Masterarbeit, 2025
60 Seiten
Diese Masterarbeit untersucht den komplexen Zusammenhang zwischen der Ausprägung von ADHS-Merkmalen und der Nutzung von Lernstrategien bei Oberstufenschüler:innen. Das primäre Ziel ist es, zu klären, inwieweit eine stärkere Ausprägung von ADHS-Merkmalen mit einer geringeren Nutzung allgemeiner Lernstrategien sowie spezifischer metakognitiver Strategien und Strategien zum Management interner Ressourcen verbunden ist. Die Forschungsfragen zielen darauf ab, ein differenziertes Bild der Zusammenhänge zu erhalten, um gezielte Unterstützungsangebote für betroffene Schüler:innen in der pädagogischen Praxis entwickeln zu können.
2.1 ADHS
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zählt zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Die Prävalenz von ADHS wird international auf etwa 5–7 % bei Kindern und Jugendlichen geschätzt, wobei sich Symptome häufig bis ins Erwachsenenalter fortsetzen (Barkley, 2015; Schneider et al., 2019; Steinhausen et al., 2024). ADHS ist durch ein persistierendes Muster von Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität gekennzeichnet (Schneider et al., 2019). Diese Symptome treten in einem Ausmaß auf, das nicht dem jeweiligen Entwicklungsstand entspricht, und führen zu deutlichen Beeinträchtigungen in verschiedenen Lebensbereichen, insbesondere im schulischen, familiären und sozialen Umfeld (Steinhausen et al., 2024). Betroffene Kinder zeigen eine geringe Fähigkeit zur fokussierten und anhaltenden Konzentration, lassen sich leicht ablenken und haben Schwierigkeiten, Aufgaben zu strukturieren oder Anweisungen umzusetzen (Schneider et al., 2019). Charakteristisch sind zudem motorische Unruhe und mangelnde Impulskontrolle, die sich in impulsivem Verhalten, geringer Frustrationstoleranz und sozialen Regelverstößen äußern und die Alltagsbewältigung sowie soziale Interaktionen deutlich beeinträchtigen können (Steinhausen et al., 2024).
2.1.1 Diagnose und Klassifikation
ADHS wird international anhand der Klassifikationssysteme International Classification of Diseases (ICD-11) der World Health Organization (WHO) und des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5) der American Psychiatric Association diagnostiziert (APA, 2013; WHO, 2025; Schneider et al., 2019; Steinhausen et al., 2024). Beide Systeme ordnen ADHS den neuronalen Entwicklungsstörungen zu und beschreiben sie als Störung mit Beginn in der Kindheit – typischerweise vor dem zwölften Lebensjahr mit mindestens sechs Monate andauernden Symptomen, die in mehreren Lebensbereichen auftreten und eine klinisch bedeutsame Beeinträchtigung verursachen (WHO, 2025; Steinhausen et al., 2024). Für die Diagnose müssen mindestens sechs von neun möglichen Symptomen im Bereich der Unaufmerksamkeit oder Hyperaktivität/Impulsivität vorliegen (WHO, 2025). Entscheidend ist, dass das Verhalten deutlich über altersentsprechende Normen hinausgeht und nicht allein durch andere psychische Erkrankungen erklärbar ist (WHO, 2025). Eine differenzierte Beurteilung stellt sicher, dass es sich nicht lediglich um temperamentbedingte Auffälligkeiten handelt, sondern um Symptome mit erheblichen Alltagsbeeinträchtigungen, z. B. in Schule, Familie oder im sozialen Umfeld (WHO, 2025). Im Vergleich zur ICD-10 bleiben die diagnostischen Kriterien in der ICD-11 weitgehend bestehen, neu ist jedoch die Einteilung in drei Subtypen: vorwiegend unaufmerksamer Typ, vorwiegend hyperaktiv-impulsiver Typ und der kombinierte Typ. Eine ehemals komorbide Diagnose mit einer Störung des Sozialverhaltens wird nun als separate Störung klassifiziert (Neuhaus, 2023; Steinhausen et al., 2024).
1. Einleitung: Dieses Kapitel betont die Relevanz von Lernstrategien für schulisches Lernen und führt in die Problematik ein, wie ADHS-Merkmale die Nutzung dieser Strategien bei Oberstufenschüler:innen beeinträchtigen können, und leitet die Forschungsfragen ab.
