Examensarbeit, 2007
231 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
Fragestellung
Aufbau der Arbeit
Allgemeiner Teil
1 Allgemeine Betrachtungen zum Schulwesen
1.1 Funktionen der Schule
1.2 Das Schulwesen der Bundesrepublik Deutschland
1.2.1 Bedeutung der Grundschule für die Schullaufbahn
1.2.2 Die „strukturelle Pluralität“ der Sekundarstufe
1.2.3 Zur selektiven Wirkung der Wahl des Bildungsganges
1.2.4 Elitäre Bildung im deutschen Schulsystem
2 Allgemeine Betrachtungen zum Übergang
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Theoretische Zugänge
2.2.1 Der Übergang als Statuspassage
2.2.2 Der Übergang als Ritual
2.2.3 Der Übergang als Reproduktion sozialer Unterschiede
2.2.4 Der Übergang als ökonomisches Kalkül
2.3 Zur Wirkung einer Übergangsentscheidung
2.4 Übergänge im Schulwesen
3 Rechtliche Rahmenbedingungen des Schulübergangs
3.1 Der Zeitpunkt des Schulübergangs
3.2 Die Verfahren der Übergangsauslese
3.3 Elternwille und staatliche Schulhoheit
3.4 Gesetzliche Regelungen in den Bundesländern
4 Akteure des Übergangs
4.1 Die Lehrer
4.2 Die Eltern
4.3 Die Schüler
Empirischer Teil
5 Methodologische Grundlagen
5.1 Zur dokumentarischen Methode und dem Konzept des individuellen Orientierungsrahmens
5.2 Herkunft des Falles „Sauron“ und Auswahlbegründung
5.3 Die Konzeption der Interviews
5.4 Arbeitsschritte der dokumentarischen Interpretation narrativer Interviews
5.5 Das Fallportrait
6 Interpretationsprotokolle zum Fall Sauron
6.1 1. Passage (Die Grundschulzeit)
6.1.1 Thematische Struktur
6.1.2 Formulierende Interpretation
6.1.3 Reflektierende Interpretation
6.1.4 Zusammenfassung der Orientierungsstrukturen
6.2 2. Passage (Die Schulwahl)
6.2.1 Thematische Struktur
6.2.2 Formulierende Interpretation
6.2.3 Reflektierende Interpretation
6.2.4 Zusammenfassung der Orientierungsstrukturen
6.3 3. Passage (Die Ankunft)
6.3.1 Thematische Struktur
6.3.2 Formulierende Interpretation
6.3.3 Reflektierende Interpretation
6.3.4 Zusammenfassung der Orientierungsstrukturen
7 Fallrekonstruktion „Sauron“
7.1 Allgemeine Beschreibung
7.2 Beschreibung der Grundschulzeit
7.3 „weil alles zehnmal durchgekaut werden musste“: Die Grundschulzeit im Zeichen von Leistungsorientierung und Distinktion – Ergebnisdarstellung des 1. Interviews
7.4 Zusammenfassung zum individuellen Orientierungsrahmen und Ausblick auf die weiterführende Schule
7.5 Beschreibung des Ankommens an der A.-Schule
7.6 „schwierige“ Aufgaben und „vollgepfropfte“ Wochen: Erste Schwierigkeiten bei der Umsetzung der individuellen Orientierungen – Ergebnisdarstellung des 2. Interviews
7.7 Zusammenfassung und Ausblick auf die weiterführende Schullaufbahn
8 Kontrastierung – ein Vergleich mit anderen Fällen des Forschungsprojekts
Schlusswort
Die vorliegende Arbeit untersucht den Übergang von der Grundschule in die Sekundarstufe mit einem besonderen Fokus auf die biographische Verarbeitung dieses Selektionsereignisses. Ziel der Forschungsarbeit ist die Rekonstruktion eines Einzelfalls („Sauron“), um neue Aussagen über den Zusammenhang von Schülerbiographie, individuellen Orientierungen und erfolgreichen oder krisenhaften Verläufen in der Schullaufbahn an einem exklusiven Gymnasium zu treffen.
„weil alles zehnmal durchgekaut werden musste“: Die Grundschulzeit im Zeichen von Leistungsorientierung und Distinktion – Ergebnisdarstellung des 1. Interviews
Saurons Einschulung ging mit der Hoffnung einher, der langweiligen Kindergartenzeit endlich entkommen zu sein und in der Grundschule „mal wieder was zu machen“. Bereits darin drückt sich die seinem individuellen Orientierungsrahmen zugrunde liegende Leistungsorientierung aus, die jedoch stark mit dem institutionellen Angebot verknüpft ist. Der jeweiligen Institution teilt er die Aufgabe zu, ihm ein entsprechend anregungsreiches Anforderungsmilieu zur Verfügung zu stellen, damit ihm nicht „langweilig“ wird. Sein positiver Gegenhorizont besteht demnach aus einer adäquaten Anforderungsstruktur zur optimalen Entfaltung der eigenen Leistungsfähigkeit. Auf der Grundlage der Nichterfüllung dieses Förderungsanspruches, also der leistungsmäßigen Unterforderung in der Grundschule, entwickelt er schließlich eine stark distinktive Haltung gegenüber leistungsschwächeren Schülern.
