Doktorarbeit / Dissertation, 2007
129 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Zum Sprechrhythmus
2.1 Isochronie
2.2 Akustische Korrelate des Sprechrhythmus
2.3 Perzeption von Sprechrhythmus
2.4 Sprechrhythmus und Lyrik
2.4.1 Motivation
2.4.2 Ergebnisse
2.5 Fazit
3 Zum Begriff der Prosodie
3.1 Definierbarkeit
3.2 Funktion
3.3 Fazit
4 Lyrik und Metrik
5 Korpuserstellung
5.1 Textauswahl
5.2 Aufnahme
5.3 Annotation
5.3.1 GToBI-Etikettierung
5.4 Zusammenfassung
6 Datenanalyse
6.1 Dauerphänomene
6.1.1 Silbendauern
6.1.2 Fußdauern
6.1.3 Die Dauerrelation unakzentuiert zu akzentuiert
6.1.4 Phrasen- und Versdauern
6.1.5 Zusammenfassung
6.2 Intonationsphänomene
6.2.1 Höhe der Grundfrequenz
6.2.2 Phonologische Beschreibung der Intonation
6.2.3 Zusammenfassung
7 Rhythmisch-prosodische Modelle
7.1 Dauermodelle
7.1.1 Lineare Regression
7.1.2 Silbendauern bei isochronen Fußdauern
7.2 Intonationsmodell
7.3 Zusammenfassung
8 Evaluation der Dauermodelle
8.1 Verfahren der perzeptiven Beurteilung von Sprachstimuli
8.1.1 Der Faktor Mensch
8.1.2 Testmethoden
8.1.3 Diskussion
8.2 Delexikalisierung
8.3 Modellevaluation
8.3.1 Ergebnisse der Lyrik/Prosa Unterscheidung bei delexikalisierten Stimuli
8.3.2 Ergebnisse der Lyrik/Prosa Unterscheidung bei nicht-delexikalisierten Stimuli
8.3.3 Ergebnisse der Rhythmuserkennung bei delexikalisierten Stimuli
8.3.4 Zusammenfassung
9 Abschließende Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Dissertation untersucht den rhythmisch-prosodischen Sprechstil in der deutschen Lyrik mit dem Ziel, Grundlagen für eine Erweiterung von Text-zu-Sprache-Synthesesystemen (TTS) um diese spezielle Textdomäne zu schaffen und entsprechende Dauermodelle zu entwickeln.
2.4.1 Motivation
Kohler urteilt über das rhythmische Prinzip der Sprache:
„Beim Lesen tritt es viel deutlicher hervor als im freien Sprechen, und schließlich erfährt es seine weiteste Stilisierung und strikteste Befolgung in der Poesie. Für Metrik und Verslehre eröffnet sich damit eine interessante Sichtweise und ein neuer Forschungsansatz.“ (Kohler, 1982: 103)
Lehiste (1990) vertieft diese Sichtweise noch, indem sie davon ausgeht, dass sich das prosodische System einer Sprache in der metrischen Struktur seiner traditionellen Lyrik kristallisiert. Danach manifestiert sich in der Lyrik das suprasegmentale System einer Sprache mit seinen optimalen Oppositionen. Auf Grundlage dieser Hypothese betrachtet Lehiste die Lyrik als wesentlichen Gegenstandsbereich für die Sprechrhythmusforschung:
„To understand better the rhythm of spoken language, one should look at the rhythmic structure of poetry developed in that language over the years; patterns that may be imperfectly realized in prose may be manifested in a more regular fashion in poetry.“ (Lehiste, 1990: 123)
Demgemäß wird propagiert, dass eine Reihe von für die Rhythmusforschung wichtigen Phänomenen anhand lyrischer Daten zu untersuchen sind. Allen (1972) sieht in der Lyrik den nächstgelegenen Ort für die Auffindung von Evidenz bezüglich der rhythmischen Schläge von Sprache:
„The most obvious place to look for evidence concerning the beats of speech rhythm is poetry, since we can paraphrase Orwell’s pigs and say ‘Poetry is like speech, only more so’. Poets use naturally occurring phenomena to their artistic advantage; one of those phenomena is speech rhythm, which they creatively select to fit some metrical scheme.” (Allen, 1972: 73)
Auch das in Abschnitt 2.2 skizzierte entrainment Phänomen sowie der damit einhergehende harmonic timing effect sollen in der Lyrik besonders augenscheinlich sein (Port, Tajima & Cummins, 1999). Zudem erwartet Kohler (1983), dass die Kompression von Akzentfüßen beim Lesen rhythmisch stilisierter Lyrik stärker ist als bei Prosa.
