Masterarbeit, 2010
53 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Der Pädagogische Bezug von Herman Nohl
2.1 Die Entwicklung des Begriffes des Pädagogischen Bezuges
2.2 Der Pädagogische Bezug
2.3 Kritik und Gegenkritik an Herman Nohls Pädagogischem Bezug
3. Zur Aktualität des „Pädagogischen Bezuges“
3.1 Forschungsstand und Theorie
3.1.1 Theoretischer und empirischer Forschungstand zur „Aktualität des Pädagogischen Bezuges“
3.1.2 Theoretisches Modell der Studie
3.1.3 Hypothesen
3.2 Untersuchungsmethode
3.2.1 Explorativer Pretest
3.2.2 Untersuchungsdesign
3.2.3 Der Fragebogen
3.2.4 Stichprobenkonstruktion und Untersuchungsdurchführung
3.2.5 Datenanalyse
3.3 Ergebnisse
3.3.1 Stichprobenbeschreibung
3.3.2 Ergebnisse zu den einzelnen Hypothesen
3.3.3 Diskussion und Interpretation der Egebnisse
4. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die gegenwärtige Relevanz des theoretischen Konstrukts des „Pädagogischen Bezuges“ nach Herman Nohl für die heutige Grundschulpraxis. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwieweit das auf familiären Bindungsmodellen basierende Verständnis von Lehrer-Schüler-Interaktionen unter den Bedingungen moderner Schuleinrichtungen noch Bestand hat oder Anpassungen erfahren musste.
2.2 Der Pädagogische Bezug
Es ist wichtig, den Begriff des Pädagogischen Bezuges als Strukturbegriff zu verstehen, da Herman Nohl sowohl die Voraussetzungen der jeweils teilnehmenden Personen als auch die Voraussetzungen des Prozesses von Erziehung und Bildung in seine Überlegungen einbezieht. Nohl spricht von einem lebenslangen Prozess der Erziehung und Bildung, denn „unser ganzes Leben ist durchzogen von dem Austausch der Geister und von geistiger Führung. In jedem Lebensverhältnis liegt darum ein bildendes, ja erzieherisches Moment (und) in jedem Gespräch macht es sich geltend.“
Nohl begründet den Ursprung von Erziehung und Bildung auf die Beziehungen im kindlichen Elternhaus. Um die für die kindliche Entwicklung notwendigen Beziehungen aufbauen zu können, muss das Kind in Sicherheit von Bindungen aufwachsen, um später seinen Mitmenschen mit Vertrauen und Offenheit gegenüber zu treten. In der elterlichen Beziehung zum Kind steht für Nohl auf der einen Seite die Mutter, die er durch die pflegende, beschützende sowie bewahrende Liebe zu ihrem Kind charakterisiert. Ihre Aufgabe ist es, das Kind zu verstehen und ernst zu nehmen sowie seine Gegenwart – die keiner erdenklichen Zukunft geopfert werden will – zu erfüllen und zu schützen. Auf der anderen Seite steht der Vater, gänzlich anders orientiert als die fürsorgende Mutter, der Ansprüche und Anforderungen an das Kind stellt, um es zu seiner körperlichen und geistig – seelischen Form zu führen, die seinem höchsten Ideal entspricht – ein Punkt, den Nohl in seinen Überlegungen an anderer Stelle wieder aufgreifen wird.
1. Einleitung: Die Einleitung illustriert anhand von praxisnahen Beispielen aus dem Grundschulalltag die Bedeutung von Fürsorge und Beziehung und steckt den Rahmen für die Untersuchung von Herman Nohls Theorie ab.
2. Der Pädagogische Bezug von Herman Nohl: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen, die Entwicklung und die wesentlichen Kernkonzepte (Autorität, Liebe, Vertrauen) von Nohls Pädagogik sowie die dazu geäußerte Fachkritik.
3. Zur Aktualität des „Pädagogischen Bezuges“: Dieser Hauptteil widmet sich der empirischen Erhebung, von der methodischen Planung über die Darstellung der Befragungsergebnisse bis hin zur kritischen Diskussion der Validität des Nohlschen Modells.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Studie zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Pädagogische Bezug in der heutigen Grundschule nur noch eine eingeschränkte Aktualität besitzt.
Pädagogischer Bezug, Herman Nohl, Lehrer-Schüler-Verhältnis, Grundschule, Erziehungstheorie, Vertrauen, Autorität, pädagogische Liebe, Vorbildfunktion, Professionalisierung, Bildungsarbeit, Interaktionsbeziehung, Schulentwicklung, empirische Untersuchung, Erziehungswissenschaft.
Die Arbeit untersucht, ob die klassische Erziehungstheorie des „Pädagogischen Bezuges“ nach Herman Nohl in der heutigen Grundschulpraxis noch ihre Gültigkeit behalten hat.
Im Fokus stehen die theoretische Rekonstruktion der Nohlschen Begriffe sowie deren empirische Überprüfung anhand der Perspektive von Brandenburger Grundschullehrkräften.
Ziel ist es zu klären, inwieweit Aspekte wie das Vertrauensverhältnis, die Vorbildrolle des Lehrers und das familiäre Erziehungsmodell heute noch zur Beschreibung und Gestaltung professioneller Lehrer-Schüler-Beziehungen dienen können.
Der Autor führt eine quantitative Querschnittstudie durch, bei der mittels eines standardisierten Fragebogens Daten von 78 Grundschullehrern erhoben und statistisch ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Konzepte, eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Kritik am Pädagogischen Bezug und die anschließende empirische Untersuchung inklusive Auswertung der Hypothesen.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie den Pädagogischen Bezug, die Lehrer-Schüler-Beziehung, das Vertrauenskonzept, die pädagogische Professionalität und die Relevanz der Erziehung in der Grundschule geprägt.
Die Studie zeigt, dass die Vorbildfunktion zwar als grundlegend anerkannt wird, die idealisierte Sicht Nohls jedoch aufgrund veränderter gesellschaftlicher Bedingungen und der Konkurrenz durch moderne Medienidole nur eingeschränkt bestätigt werden kann.
Der Autor diskutiert die Kritik an der Umsetzbarkeit des Nohlschen Modells und stellt fest, dass insbesondere die geforderte individuelle Förderung und emotionale Bindung in großen Klassen den Lehrberuf an die Grenzen der Realisierbarkeit führen kann.
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