Examensarbeit, 2024
180 Seiten, Note: 1,00
1 Einleitende Worte
2 Ganztagsschulen in Thüringen
2.1 Der Begriff der Ganztagsschule
2.2 Der Wandel von Ganztagsschule im Laufe der Zeit
2.2.1 Ein kurzer Abriss der historischen Ganztagsentwicklung hin zur gegenwärtigen Situation
2.2.2 Das Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“ mit gegenwärtiger Statistik
2.2.3 Der Ganztagsschulausbau in den kommenden Jahren
3 Erwartungen an die Ganztagsschule als Kompensationsort für herkunftsbedingte Disparität
3.1 Ein chancengerechtes, deutsches Bildungssystem?
3.2 Ziele von und Erwartungen an Ganztagsschule
4 Aktueller Forschungsstand zur Wirkmächtigkeit ganztägiger Beschulungs- und Betreuungsangebote
4.1 Ergebnisse der aktuellen Forschung
4.2 Deduktive Schlussfolgerungen und Lösungsansätze
5 Kritische Betrachtung ausgewählter Ganztagsschulen in Jena und deren Wirksamkeit für eine chancengerechte Bildung
5.1 Methodisches Vorgehen
5.1.1 Untersuchungsverfahren
5.1.2 Untersuchungspersonen und -schulen
5.1.3 Untersuchungsdurchführung
5.1.4 Untersuchungsauswertung
5.2 Darstellung der Ergebnisse
5.2.1 Fragen zur Person und zu ihrem Beruf
5.2.2 Kategorisierung der Schule
5.2.3 Übergang zum Kernthema „Bildungsgerechtigkeit“
5.2.4 Ausblick und Synthese der wichtigsten Gedanken
6 Zusammenfassung und kriteriale Diskussion der Ergebnisse
7 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern ganztägige Beschulungs- und Betreuungseinrichtungen Möglichkeiten zum Abbau herkunftsbedingter Disparitäten bieten und welche Barrieren einer chancengerechteren Bildung entgegenstehen. Der Fokus liegt dabei auf der kritischen Analyse der Effektivität dieser Angebote für einen Bildungserfolg fernab sozioökonomischer Hintergründe.
2.1 Der Begriff der Ganztagsschule
Unabhängig des anhaltenden Diskurses um ganztägige Bildung und Betreuung, den Entwicklungen in Politik, Wissenschaft und Gesellschaft, ist einer einheitlichen Begriffsdefinition von Ganztagsschule abzusagen. Bei Betrachtung der Fülle von verwendeten Begriffen neben dem der „Ganztagsschule“, seien es „[…] ‚ganztägig arbeitende Schulen‘, ‚Schulen mit pädagogischer Mittagsbetreuung‘ (beide Kulturministerium Hessen), ‚Formen von Ganztagsangeboten‘ (Kulturministerkonferenz), ‚Ganztagsschulen in Angebotsform‘ (Rheinland-Pfalz), […] oder auch schlicht ‘GanzTag‘ (NRW) […]“ (Oelerich, 2007, S. 15), welche in der Schnittmenge ein pädagogisches Konzept bzw. eine pädagogische Organisationsform repräsentieren, die mit außerunterrichtlichen Angeboten über den gewöhnlichen Vormittagsunterricht hinausgeht, wird deutlich, dass die „schier unüberschaubare Zahl von unterschiedlichen Modellen, Ansätzen und Umsetzungen ganztätiger schulischer Betreuung mit fließenden Grenzen […] sich nur schwer in ein enges begriffliches Korsett zwängen lässt“ (Klieme & Radisch, 2003, S. 4). Doch gerade im Kontext einer wissenschaftlichen, empirischen Auseinandersetzung mit Ganztagsschulen kann es so zu Herausforderungen kommen, da eine fehlende begriffliche Übereinkunft die Verständigung über bspw. die Wirkungsmächtigkeit ganztägiger Angebote, die Vergleichbarkeit verschiedener Organisationsformen oder die daraus resultierenden inhaltlichen Konzeptionen für die Zukunft im Sinne der Ganztagsschulentwicklung beeinträchtigt (Nerowski, 2015a, S. 15). Daher sind Diskussionen über eine einheitliche Terminologie oder Definition von "Ganztagsschule" von grundlegender Bedeutung.
Trotz oder gerade aus dem Grund dieser begrifflichen Offenheit kam es in vergangenen wissenschaftlichen Diskursen regelmäßig zu Versuchen von Definitionsvorschlägen. Vier solcher Definitionsentwürfe, die den Versuch wagten, einen kommunikativen Rahmen oder sogar verbindliche Axiome im Umgang mit ganztägiger Bildung und Betreuung aufzustellen, werden im Folgenden vorgestellt.
