Examensarbeit, 2008
183 Seiten, Note: 1,0
1 EINLEITUNG
2 DEFINITIONEN
2.1 EIGENVERANTWORTUNG
2.2 DISZIPLIN
3 DIE GRUNDLAGEN DES TRAININGSRAUMKONZEPTS
3.1 DIE „PERCEPTUAL CONTROL THEORY“ NACH WILLIAM T. POWERS
3.2 DAS „RESPONSIBLE THINKING PROGRAM“ NACH EDWARD E. FORD
4 DAS TRAININGSRAUMPROGRAMM IN DEUTSCHLAND
4.1 DAS TRAININGSRAUMPROGRAMM NACH STEFAN BALKE
4.1.1 Die Problemlage: Unterrichtstörungen und Disziplinprobleme
4.1.2 Ziele und Prinzipien
4.1.3 Ablauf
4.1.3.1 Im Klassenraum
4.1.3.2 Im Trainingsraum
4.1.3.3 Rückkehr
4.1.3.4 Weitere Maßnahmen
4.2 DIE TRAININGSRAUM- METHODE NACH HEIDRUN BRÜNDEL UND ERIKA SIMON
4.2.1 Grundgedanken
4.2.2 Ablauf
4.2.2.1 Im Klassenraum
4.2.2.2 Im Trainingsraum
4.2.2.3 Rückkehr
4.2.2.4 Weitere Maßnahmen
4.3 KRITISCHER VERGLEICH
4.4 ERGEBNISSE EMPIRISCHER UNTERSUCHUNGEN
5 GEEIGNETES MITTEL ZUR FÖRDERUNG VON EIGENVERANTWORTUNG ODER DISZIPLINIERUNGSINSTRUMENT? ZUR AKTUELLEN DISKUSSION ÜBER DAS TRAININGSRAUMPROGRAMMS
5.1 DIE FÖRDERUNG VON EIGENVERANTWORTLICHEM DENKEN UND HANDELN
5.1.1 Die Regeln im Klassenraum
5.1.2 Die Reflexion im Trainingsraum
5.1.3 Das Rückkehrgespräch
5.1.4 Die Kooperation mit Eltern und außerschulischen Institutionen
5.2 DAS TRAININGSRAUMPROGRAMM ALS DISZIPLINIERUNGSINSTRUMENT
5.2.1 Die „freiwillige“ Entscheidung und die Verantwortung des Schülers
5.2.2 Anpassung und Konformität als Erziehungsziel
5.3 ZWISCHENFAZIT
6 EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG: DAS TRAININGSRAUMPROGRAMM IM SCHÜLERURTEIL
6.1 DIE VORGEHENSWEISE BEI DER DATENERHEBUNG
6.1.1 Untersuchungsmethode und Konzeption der Interviews
6.1.2 Auswahl der Interviewpartner und Zugang zum Forschungsfeld
6.1.3 Vorgehensweise bei der Interpretation der Interviews
6.2 DIE INTERVIEWS AN EINER GESAMTSCHULE
6.2.1 Gruppe 1: „Provozieren tut jeder“
6.2.2 Gruppe 2: „Wenn ein Lehrer individuell ist, das kommt auch gut an“
6.3 DIE INTERVIEWS AN EINER HAUPT- UND REALSCHULE
6.3.1 Gruppe 3: „Ja, die reden zu viel“
6.3.2 Gruppe 4: „Die hören einem wenigstens auch zu“
6.4 VERGLEICH UND DISKUSSION DER ERGEBNISSE
7 FAZIT
Die Arbeit untersucht das Trainingsraumprogramm als pädagogisches Konzept und beleuchtet den kontroversen Spannungsbogen zwischen der Förderung von Eigenverantwortlichkeit bei Schülern und der Nutzung als Disziplinierungsinstrument. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, inwieweit das Programm tatsächlich eigenverantwortliches Denken und Handeln fördern kann oder lediglich zu Konformität und Anpassung führt, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der bisher vernachlässigten Schülersicht liegt.
3.1 Die „Perceptual Control Theory“ nach William T. Powers
Das Trainingsraumkonzept beruht auf den Erkenntnissen der „Perceptual Control Theory“ wie sie William T. Powers formuliert hat. William T. Powers, Physiker und Psychologe an der Northwestern University, war im Fachbereich Astronomie tätig und stand dort außerdem dem Zentrum für Lehrerbildung beratend zur Seite. Seine Arbeit im Bereich der medizinischen Physik legte den Grundstein für seine langjährigen Forschungen im Bereich der Kontrolltheorie. Er veröffentlichte zahlreiche Artikel zu den Themen Künstliche Intelligenz, Kontrollsysteme und Verhaltenstheorie. 1973 erschien sein erstes Buch mit dem Titel: „Behavior, the control of perception“, in dem er eine Alternative zu behavioristischer und psychoanalytischer Verhaltenstheorie darlegt, die er später „Perceptual Control Theory“, also Wahrnehmungskontrolltheorie nannte. Seine Theorie basiert auf den Prinzipien der allgemeinen Kontrolltheorie, die die Kybernetiker Wiener und Ashby in den 50er Jahren in ihren Arbeiten darstellten. Powers ist seit den 80er Jahren Mitglied der Control Systems Group, in der sich verschiedene Akademiker zusammengefunden haben, um sich mit der Kontrolltheorie auseinanderzusetzen, zu forschen und sie weiterzuentwickeln. Powers veröffentlichte 1998 sein fünftes Buch mit dem Titel: „Making sense of behavior. The Meaning of control“.
