Diplomarbeit, 2008
143 Seiten, Note: 1,0
Teil I: Die Theorie
1. Über Disziplinprobleme und Unterrichtsstörungen
1.1 Ein Definitionsversuch
1.2 Disziplinprobleme - eine Selbstverschuldung des Schulsystems?
1.3 Handlungsmöglichkeiten des Lehrers gegen Störungen
2. Die Trainingsraum-Methode - Einleitung
2.1 Das Gedankengebäude oder „Fords Noema“
2.1.1 Das Grundproblem
2.1.2 Fords Disziplin-Begriff
2.1.3 Fords Regelverständnis
2.1.4 Regelverstöße und Konsequenzen
2.1.5 Resümee der Grundgedanken Fords
3. Die Wahrnehmungskontrolltheorie
3.1 Lebende Kontrollsysteme
3.2 Probleme mit der WKT
3.3 Resümee und Ergänzungen zur WKT
3.3.1 Fords Konzept des TR und die WKT
3.3.2 Konflikte und Störungen im Rahmen der WKT
4. Der Trainingsraum in der Praxis
4.1 Eine objektiv hermeneutische Analyse des Begriffs „Trainingsraum“
4.2 Die Vorbereitung innerhalb des Kollegiums
4.3 Die Vorbereitung innerhalb der Klasse
4.4 Die Durchführung
4.4.1 Die Fragen
4.4.2 Der Laufzettel
4.4.3 Chronische Störer
5. Die Widersprüche im System
5.1 Über „quality time“
5.1.1 Der Widerspruch zwischen Quality Time und Trainingsraum
5.2 Anklang einer negativen Pädagogik
6. Das TR-Programm in der öffentlichen Diskussion
6.1 Internet-Foren-Diskussionen
6.2 Die juristische Lage
6.3 Bröcher vs. Bründel/Simon
6.4 Fazit der öffentlichen Diskussionen
7. Fazit und Resümee des theoretischen Teils
Teil II: Empirische Untersuchung
8. Der TR in der Praxis an einer Integrierten Gesamtschule (IGS)
9. Das TR-Team über den Trainingsraum
9.1 Analyse des TR-Instrumentariums
9.1.1 Der Laufzettel
9.1.2 Der Rückkehrplan
9.1.3 Der neue Rückkehrplan
9.1.4 Der Rückkehrzettel
9.2 Resümee zum TR-Instrumentarium
9.3 Fazit zum TR-Instrumentarium
10. Die Lehrerbefragung
11. Fazit der empirischen Erhebung
Teil III: Allgemeines Fazit
Die Arbeit untersucht das "Trainingsraum"-Programm (TR) als Erziehungsmethode in deutschen Schulen, hinterfragt kritisch dessen theoretische Fundierung in der "Wahrnehmungskontrolltheorie" (WKT) und evaluiert empirisch, ob es sich tatsächlich um Hilfe zur Selbsthilfe handelt oder lediglich um eine neue Form der Disziplinierung.
1.1 Ein Definitionsversuch
Als erstes soll ein Überblick gegeben werden, was Disziplinprobleme sind, wie sie definiert werden und ob es einen Unterschied gibt zwischen diesen und Unterrichtsstörungen, da in der Literatur von beiden in getrennter Weise die Rede ist. Die TR-Methode postuliert zwar eine „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu sein, dennoch wird sie angewandt, wenn Disziplinprobleme oder Störungen seitens der Schüler auftreten. Kein Schüler wird in den TR geschickt, wenn er gerade brav seine Schreibübungen macht. Auch ist das Training im TR nicht Teil des Stundenplans.
Was also ist Disziplin und damit zusammenhängend Disziplinprobleme? Zur Definition ziehe ich die Sammlung an Aufsätzen, herausgegeben von Helgard Moll-Strobel (Moll-Strobel 1983) hinzu. Außerdem von Clemens Hillenbrand „Didaktik bei Unterrichts- und Verhaltensstörungen“ (Hillenbrand 1999).
Unter Disziplin sei das Verhalten des Schülers verstanden in Bezug auf die herrschende Ordnung, nicht aber „die bloße Summe der gegebenen Verordnungen zur Sicherung des Schulbetriebes“ so Pietrowicz (Pietrowicz 1983, S. 14). Somit könnte man Disziplinprobleme oder -schwierigkeiten definieren als Schwierigkeiten, „die sich im Schulbetrieb, im Unterrichtsverlauf oder im Erziehungsprozess als solche bemerkbar machen und die Vollzüge desselben erschweren bzw. sogar die Erreichung des Zieles verhindern, indem nämlich die Schüler gegen die Bestimmung und Befehle handeln“ (ebd.), ungeachtet dessen, ob die Schüler das mit Absicht oder unbewusst tun.
