Magisterarbeit, 2009
68 Seiten, Note: 1,3
1. DIE BERGPREDIGT – EIN RHETORISCHES KONSTRUKT?
2. RAHMENBEDINGUNGEN
2.1 Die Bergpredigt als kurze Darstellung des Evangeliums
2.2 Zielpublikum der Bergpredigt
2.3 Christus als Lehrer
2.4 Der Verfasser Matthäus und der Übersetzer Luther
2.5 Das Verhältnis von Schriftlichkeit und Mündlichkeit
2.6 Der Heilige Geist und die Rhetorik
3. GATTUNG DER BERGPREDIGT
3.1 Die Gattung der Predigt (Homiletik)
3.2 Die Bergpredigt als Spezialform
3.3 Die literarische Funktion der Bergpredigt und ihre Wirkung
4. DIE „DISPOSITIO“ DER BERGPREDIGT
4.1 Teile der Rede
4.1.1 Die Einleitung der Bergpredigt
4.1.2 Die Erzählung als „argumentatio“
4.1.3 Der Schluss der Bergpredigt
4.2 Anordnung der Redeteile und Struktur der Bergpredigt
5. DIE „ELOCUTIO“ DER BERGPREDIGT
5.1 Die Tugenden der Bergpredigt
5.2 Der hohe Stil der Bergpredigt
5.3 Ornatus
5.3.1 Redeschmuck in Einzelwörtern
5.3.2 Redeschmuck in Wortverbindungen
5.3.2.1 Wortfiguren
5.3.2.2 Gedanken-, Sinnfiguren
6. ACTIO – DIE „INSZENIERUNG“ IN DER BERGPREDIGT
6.1 attentum parare durch principium
6.2 Die Inszenierung durch Jesus und seinen Redaktor
7. ERGEBNIS
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die Bergpredigt als rhetorisch konzipierte Rede betrachtet werden kann, indem sie die verschiedenen Produktionsstadien rhetorischer Rede analysiert. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Matthäus durch den gezielten Einsatz rhetorischer Mittel, Stilfiguren und eine spezifische Kompositionsstruktur sein Publikum von der christlichen Botschaft überzeugen wollte.
Die Gattung der Predigt (Homiletik)
Homiletik gilt als „die in lehrhafter Form verbreitete Theorie von Predigt [...] als Unterdisziplin der praktischen Theologie und nicht als Sonderform der Rhetorik. Als deren jüngere Schwester steht sie zu ihr in einem Spannungsverhältnis, das von Abgrenzungsbedürfnis und Selbstbehauptung, von Anlehnung und Rivalität bestimmt ist.“
Schweizer unterschied in seinem Werk über die Homiletik dabei zwischen drei Unterkategorien. Neben der Prinzipiellen Homiletik, die das Wesen der Homiletik untersucht, gebe die materielle Homiletik, die den Inhalt der Predigt thematisiert und die formale Homiletik, die die Gestaltungsfragen einer Predigt behandelt.
Hinzu kamen in den letzten Jahren weitere Kategorisierungsversuche für biblische Texte. Berger beispielsweise unterscheidet in „Texte, die den Leser aktivieren oder mahnen wollen (symbuleutisch), Texte, die beeindrucken wollen (epideiktisch) und Texte, die eine Entscheidung verdeutlichen wollen (dikanisch).
1. DIE BERGPREDIGT – EIN RHETORISCHES KONSTRUKT?: Die Einleitung hinterfragt den traditionellen Charakter der Bergpredigt als spontane Rede Jesu und führt die These einer redaktionellen rhetorischen Komposition ein.
2. RAHMENBEDINGUNGEN: Es werden die theologischen und historischen Rahmenbedingungen geklärt, insbesondere die Rolle von Matthäus als Autor und Luthers Übersetzung als Grundlage der Untersuchung.
3. GATTUNG DER BERGPREDIGT: Dieses Kapitel untersucht die Einordnung der Bergpredigt in homiletische oder rhetorische Gattungen und diskutiert ihre Funktion als protreptische Mahnrede.
4. DIE „DISPOSITIO“ DER BERGPREDIGT: Hier wird der Aufbau der Bergpredigt unter rhetorischen Gesichtspunkten analysiert, wobei architektonische Symmetrien und die zentrale Bedeutung des Vaterunsers hervorgehoben werden.
5. DIE „ELOCUTIO“ DER BERGPREDIGT: Dieses Kapitel widmet sich dem sprachlich-stilistischen Ausdruck, der Verwendung von Tropen und Figuren sowie der Frage nach dem angemessenen Stil (aptum) für das Zielpublikum.
6. ACTIO – DIE „INSZENIERUNG“ IN DER BERGPREDIGT: Die Untersuchung der Inszenierung von Jesus als Redner beleuchtet, wie der rhetorische Auftritt die Wirkung der Verkündigung unterstützt hat.
7. ERGEBNIS: Das Fazit fasst zusammen, dass die Bergpredigt eine komplexe, rhetorisch durchdachte Komposition darstellt, die für Leser konzipiert wurde, um maximale Überzeugungskraft zu entfalten.
Bergpredigt, Rhetorik, Matthäusevangelium, Dispositio, Elocutio, Ornatus, Homiletik, Luther, Jesus, Gerechtigkeit, Stilfiguren, Tropen, Argumentatio, Verkündigung, Redekunst.
Die Arbeit analysiert die Bergpredigt aus der Perspektive der klassischen antiken Rhetorik, um nachzuweisen, dass es sich um eine planvolle rhetorische Konstruktion handelt.
Zentrale Themen sind die rhetorische Gattungsbestimmung, die Analyse des Aufbaus (Dispositio), der Einsatz von Stilfiguren und Tropen (Elocutio) sowie die Inszenierung des Redners (Actio).
Das Ziel ist es zu belegen, dass die Bergpredigt kein wildes Überlieferungsgut ist, sondern ein fein durchdachtes rhetorisches Gebilde, das zur Überzeugung der Hörer und Leser komponiert wurde.
Die Untersuchung basiert auf der rhetorischen Textanalyse nach antiken Kategorien, unter Einbeziehung theologischer Exegese und rezeptionsgeschichtlicher Ansätze.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Rahmenbedingungen, Gattungsfragen, Struktur- und Stilanalysen sowie die rhetorische Inszenierung des biblischen Textes.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rhetorik, Komposition, Matthäus, Stilistik, Argumentation und biblische Exegese charakterisiert.
Luther dient als Grundlage, da seine Übersetzung nicht nur den Inhalt vermittelt, sondern auch die rhetorische Ausarbeitung des griechischen Originals im Deutschen bewahrt hat.
Das Vaterunser bildet das strukturelle und theologische Zentrum der Bergpredigt und fungiert als eine Art Wendepunkt (Peripetie) in der argumentativen Struktur.
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