Masterarbeit, 2025
288 Seiten, Note: 1,3
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Erfahrungen und Erwartungen von Lehramtsstudierenden als zukünftige Lehrkräfte an den Sexualkundeunterricht sowie die Chancen und Herausforderungen, die sie in einer Etablierung der Sexualpädagogik der Vielfalt an Schulen sehen. Das Hauptziel ist eine wissenschaftliche Analyse dieser studentischen Perspektiven, um ein umfassendes Bild von deren Wünschen, Befürwortungen und Bedenken gegenüber einem vielfaltsbewussten Sexualerziehungsansatz zu erhalten.
1. Einleitung
Die gegenwärtige Gesellschaft befindet sich in einem kontinuierlichen Prozess des sozialen Wandels. Beispielsweise stellt die Diversifizierung der sexuellen Orientierungen, geschlechtlichen Identität und Lebensformen einen grundlegenden Aspekt des sozialen Wandels dar (vgl. Gabunia 2023, S. 56). Ebenfalls werden die gesellschaftlichen Anerkennungen von Minderheiten und die Überwindung der strukturellen Benachteiligungen immer präsenter (vgl. ebd., S. 57). Das traditionelle Familienbild nimmt an Bedeutung ab, Kinder werden häufiger von alleinerziehenden Elternteilen erzogen und gleichgeschlechtliche Partnerschaften nehmen zu (vgl. Bigalke 2029). Darüber hinaus ermöglichen gesetzliche Regelungen die Eintragung eines „dritten Geschlechts“ in das Geburtsregister oder die Änderung der geschlechtlichen Identität (vgl. ebd.). Diese Entwicklungen bilden wesentliche Bestandteile der Struktur unserer heutigen Gesellschaft, wodurch die wachsende Vielfalt als Chance betrachtet werden kann (vgl. Gabunia 2023, S. 56). Nach Voß (2023) ist es angesichts sich wandelnder gesellschaftlicher Anforderungen dringend erforderlich, die Aufklärung über Sexualität unter anderem an Schulen an die Lebensrealitäten anzupassen. Beispielsweise hat die Bedeutung von Treue, emotionale Verbundenheit und Liebe als Grundlage von Beziehungen im Vergleich zu den 1990er-Jahren erheblich zugenommen (vgl. Voß 2023, S. 23). Ebenso sammeln heutzutage mehr Jugendliche vor Vollendung ihres 18. Lebensjahres erste sexuelle Erfahrungen im Vergleich zu vor 1950, und es gibt eine gesteigerte Offenheit für unterschiedliche sexuelle Praktiken (vgl. ebd., S. 23f.). Durch die verstärkte Präsenz verschiedener Lebensstile und die Betonung der Individualisierung entsteht eine längst überfällige Bereitschaft, die bereits in der Vergangenheit vorhandene Diversität bewusst anzuerkennen und zu schätzen (vgl. Hartmann 2002, S. 11). Gesellschaftliche Veränderungen bezüglich der Diskriminierung werden nach und nach auch gesetzlich festgelegt (vgl. Krolzik-Matthei/Voss 2016, S. 105). Ein Beispiel hierfür ist die Abschaffung des § 175 im Jahr 1994, der Homosexualität diskriminierte (vgl. ebd.). Zudem wird seit 1992 Homosexualität nicht mehr im ICD (International Classification of Diseases) aufgelistet (vgl. Voß 2023, S. 10). Auch die geschlechtliche Vielfalt erfährt seit den 2000er-Jahren mehr Anerkennung (vgl. ebd., S. 11). Trotz dieser Entwicklungen besteht in weiten Teilen der Gesellschaft ein vorherrschendes Verständnis von Heteronormativität, basierend auf einer Vorstellung einer binären Einteilung der Geschlechter und der Idee der Heterosexualität als Norm. Dies führt dazu, dass andere Formen der Sexualität als Abweichung betrachtet werden, was eine hierarchische Strukturierung schafft (vgl. Hartmann 2002, S. 15). Zudem wurde in der deutschlandweiten Studie „Coming-out – und dann…?!“ mit über 5000 Jugendlichen aus der LGBTQIA*-Community festgestellt, dass Betroffene vor ihrem Coming-out mit erheblichen Belastungen und Ängsten vor Ablehnung aus dem Familien- und Freund*innenkreis konfrontiert sind (vgl. Oldenmeier/Krell 2018, S. 414, 416). Auch in der Schule erleben viele queere Jugendliche Mobbing und Diskriminierung (vgl. ebd., S. 418). Zudem hat der Lehrplan zur Sexualaufklärung an Schulen nur geringfügige Anpassungen erfahren (vgl. Voß 2023, S. 25). Traditionelle Denkmuster und Lehrmaterialien, die sich auf cisgeschlechtliche und heteronormative Perspektiven fokussieren, prägen weiterhin das Feld der sexuellen Bildung an Schulen und unterdrücken die Möglichkeit einer selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Auseinandersetzung mit der individuellen Sexualität (vgl. ebd., S. 25f.). Damit die gesellschaftlichen Veränderungen berücksichtigt werden, sollten vielfältige geschlechtliche und sexuelle Lebensweisen nicht mehr als Abweichung betrachtet werden (vgl. ebd., S. 11). Um die gegenwärtige Situation für queere Jugendliche zu verbessern und mehr Toleranz in der Gesellschaft zu erreichen, entstand eine Kontroverse bezüglich der Etablierung einer vielfaltsbewussten Sexualpädagogik an Schulen.
