Bachelorarbeit, 2020
83 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Theoretische und methodologische Grundlagen
2.1 Normen und Praktiken des Unterrichts
2.2 Das Potenzial der Unterrichtsvideografie
2.3 Die Dokumentarische Methode als Auswertungsverfahren
3 Gegenstand der Untersuchung
3.1 Fall A: Allgemeinbildendes Gymnasium
3.2 Fall B: Oberstufen-Gymnasium
4 Untersuchungsergebnisse
4.1 Institutionell-organisationale Norm
4.1.1 Aspekt 1: Partizipation
4.1.2 Aspekt 2: Disziplinierung
4.2 Pädagogisch-fachdidaktische Norm
4.2.1 Aspekt 3: Einsprachigkeit
4.2.2 Aspekt 4: Lernerautonomie
4.2.3 Aspekt 5: Lernbegleitung
4.3 Individuelle Norm – Aspekt 6: Peerkultur
5 Abstraktionsschritt: Fallvergleich
6 Diskussion und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht empirisch die Diskrepanz zwischen institutionell-organisationalen, pädagogisch-fachdidaktischen sowie individuellen Normen und deren praktischer Umsetzung im Spanischunterricht zweier unterschiedlicher gymnasialer Schulformen. Ziel ist es, in einem videobasierten Vergleich aufzuzeigen, wie Schüler- und Lehrerhabitus in Abhängigkeit der Schulform das Klassenklima prägen.
1 Einleitung
Die Spanischunterrichtsstunde in einer zehnten Klasse hat schon seit zehn Minuten begonnen. Die Lehrkraft ist gerade dabei, einen Arbeitsauftrag zu erteilen, als (1) ein Schüler das Klassenzimmer betritt. Alle Schüler lachen und lenken ihre Aufmerksamkeit auf die Erklärung des Schülers, weshalb er zu spät zum Unterricht erscheint. Daraufhin (2) unterbricht die Lehrkraft ihre Ausführungen auf Spanisch und beginnt in deutscher Sprache die Verspätung zu sanktionieren. Während die Lehrkraft mit der Disziplinierung beschäftigt ist, beginnen (3) zwei Schüler, sich über das vergangene Wochenende auszutauschen. Nach kurzer Zeit lehnen sie sich mit ihrem Stuhl an die Tischreihe hinter sich, um den Mitschülern einen Handschlag zu geben, worauf auch diese sich ins Gespräch integrieren.
Das hier aufgezeigte Szenario benennt häufig auftretende Phänomene im Klassenzimmer. Den Beobachtungen ist gemeinsam, dass sie beschreiben, wie Unterricht ist, sprich wie er praktiziert wird, jedoch nicht, wie Unterricht eigentlich zu sein hat. In der Schulordnung der Schule ist vorgeschrieben, dass (1) alle Schüler dazu verpflichtet sind, das Schulgebäude bis fünf Minuten vor Unterrichtsbeginn zu betreten, um pünktlich zum Unterricht zu erscheinen. Im Bildungsplan des Kultusministeriums heißt es, dass (2) zugleich Ziel und vorrangiges Medium des Unterrichts [ist]. Und schließlich (3) verfügen Schüler über ein implizites Rollenwissen, durch welches ihnen bewusst ist, dass Peergespräche, die keinen Zusammenhang mit dem Arbeitsauftrag haben, nicht im Unterricht, sondern in der Pause zu realisieren sind – kurzum: Kinder und Jugendliche haben gelernt, wie Unterricht offiziell abzulaufen hat (Luhmann 2002: 102).
Auf drei verschiedenen Ebenen zeichnet sich hier eine Diskrepanz ab zwischen den (1) institutionell-organisationalen, (2) pädagogisch-fachdidaktischen und (3) individuellen Normen und der Art und Weise, wie diese Normen im Unterricht praktisch umgesetzt werden. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, diese Diskrepanz im Fremdsprachenunterricht zweier ausgewählter Schulklassen empirisch herauszuarbeiten.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Spannungsfeld zwischen offizieller Schulordnung und praktischer Unterrichtswirklichkeit ein und definiert das Ziel, die Diskrepanz zwischen Normen und Praktiken empirisch zu untersuchen.
