Bachelorarbeit, 2019
42 Seiten
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrungen im Hinblick auf Sprachbarrieren, wobei der Fokus auf den schulischen Kontext gelegt wird. Das primäre Ziel ist es, die Herausforderungen bei der Integration dieser Schüler*innen in das deutsche Bildungssystem aufgrund sprachlicher Hürden zu analysieren und effektive Methoden zur Sprachförderung vorzustellen. Die zentrale Forschungsfrage lautet, welche Vorgehensweisen zur Eingliederung von geflüchteten Kindern und Jugendlichen ins Schulsystem am sinnvollsten erscheinen, um eine erfolgreiche gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
3.1.1 Probleme mit der Fach- und Bildungssprache
Häufig ist zu erkennen, dass Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien oder mit einem Migrationshintergrund mit der Allgemeinsprache bzw. der informellen Sprache kaum Schwierigkeiten haben, wenn es jedoch um die Kommunikation in der Schule geht, kommt es zu Schwierigkeiten, da sie die Fach- und Bildungssprache nicht zwangsläufig beherrschen (Natarajan, 2019, S. 257). Um zu verstehen, weshalb genau diese Schüler*innen Schwierigkeiten im Unterricht haben, ist es hilfreich, zunächst das Schema der sprachlichen Register näher zu betrachten.
In der Sprache gibt es unterschiedliche Register, welche sich je nach Kommunikationsanlass wandeln (Natarajan, 2019, S. 256). Beispielsweise bei einem Gespräch mit Arbeitskollegen wird eine andere Sprache gesprochen, als bei einem Bewerbungsgespräch. Zudem ist der Unterschied zu gesprochener Sprache im Vergleich zu geschriebener, dass in der gesprochenen Sprache sprachliche „Fehler“ eher erlaubt sind. Ein Satz kann z. B. abrupt abgebrochen werden, indem das Thema gewechselt wird oder Begriffe nicht konkret benannt werden. Durch die gemeinsame Gesprächssituation der Gesprächspartner*innen ist es einfacher, dem Sprechenden zu folgen und es können Aussagen auch auf diese Weise verstanden werden. Zeit und Ort sind bei den Kommunizierenden gleich, weshalb diese Sprechart auch als „Sprache der Nähe“ bezeichnet wird (Natarajan, 2019, S. 256). Es wäre wahrscheinlich sogar der Fall, dass die Sprache bei korrekter Sprechweise befremdlich klingen würde. Anders ist es wiederrum bei der geschriebenen Sprache, in der Fehler im Satzbau oder in der Grammatik sofort erkenntlich werden und eine zu ungenaue Erklärung zu Verständnisschwierigkeiten führt. Der Leser oder die Leserin ist nicht in der gleichen Situation wie der Autor bzw. die Autorin, weshalb die Texte sich konkret ausdrücken müssen. Hier wird von der „Sprache der Distanz" gesprochen (Natarajan, 2019, S. 256). Für jeden Bereich gibt es ein passendes sprachliches Register, in der eine dafür passende Sprache vorgesehen wird. Im Berufsleben, in verschiedenen Sportarten, in wissenschaftlichen Teilbereichen - für jedes Gebiet gibt es ein anderes Register und dementsprechend auch eine andere Fachsprache.
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die zunehmende Relevanz der Migration und die damit verbundenen Herausforderungen für Schulen, insbesondere im Umgang mit Sprachbarrieren bei geflüchteten Kindern und Jugendlichen.
2. Heterogenität in der Schule: Dieses Kapitel erläutert verschiedene Formen von Heterogenität im schulischen Kontext, wobei ein besonderer Fokus auf Flucht als spezielle Form der Heterogenität und die damit verbundenen psychischen Belastungen gelegt wird.
3. Probleme der Sprachförderung im schulischen Kontext: Hier werden die sprachlichen Hindernisse detailliert beschrieben, die sich aus mangelnder Fach- und Bildungssprache, komplexen Aufgabenstellungen, sowie der Praxis der Separation statt Integration und einer vorherrschenden Defizitperspektive ergeben.