Die Gruppe der „etwas helleren“, zu der er sich durch „wir“ kollektiv zuordnet, steht hierbei im Kontrast zur Gruppe der Schüler, die ein langsameres Arbeitstempo und Verständnisprobleme haben. Mit der Metapher „schlafen legen“ markiert er sehr deutlich seinen negativen Gegenhorizont, der aus einem unzureichenden schulischen Anregungspotenzial („weil alles zehnmal durchgekaut werden musste“) und einer daraus resultierenden generellen Leistungsunterforderung besteht. Sein individueller Orientierungsrahmen besteht schließlich aus einer ausgesprochenen Leistungsorientierung, die jedoch stark durch das institutionelle Setting gerahmt ist.
1 Allgemeine Betrachtungen zum Schulwesen: Dieses Kapitel erläutert die gesellschaftlichen und individuellen Funktionen von Schule sowie die Struktur des deutschen Bildungssystems und die Bedeutung der Grundschule.
2 Allgemeine Betrachtungen zum Übergang: Hier werden theoretische Ansätze zur Interpretation von Übergängen vorgestellt, darunter der Übergang als Statuspassage, als Ritual und als Reproduktion sozialer Ungleichheit.
3 Rechtliche Rahmenbedingungen des Schulübergangs: Der Abschnitt analysiert die formalrechtlichen Vorgaben der Bundesländer, die den Zeitpunkt des Übergangs und die Verfahren der Übergangsauslese festlegen.
4 Akteure des Übergangs: Dieses Kapitel beleuchtet die Rollen von Lehrern, Eltern und Schülern bei der Entscheidungsfindung für eine weiterführende Schulform.
5 Methodologische Grundlagen: Hier wird die dokumentarische Methode der Interpretation und deren Anwendung auf narrative Interviews zur Rekonstruktion individueller Orientierungsrahmen dargelegt.
6 Interpretationsprotokolle zum Fall Sauron: Dieser Teil dokumentiert das analytische Vorgehen und die inhaltlichen Ergebnisse der Interpretation der ausgewählten Interviewpassagen zum Fall „Sauron“.
7 Fallrekonstruktion „Sauron“: Auf Basis der Interpretationsprotokolle wird hier der individuelle Orientierungsrahmen des Schülers Sauron rekonstruiert und seine Schullaufbahn im Übergang zum Gymnasium analysiert.
8 Kontrastierung – ein Vergleich mit anderen Fällen des Forschungsprojekts: Das abschließende Kapitel setzt den Fall „Sauron“ in Bezug zu anderen Fällen des Forschungsprojekts, um eine Typenbildung von Schulkarrieren im exklusiven gymnasialen Segment vorzunehmen.
Schulübergang, Grundschule, Gymnasium, Sekundarstufe, dokumentarische Methode, Orientierungsrahmen, Leistungsorientierung, Bildungsaspiration, Statuspassage, Selektion, Schullaufbahn, Fallstudie, Adoleszenz, Leistungsanforderungen, Bildungsungleichheit.
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Prozess des Schulübergangs von der Grundschule in die Sekundarstufe, insbesondere der biographischen Verarbeitung dieses Übergangs und der Rolle der Akteure bei dieser Weichenstellung.
Zu den Schwerpunkten zählen die Struktur des deutschen Schulwesens, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Übergangsauslese, die Bedeutung sozialer Herkunft und die individuelle Orientierung von Schülern im Übergangsprozess.
Das primäre Ziel ist die Rekonstruktion eines Einzelfalls („Sauron“), um zu untersuchen, wie Schüler biographisch auf die Anforderungen und Selektionsmechanismen des exklusiven gymnasialen Bereichs reagieren.
Die Arbeit nutzt die dokumentarische Methode der Interpretation nach Bohnsack, um das implizite Orientierungswissen und den Habitus des untersuchten Schülers aus narrativen Interviews zu rekonstruieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Thematik des Übergangs und einen empirischen Teil, der die methodische Vorgehensweise, die Fallrekonstruktion von „Sauron“ und eine Kontrastierung mit anderen Fällen umfasst.
Wesentliche Begriffe sind Schulübergang, Selektion, Orientierungsrahmen, dokumentarische Methode, Leistungsorientierung und Bildungsaspiration.
Aufgrund seiner selektiven Wirkung, da die Wahl der Schulform nach der Grundschule eine „Statusvorentscheidung“ darstellt, die den weiteren Bildungsabschluss und damit verbundene berufliche Perspektiven maßgeblich bestimmt.
Die Schwester fungiert als wichtige Ressource: Sie dient als Vorbild, bietet Unterstützung bei schulischen Anforderungen und hilft durch Erfahrungsaustausch, was dem Fall Sauron eine spezifische Dynamik verleiht.
Sauron versucht, durch erhöhten Zeitaufwand und Fleiß seinen hohen Leistungsansprüchen gerecht zu werden, wobei er Schwierigkeiten externen Faktoren zuschreibt, um das eigene Fähigkeitsselbstbild zu stützen.
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