2 Theoretische und methodologische Grundlagen: Dieses Kapitel verknüpft das Konzept des Habitus mit der Unterrichtsforschung und begründet den Einsatz der Dokumentarischen Methode zur Analyse von Unterrichtsvideos.
3 Gegenstand der Untersuchung: Hier werden die beiden analysierten Fälle – ein allgemeinbildendes Gymnasium (AG) und ein Oberstufen-Gymnasium (OG) – hinsichtlich ihrer Rahmenbedingungen und Leitbilder vorgestellt.
4 Untersuchungsergebnisse: Das Hauptkapitel wertet die Unterrichtsaufnahmen anhand von sechs zentralen Aspekten (Partizipation, Disziplinierung, Einsprachigkeit, Lernerautonomie, Lernbegleitung und Peerkultur) aus.
5 Abstraktionsschritt: Fallvergleich: Die Ergebnisse aus dem Hauptteil werden hier vergleichend abstrahiert, um das jeweils vorherrschende Klassenklima in den beiden Schulformen zu charakterisieren.
6 Diskussion und Ausblick: Eine kritische Reflexion der Untersuchungsmethode und der Ergebnisse bildet den Abschluss, eingebettet in den fachdidaktischen Diskurs über Normerfüllung und pädagogisches Handeln.
Dokumentarische Methode, Unterrichtsforschung, Habitus, Klassenklima, Fremdsprachenunterricht, Normen, Praktiken, Peerkultur, Partizipation, Disziplinierung, Einsprachigkeit, Lernerautonomie, videobasierte Analyse, schulische Sozialisation, Unterrichtsqualität.
Die Arbeit untersucht, wie Normvorgaben (z.B. aus Bildungsplänen) im tatsächlichen Schulalltag des Spanischunterrichts umgesetzt werden und wo dabei Abweichungen zwischen Soll-Vorgaben und der gelebten Praxis (Habitus) auftreten.
Die Schwerpunkte liegen auf der Diskrepanz zwischen institutionellen Normen, der pädagogischen Fachdidaktik und dem individuellen Handeln der Akteure sowie dem Einfluss der Peerkultur.
Das Ziel ist es, empirisch herauszuarbeiten, wie sich das Klassenklima in Abhängigkeit der gymnasialen Schulform (allgemeinbildend vs. Oberstufen-Gymnasium) gestaltet und wie die Akteure Unterricht konstruieren.
Die Arbeit stützt sich auf eine videobasierte empirische Analyse, ausgewertet mittels der Dokumentarischen Methode, um hinter die expliziten Normen auf die Ebene der konjunktiven Erfahrungen und Routinen zu blicken.
Der Hauptteil analysiert mittels strukturierter Videosequenzen sechs Aspekte, darunter Partizipation, Einhaltung der Fremdsprachennorm (Einsprachigkeit), Autonomie der Lernenden und das Verhalten innerhalb von Peergruppen.
Zentrale Begriffe sind Habitus, Norm vs. Praktik, performative Logik, Klassenklima und Peerkultur im schulischen Kontext.
Das Klima am Oberstufen-Gymnasium wird als reifer und machtsymmetrischer beschrieben, während das allgemeinbildende Gymnasium durch stärker ritualisierte, aber distanziertere Interaktionen geprägt ist.
Die Einsprachigkeit wird als fachdidaktisches Leitmotiv anerkannt, jedoch als in der Praxis in beiden Schulformen schwer erreichbare Utopie identifiziert, bei der häufig zwischen Muttersprache und Zielsprache gewechselt wird.
In beiden Fällen wird der Versuch der Rolle als "Lernbegleiter" festgestellt, wobei die praktische Umsetzung aufgrund externer Zwänge wie Zeitdruck oder Disziplinierungsbedarf unterschiedlich erfolgreich verläuft.
Schüler interagieren mit den Regeln oft über informelle Peerkultur-Praktiken, wobei sie teilweise Distanz zum Unterrichtsgegenstand signalisieren, z.B. durch Handy-Nutzung oder bewusstes Umgehen mit Arbeitsmaterialien.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