1. Einleitung: Das Kapitel führt in das Thema der schulischen Sexualerziehung im Kontext des gesellschaftlichen Wandels ein und beleuchtet die Notwendigkeit einer Anpassung an vielfältige Lebensrealitäten. Es stellt die Forschungsfrage und das Hauptziel der Arbeit vor.
2. Kontextualisierung: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen der Arbeit dar, indem es zentrale Begriffe wie Diversität, Intersektionalität, Sexualität und Diskriminierung diskutiert und die Entwicklung der Sexualpädagogik sowie die schulische Sexualerziehung in Deutschland beleuchtet.
3. Sichtweisen von Lehrkräften, Schüler*innen und Eltern bezüglich der schulischen Sexualerziehung: Aktueller Forschungsstand: Das Kapitel fasst den aktuellen Forschungsstand zu den Einstellungen verschiedener Akteursgruppen zur schulischen Sexualerziehung zusammen und identifiziert bestehende Forschungslücken. Es leitet daraus die spezifische Forschungsfrage der Masterarbeit ab.
4. Methodisches Vorgehen: Hier wird das qualitative Untersuchungsdesign der Masterarbeit detailliert beschrieben, einschließlich der Stichprobenauswahl, der Durchführung halbstandardisierter Interviews und des Datenanalyseverfahrens nach Mayring.
5. Darstellung der Ergebnisse: In diesem Kapitel werden die Ergebnisse der qualitativen Inhaltsanalyse präsentiert, die sich auf die Erfahrungen, Erwartungen, Chancen und Herausforderungen der Lehramtsstudierenden bezüglich der schulischen Sexualpädagogik der Vielfalt konzentrieren.
6. Fazit: Diskussion der Ergebnisse: Das Abschlusskapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, interpretiert sie im Kontext des theoretischen Rahmens und des Forschungsstandes, beantwortet die Forschungsfrage und schließt mit einer kritischen Reflexion sowie einem Ausblick auf zukünftige Forschung.
Sexualpädagogik, Vielfalt, Diversität, Intersektionalität, Sexualerziehung, Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung, Diskriminierung, Lehramtsstudierende, Schulunterricht, qualitative Analyse, Herausforderungen, Chancen, Selbstbestimmung, Bildung.
Die Arbeit untersucht die Sichtweisen von Lehramtsstudierenden zur schulischen Sexualerziehung, insbesondere im Hinblick auf das Konzept der Sexualpädagogik der Vielfalt.
Zentrale Themenfelder sind die schulische Sexualerziehung, Diversität, Geschlechtsidentitäten, sexuelle Orientierungen, Diskriminierung sowie die universitäre Ausbildung zukünftiger Lehrkräfte.
Das primäre Ziel ist es, die Erfahrungen, Erwartungen und Sichtweisen von Studierenden als zukünftige Lehrkräfte bezüglich des Sexualkundeunterrichts und der Etablierung der Sexualpädagogik der Vielfalt an Schulen zu analysieren.
Es wird ein qualitatives Untersuchungsdesign mit halbstandardisierten Interviews und einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring verwendet.
Der Hauptteil kontextualisiert das Thema, analysiert den Forschungsstand zu Sichtweisen von Lehrkräften, Schüler*innen und Eltern, erläutert das methodische Vorgehen und stellt die Ergebnisse der Befragung von Lehramtsstudierenden dar.
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Sexualpädagogik, Vielfalt, Diversität, Sexualerziehung, Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung, Diskriminierung, Lehramtsstudierende und Schulunterricht charakterisiert.
Die Studie zeigt, dass die universitäre Ausbildung der Lehramtsstudierenden in Biologie-Didaktik kaum spezifische Angebote zur Sexualpädagogik der Vielfalt enthält, was von den Studierenden als Defizit wahrgenommen wird.
Die Studierenden befürworten zwar oberflächlich die Thematisierung sexueller Vielfalt, zeigen aber gleichzeitig Skepsis und normative Wertvorstellungen, die auf einer unzureichenden Reflexion eigener Vorurteile und gesellschaftlicher Normen beruhen.
Kritik kommt insbesondere von konservativen und rechtspopulistischen Kreisen, die eine "Frühsexualisierung" der Kinder und eine "Umerziehung" befürchten und traditionelle Geschlechterrollen sowie Heteronormativität verteidigen.
Die Ergebnisse betonen die Notwendigkeit einer stärkeren Integration der Sexualpädagogik der Vielfalt in die Lehramtsausbildung, um zukünftige Lehrkräfte professionell auf die Vermittlung diversitätssensibler Inhalte vorzubereiten und ein sicheres Umfeld für Schüler*innen zu schaffen.
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