2. Theoretischer Hintergrund: Hier werden die Konzepte ADHS und Lernstrategien detailliert erläutert, einschliesslich ihrer Definitionen, Klassifikationen und diagnostischen Kriterien, sowie der bisherige Forschungsstand zu ihrem Zusammenhang dargestellt.
3. Methodik: Dieses Kapitel beschreibt das Studiendesign als nicht-experimentelle, quantitative Querschnittsuntersuchung mit 131 Oberstufenschüler:innen, die verwendeten Messinstrumente (LIST, SWAN-DE-SB) und die Datenanalyseverfahren.
4. Ergebnisse: Die deskriptiven und statistischen Ergebnisse der Studie werden präsentiert, wobei die signifikanten Korrelationen zwischen ADHS-Merkmalen und der Nutzung von Lernstrategien sowie die Überprüfung der Hypothesen im Fokus stehen.
5. Diskussion: Die Ergebnisse werden interpretiert, Limitationen der Studie erörtert, Anregungen für zukünftige Forschung gegeben und praktische Implikationen für die schulische Praxis abgeleitet, insbesondere im Hinblick auf die Förderung von Lernstrategien bei ADHS-betroffenen Schüler:innen.
ADHS, Lernstrategien, Oberstufe, Selbstregulation, Metakognition, Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität, Impulsivität, digitales Lernen, quantitative Forschung, schulische Leistungen, Ressourcenmanagement, Skill-Will-Thrill-Modell, LIST-Inventar, SWAN-Skala.
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Merkmalen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und der Nutzung von Lernstrategien bei Oberstufenschüler:innen.
Die zentralen Themenfelder sind ADHS-Merkmale (Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität), verschiedene Arten von Lernstrategien (kognitive, metakognitive, Ressourcenmanagement) und deren Anwendung im schulischen Kontext, insbesondere auch im digitalen Lernen.
Das primäre Ziel ist es herauszufinden, inwieweit eine stärkere Ausprägung von ADHS-Merkmalen mit einer geringeren Nutzung von Lernstrategien, insbesondere metakognitiven Strategien und solchen zum Management interner Ressourcen, einhergeht.
Die Studie verwendet eine nicht-experimentelle, quantitative Querschnittsuntersuchung mittels Online-Fragebögen (LIST und SWAN-DE-SB) und qualitativen offenen Fragen bei einer Stichprobe von 131 Oberstufenschüler:innen.
Der Hauptteil behandelt den theoretischen Hintergrund von ADHS und Lernstrategien, die Methodik der Studie (Teilnehmende, Materialien, Messinstrumente, Durchführung, Datenanalyse) sowie die deskriptiven und statistischen Ergebnisse.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie ADHS, Lernstrategien, Oberstufe, Selbstregulation, Metakognition, Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität, Impulsivität, digitales Lernen, quantitative Forschung und schulische Leistungen.
Das "Skill–Will–Thrill"-Modell von Hattie dient als theoretische Grundlage, um zu verdeutlichen, dass erfolgreiches Lernen nicht nur von kognitiven Fähigkeiten ("Skill"), sondern auch von Motivation ("Will") und Lernfreude ("Thrill") abhängt, und hilft, die Lernschwierigkeiten bei ADHS-Betroffenen zu kontextualisieren.
Diskutiert werden Limitationen wie ein potenzieller Selektionsbias bei der Stichprobe (fokus auf leistungsstärkere Schüler:innen), die retrospektive Selbsteinschätzung der Lernstrategien, die geringe diagnostische Aussagekraft der verwendeten Instrumente bezüglich klinischer Diagnosen, sowie methodische Grenzen bei der Erfassung impliziter Lernprozesse.
Ja, die Studie empfiehlt, Lehrkräfte gezielt in der Vermittlung metakognitiver Strategien zu schulen, einfache Lernstrategien anzuerkennen, schulische Diagnostik flexibler zu gestalten und strukturierte, motivierende Lernumgebungen für Schüler:innen mit ADHS zu fördern.
Die erste Hypothese, dass eine stärkere Ausprägung von ADHS-Merkmalen mit einer geringeren Nutzung von Lernstrategien einhergeht, konnte signifikant bestätigt werden, was auf einen negativen Zusammenhang zwischen beiden Faktoren hinweist.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