1. Über Disziplinprobleme und Unterrichtsstörungen: Definition von Disziplin und Störungen im schulischen Kontext unter Einbeziehung verschiedener pädagogischer Ansätze.
2. Die Trainingsraum-Methode - Einleitung: Vorstellung des "Arizona Projects" von Edward Ford und dessen Grundannahmen über Schülerverhalten und Disziplin.
3. Die Wahrnehmungskontrolltheorie: Theoretische Einführung in die Wahrnehmungskontrolltheorie (WKT) als Grundlage des TR-Programms und kritische Würdigung ihrer psychologischen Plausibilität.
4. Der Trainingsraum in der Praxis: Detaillierte Beschreibung der praktischen Anwendung, inklusive der Vorbereitung innerhalb des Kollegiums und der Klasse sowie des Ablaufs bei Störungen.
5. Die Widersprüche im System: Kritische Analyse der Diskrepanz zwischen dem Konzept der "Quality Time" und dem tatsächlichen Ausschlussverfahren im TR.
6. Das TR-Programm in der öffentlichen Diskussion: Darstellung der kontroversen Wahrnehmung in Internetforen und der juristischen Debatten um das Programm.
7. Fazit und Resümee des theoretischen Teils: Zusammenfassende Bewertung der theoretischen Fundierung der Methode als Import-Schlager mit erheblichem Klärungsbedarf.
8. Der TR in der Praxis an einer Integrierten Gesamtschule (IGS): Einleitung der empirischen Untersuchung an einer realen Schule, inklusive der Darstellung der dortigen Startschwierigkeiten.
9. Das TR-Team über den Trainingsraum: Auswertung der Lehrerinterviews und Analyse der verwendeten Instrumente wie Laufzettel und Besinnungsbögen.
10. Die Lehrerbefragung: Ergebnisse der Befragung zum Lehrerkollegium hinsichtlich Akzeptanz und Wirksamkeit des Programms.
11. Fazit der empirischen Erhebung: Zusammenfassung der teils widersprüchlichen Ergebnisse, die auf eine rein sanktionierende Wirkung hindeuten.
Trainingsraum, Disziplinprobleme, Unterrichtsstörungen, Wahrnehmungskontrolltheorie, Schulpädagogik, Selbstdisziplin, Erziehungsmethode, Verhaltensänderung, Schulentwicklung, Interaktion, Sozialisation, Sanktionierung, Unterrichtsforschung.
Die Diplom-Hausarbeit kritisiert das aus den USA stammende "Trainingsraum"-Programm als Erziehungsmethode in deutschen Schulen und hinterfragt dessen theoretische und praktische Fundamente.
Sie befasst sich mit der Definition von Unterrichtsstörungen, der Wahrnehmungskontrolltheorie (WKT) nach William T. Powers und der praktischen Implementierung des Trainingsraums im Schulalltag.
Es soll geklärt werden, ob das Trainingsraum-Programm tatsächlich Hilfe zur Selbsthilfe bietet oder lediglich eine neue, bürokratisierte Form von Sanktionierung darstellt.
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einer qualitativen empirischen Untersuchung (Aktenanalyse und Lehrerbefragung) an einer Integrierten Gesamtschule.
Der Hauptteil analysiert ausführlich die Grundgedanken von Edward Ford, die theoretische Basis der WKT, die praktische Durchführung an der IGS sowie die bürokratischen Instrumente des Programms.
Trainingsraum, Disziplinprobleme, Unterrichtsstörungen, WKT, Schulentwicklung, Erziehungsauftrag und pädagogische Professionalisierung.
Die Mehrheit der befragten Lehrer befürwortet das Programm als Entlastung, obwohl eine fundierte Kenntnis der zugrunde liegenden WKT-Theorie oft fehlt und ein Widerspruch zwischen Anspruch und Praxis besteht.
Der Autor stuft die "Besinnungsbögen" und "Rückkehrpläne" als weitgehend wirkungslos für echte Reflexionsprozesse ein, da sie eher den Charakter einer schriftlichen Beichte haben und selten mit den Schülern besprochen werden.
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