachteiligung türkischer Migranten ein und skizziert die Fragestellung der Arbeit unter Einbeziehung des Romans von Annelies Schwarz.
2. Theoretische Grundannahmen: Dieses Kapitel analysiert Daten und Fakten, die Rolle der Sprache als Sozialisationsfaktor sowie den Einfluss des familiären und sozialen Umfelds auf den Schulerfolg.
3. Empirischer Teil: Der Teil beschreibt das Forschungsdesign und die methodische Vorgehensweise der qualitativen Fallstudien sowie die Ergebnisse der Interviews mit Schülern und Studenten.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und leitet daraus notwendige politische und pädagogische Handlungsempfehlungen für das deutsche Bildungssystem ab.
Türkische Migranten, Sozialisation, Schulleistung, Bildungsbenachteiligung, Integration, deutsche Sprache, Sprachbarrieren, Elternhaus, Schule, Peergroups, qualitative Forschung, Bildungsbiographie, Migration, Interkulturelle Pädagogik, Schulerfolg.
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der persönlichen Sozialisation von jungen Menschen mit türkischem Migrationshintergrund und deren schulischer Leistungsfähigkeit in Deutschland.
Zentral sind der Einfluss der Sprache, das familiäre und kulturelle Umfeld, die Rolle der Peergroups sowie die Auswirkungen institutioneller Gegebenheiten wie Schulformen und Lehrpläne.
Das Ziel ist es, Erklärungsbeiträge für das im Durchschnitt schlechtere schulische Abschneiden türkischer Migranten zu finden und Verbesserungsmöglichkeiten für die pädagogische Praxis aufzuzeigen.
Die Autorin wendet eine qualitative Forschungsmethode an, konkret problemzentrierte Interviews, um die subjektiven Sichtweisen der Betroffenen als Fallstudien zu erfassen.
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen (Daten, Sprache, soziale Dimension) mit den empirischen Ergebnissen aus Interviews mit Hauptschülern und Studenten verknüpft und diskutiert.
Die zentralen Begriffe umfassen Bildungsbenachteiligung, Sozialisation, Migration, Sprachhabitus, kulturelle Identität und Schulerfolg.
Die Sprache fungiert als zentrale Schlüsselqualifikation; fehlende formale Sprachkompetenz im Deutschen führt laut den Ergebnissen oft zu Missverständnissen und einer Unterschätzung des Potenzials durch Lehrkräfte.
Die Hauptschüler berichten von deutlicheren Integrationsbarrieren und Sprachproblemen, während die Studenten Wege fanden, das deutsche Bildungssystem erfolgreich zu durchlaufen, oft unterstützt durch familiäre Bildungsvorteile oder gezielte Förderung.
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