4. Methoden zum Umgang mit Sprachbarrieren: Das Kapitel stellt unterschiedliche Methoden zur Sprachförderung vor, die auf Wahrnehmungsmuster im (früh)kindlichen Alter sowie sprachsensiblen Unterricht in der Sekundarstufe zugeschnitten sind, inklusive Lesestrategien, Schreibstrategien und Scaffolding.
5. Schluss: Der Schlussteil fasst die Haupterkenntnisse der Arbeit zusammen, betont die Bedeutung eines sprachfördernden und integrativen Ansatzes im Schulsystem und plädiert für die Wertschätzung von Mehrsprachigkeit als Bereicherung.
Fluchterfahrungen, Sprachbarrieren, Heterogenität, Sprachförderung, Bildungssprache, Fachsprache, Integration, Separation, Defizitperspektive, Scaffolding, Mehrsprachigkeit, schulischer Kontext, Traumatisierung, Wahrnehmungsmuster, Lesestrategien.
Diese Arbeit befasst sich mit dem Umgang von Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrungen im Kontext von Sprachbarrieren, insbesondere im deutschen Schulsystem, und sucht nach geeigneten Methoden zur Sprachförderung und Integration.
Zentrale Themenfelder sind die schulische Heterogenität durch Flucht, sprachliche Hindernisse im Unterricht, Konzepte von Separation versus Integration, verschiedene Ansätze zur Sprachförderung im Kindes- und Jugendalter sowie die Bedeutung von sprachsensiblem Unterricht und Mehrsprachigkeit.
Das primäre Ziel ist es, effektive Vorgehensweisen zur Eingliederung geflüchteter Kinder und Jugendlicher ins Schulsystem zu identifizieren, um Sprachbarrieren abzubauen und eine erfolgreiche gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
Die Arbeit analysiert und diskutiert vorhandene Forschungsergebnisse, Konzepte und Methoden aus der empirischen Bildungsforschung und Pädagogik, um Empfehlungen für den Umgang mit Sprachbarrieren abzuleiten.
Der Hauptteil behandelt die verschiedenen Formen von Heterogenität in der Schule (insbesondere Flucht und psychische Belastungen), die Probleme der Sprachförderung (Fach-/Bildungssprache, Aufgabenstellungen, Separation, Defizitperspektive) und detaillierte Methoden zur Sprachförderung im frühkindlichen Alter und für sprachsensiblen Unterricht in der Sekundarstufe.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Fluchterfahrungen, Sprachbarrieren, Heterogenität, Sprachförderung, Bildungssprache, Scaffolding, Mehrsprachigkeit und schulischer Kontext.
Die "Sprache der Nähe" bezieht sich auf die gesprochene, informelle Sprache des Alltags, die oft fehlerhaft sein darf und stark vom gemeinsamen Kommunikationskontext abhängt. Die "Sprache der Distanz" ist hingegen die geschriebene, formale Sprache, die präzise sein muss, um auch ohne gemeinsamen Kontext verstanden zu werden, und typisch für Fach- und Bildungssprache ist.
Bei der Sprachförderung im frühkindlichen Alter werden das visuell orientierte, das auditiv orientierte und das kinästhetisch orientierte Wahrnehmungsmuster berücksichtigt, um unterschiedlichen Lernpräferenzen gerecht zu werden.
Die Scaffolding-Methode ("Baugerüst") ist ein Konzept, das sprachlich benachteiligte Schüler*innen durch individuell angepasste Unterstützungsmöglichkeiten fördert. Sie beinhaltet Bedarfs- und Lernstandsanalyse, Unterrichtsplanung mit gezielten "Gerüsten" (z.B. Bilder, Brückentexte, Herkunftssprache) und eine interaktive Umsetzung, mit dem Ziel, die Unterstützung schrittweise abzubauen.
Die Mehrsprachigkeit der Schüler*innen soll im sprachsensiblen Unterricht nicht als Defizit, sondern als Bereicherung gesehen und aktiv gefördert werden, beispielsweise durch mehrsprachige Materialien, die Berücksichtigung der Herkunftssprache in Ritualen oder Sprachvergleichen sowie die sichtbare Darstellung von Mehrsprachigkeit im Schulraum.
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