1 Einleitende Worte: Die Einleitung beleuchtet die bildungssoziologische Relevanz von Bildungsgerechtigkeit und stellt die Forschungsfrage sowie das Ziel der Arbeit, die Effektivität von Ganztagsschulen kritisch zu prüfen, vor.
2 Ganztagsschulen in Thüringen: Dieses Kapitel liefert einen Überblick zur Begriffsdefinition sowie zur historischen und gegenwärtigen Entwicklung, insbesondere unter Berücksichtigung des Investitionsprogramms IZBB.
3 Erwartungen an die Ganztagsschule als Kompensationsort für herkunftsbedingte Disparität: Hier werden der theoretische Rahmen um den Bildungsbegriff und die Funktionen von Schule sowie die Erwartungen an eine schulische Förderung jenseits des sozialen Hintergrunds erörtert.
4 Aktueller Forschungsstand zur Wirkmächtigkeit ganztägiger Beschulungs- und Betreuungsangebote: Das Kapitel analysiert aktuelle empirische Studien und diskutiert die tatsächlichen Wirkungen von Ganztagsangeboten sowie daraus resultierende Schlussfolgerungen.
5 Kritische Betrachtung ausgewählter Ganztagsschulen in Jena und deren Wirksamkeit für eine chancengerechte Bildung: Der Forschungsteil präsentiert das qualitative Vorgehen mittels Experteninterviews und wertet die gewonnenen Erkenntnisse zu den spezifischen Rahmenbedingungen der Jenaer Schulen aus.
6 Zusammenfassung und kriteriale Diskussion der Ergebnisse: Die Ergebnisse der Arbeit werden hier geordnet zusammengefasst und im Kontext der im Theoriekapitel analysierten Forschungserkenntnisse diskutiert.
7 Fazit: Das Fazit beantwortet die Forschungsfrage und verweist auf notwendige Anforderungen für eine qualitative Weiterentwicklung der Ganztagsschullandschaft zur Förderung von Bildungsgerechtigkeit.
Ganztagsschule, Bildungsgerechtigkeit, soziokulturelle Herkunft, Schulentwicklung, soziale Ungleichheit, Schulsozialarbeit, PISA-Studie, Bildungsbenachteiligung, Bildungsarmut, Inklusion, Gemeinschaftsschule, Lernvoraussetzungen, pädagogische Kooperation.
Die Arbeit analysiert die Funktion von Ganztagsschulen als Instrument zur Förderung von Bildungsgerechtigkeit und untersucht kritisch, ob und wie diese Einrichtungen herkunftsbedingte Bildungsbenachteiligungen kompensieren können.
Zentrale Themen umfassen die Bildungssoziologie, die historische Entwicklung der Ganztagsschule in Deutschland und Thüringen, die Erwartungen der Bildungspolitik sowie die Herausforderungen bei der Umsetzung integrierter pädagogischer Konzepte.
Die Arbeit geht der Frage nach, welche Möglichkeiten zum Abbau von herkunftsbedingter Disparität Ganztagsschulen bieten und welche Grenzen bei einer chancengerechteren Bildung überwunden werden müssen.
Es wurde eine qualitative Untersuchung durchgeführt, die auf leitfadengestützten Einzelinterviews mit drei in Jena tätigen Schulsozialarbeitern basiert.
Nach einer theoretischen Verortung von Bildung und Gerechtigkeit analysiert der Hauptteil den aktuellen Stand der empirischen Forschung sowie die spezifische Umsetzung und Problematik an drei exemplarischen Gemeinschaftsschulen in Jena.
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Schlüsselbegriffe wie Ganztagsschule, Bildungsgerechtigkeit, soziokulturelle Herkunft, soziale Ungleichheit und Schulsozialarbeit charakterisieren.
Die Untersuchung umfasst Schulen in unterschiedlichen Einzugsgebieten mit variierender Trägerschaft (staatlich versus frei), wobei insbesondere die Umsetzung von pädagogischen Konzepten und die Personalsituation als zentrale Variationsfaktoren identifiziert wurden.
Die Schulsozialarbeit fungiert als Bindeglied zwischen Schule, Familie und außerschulischen Partnern und ist somit entscheidend für die Unterstützung bei Bildungsentscheidungen und die Förderung benachteiligter Schülerinnen und Schüler.
Entgegen der theoretischen Erwartungen äußerten die befragten Schulsozialarbeiter die Ansicht, dass der integrative, jahrgangsübergreifende Unterricht an ihren Schulen problematisch sei und die individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern erschwere.
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