1 Einleitung: Diese Einleitung motiviert die Untersuchung des sprachlichen Rhythmus in der Lyrik zur Erweiterung von Sprachsynthesesystemen.
2 Zum Sprechrhythmus: Es wird ein Überblick über die Sprechrhythmusforschung der letzten 60 Jahre gegeben, insbesondere zur Isochroniehypothese und zu akustischen Korrelaten.
3 Zum Begriff der Prosodie: Dieses Kapitel beleuchtet die Schwierigkeiten bei der Definition von Prosodie und diskutiert ihre Funktionen.
4 Lyrik und Metrik: Hier werden literaturwissenschaftliche Grundlagen der Metrik und deren Zusammenhang mit Rhythmus erörtert.
5 Korpuserstellung: Das Kapitel beschreibt die Erstellung, Aufnahme und Annotation des Lyrik-Korpus, welches die Basis für die statistischen Analysen bildet.
6 Datenanalyse: Es werden deskriptive Statistiken zu Dauer- und Intonationsphänomenen vorgestellt, die als Grundlage für die Modellbildung dienen.
7 Rhythmisch-prosodische Modelle: Dieses Kapitel stellt die entwickelten Dauermodelle (lineare Regression und Fußisochronie) sowie ein Intonationsmodell für lyrische Texte vor.
8 Evaluation der Dauermodelle: Die Dauermodelle werden mittels Perzeptionstests evaluiert, um die Diskriminationsleistung bezüglich Sprechstil und Metrum zu prüfen.
9 Abschließende Zusammenfassung und Ausblick: Eine abschließende Diskussion der Ergebnisse und ein Ausblick auf zukünftige Arbeiten runden die Arbeit ab.
Sprechrhythmus, Lyrik, Prosodie, Dauermodellierung, Lineare Regression, Fußisochronie, Sprachsynthese, Intonation, GToBI, Metrik, Perzeptionstest, Akzentfuß, Sprachproduktion, Sprachsignale, Annotation
Die Arbeit untersucht den rhythmisch-prosodischen Sprechstil in der deutschen Lyrik, um die Grundlagen für eine Erweiterung der Text-zu-Sprache-Synthese (TTS) zu schaffen, damit Computer natürlichere lyrische Texte vortragen können.
Zentrale Felder sind die Sprechrhythmusforschung, die literaturwissenschaftliche Metrik, die phonetische Korpusanalyse, die mathematische Dauermodellierung sowie die perzeptive Evaluation durch menschliche Hörer.
Das primäre Ziel ist es, Dauermodelle für Silben im lyrischen Sprechstil zu entwickeln und zu evaluieren, wobei die Arbeit insbesondere auf die Unterschiede zwischen lyrischem und prosaischem Sprechstil fokussiert.
Es wird eine Kombination aus akustisch-phonetischer Korpusanalyse, statistischer Modellbildung (lineare Regression), phonologischer Annotation (GToBI) und perzeptiven Hörtests angewandt.
Der Hauptteil befasst sich mit der Korpuserstellung, der statistischen Analyse von Dauer- und Intonationsphänomenen, der Entwicklung von Dauermodellen sowie der Evaluation dieser Modelle durch Hörerstudien.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Sprechrhythmus, Lyrik, Prosodie, Dauermodellierung, GToBI, Metrik, Sprachsynthese und Perzeptionstests.
In der Lyrik wird das rhythmische Prinzip der Sprache stilisierter und deutlicher ausgeprägt als in freier Rede, was sie zu einem idealen Untersuchungsgegenstand für die Rhythmusforschung macht.
Die Arbeit widerlegt die strenge Isochroniehypothese, zeigt aber, dass im Deutschen eine Tendenz zur isochronen Taktung besteht, die als abstraktes Planungskonzept für die Sprachproduktion fungiert.
Da Sprachrhythmus ein perzeptives Phänomen ist, müssen die durch die mathematischen Modelle erzeugten manipulierten Sprachsignale daraufhin geprüft werden, ob sie von Menschen als rhythmisch adäquat oder als spezifischer Sprechstil wahrgenommen werden.
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