Die Wahrnehmungskontrolltheorie beschreibt die Kontrollfunktion des Verhaltens. Verhalten wird nicht verstanden als Reaktion auf äußere Ereignisse und Zustände, wie es in den Lerntheorien der Fall ist und auch nicht als Folge von inneren, kognitiven Plänen und Berechnungen, wie das die kognitiven Theorien beschreiben. Nach Powers kontrolliert das Verhalten die Wahrnehmung, so die Grundannahme dieser Theorie, mit der Powers die Lücke zwischen den genannten Verhaltenstheorien schließen will.
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik des Trainingsraumprogramms, Darstellung des Spannungsfeldes zwischen Befürwortern und Kritikern sowie Vorstellung der Zielsetzung und Methodik der Arbeit.
2 DEFINITIONEN: Erläuterung der für die Debatte grundlegenden Begriffe Eigenverantwortung und Disziplin unter Einbeziehung verschiedener pädagogischer Perspektiven.
3 DIE GRUNDLAGEN DES TRAININGSRAUMKONZEPTS: Darstellung der theoretischen Basis, insbesondere der Wahrnehmungskontrolltheorie nach Powers und des US-amerikanischen Responsible Thinking Programs von Edward E. Ford.
4 DAS TRAININGSRAUMPROGRAMM IN DEUTSCHLAND: Detaillierte Vorstellung der deutschen Adaptionen von Stefan Balke sowie Heidrun Bründel und Erika Simon, inklusive eines kritischen Vergleichs und einer Zusammenfassung empirischer Studien.
5 GEEIGNETES MITTEL ZUR FÖRDERUNG VON EIGENVERANTWORTUNG ODER DISZIPLINIERUNGSINSTRUMENT? ZUR AKTUELLEN DISKUSSION ÜBER DAS TRAININGSRAUMPROGRAMMS: Kritische Auseinandersetzung mit der Umsetzung des Programms an Schulen, dem Umgang mit Regeln, der Kooperation mit Eltern und der Gefahr der Instrumentalisierung zu Disziplinierungszwecken.
6 EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG: DAS TRAININGSRAUMPROGRAMM IM SCHÜLERURTEIL: Präsentation und Auswertung qualitativer Gruppendiskussionen mit Schülern an zwei verschiedenen Schultypen über deren Erfahrungen und Einstellungen zum Trainingsraum.
7 FAZIT: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangsfragen und kritische Reflexion des Trainingsraumprogramms als pädagogisches Instrument.
Trainingsraumprogramm, Eigenverantwortung, Disziplinierung, Wahrnehmungskontrolltheorie, Unterrichtsstörungen, Schülersicht, qualitative Forschung, Gruppendiskussion, Erziehungspartnerschaft, Schulklima, Pädagogik, Konfliktmanagement, Selbstkontrolle, Schülerbeteiligung, schulische Konsequenzen.
Die Arbeit analysiert das in deutschen Schulen verbreitete Trainingsraumprogramm und untersucht kritisch, ob es Schülern tatsächlich zu mehr Eigenverantwortung verhilft oder eher als einseitiges Disziplinierungsinstrument fungiert.
Die Arbeit deckt die theoretischen Grundlagen des Programms ab, vergleicht verschiedene deutsche Anwendungskonzepte und untersucht die Auswirkungen des Trainingsraums auf die Schülerpersönlichkeit und das Schulklima.
Die zentrale Forschungsfrage ist, ob das Trainingsraumprogramm geeignet ist, eigenverantwortliches Denken und Handeln bei Schülern zu fördern, oder ob es Schüler lediglich zu konformem Verhalten zwingt.
Die Autorin nutzt einen qualitativen Forschungsansatz. Im empirischen Teil wurden Gruppendiskussionen mit Schülern an zwei verschiedenen Schulformen durchgeführt, um deren subjektive Sichtweisen und Erfahrungen differenziert zu erfassen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, eine Gegenüberstellung der Konzepte von Balke sowie Bründel/Simon, eine kritische Diskussion der Umsetzung und Chancen/Risiken sowie eine umfangreiche Auswertung der Schülerinterviews.
Wichtige Begriffe sind Trainingsraumprogramm, Eigenverantwortung, Disziplinierung, Unterrichtsstörungen, Schülersicht, Selbstkontrolle und Schulkultur.
Die Schülersicht nimmt einen zentralen Stellenwert ein, da sie in bisherigen Untersuchungen zum Trainingsraumprogramm meist nur quantitativ erfasst wurde. Die Autorin möchte durch die qualitativen Interviews bisher ungehörten Betroffenen eine Stimme geben.
Die Autorin kommt zu dem ernüchternden Ergebnis, dass das Programm oft eher als Disziplinierungsinstrument denn als Projekt zur Förderung von Eigenverantwortung wahrgenommen wird und die erhofften positiven Effekte stark von der persönlichen Haltung der Lehrkräfte abhängen.
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