Wissenschaftlicher Aufsatz, 2006
13 Seiten
Didaktik für das Fach Französisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
Zur Interpretation von Ambivalenzen: Vergleich eines Sachtextes mit einem literarischen Text aus der Zeit des Dritten Reiches
Zur Interpretation von Ambivalenzen - Zwei Texte und ihre Affinitäten
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Ambivalenz in zwei unterschiedlichen Quellentexten – einem Tagebucheintrag aus der Zeit des Nationalsozialismus und einem autobiografisch geprägten Romanauszug. Ziel ist es, Schülern der gymnasialen Oberstufe methodische Ansätze zu vermitteln, wie diese Zerrissenheit und das Spannungsfeld zwischen persönlichem Erleben und historischem Kontext analysiert und gedeutet werden können.
Zur Interpretation von Ambivalenzen - Zwei Texte und ihre Affinitäten
(…) Am Vormittag Übertragung der Feiern in Potsdam über den Rundfunk. Alles geschickt, eindrucksvoll, ja hinreißend, jedenfalls für die Massen. Aber auch wir können und dürfen die Augen nicht verschließen vor dem, was hier geschieht. Heute und hier gelang die Vermählung, wenn nicht für ewig, so doch auf Zeit, zwischen den von Hitler geführten Massen und dem ‚Geist von Potsdam’, dem Preußentum, repräsentiert durch Hindenburg.
Welch großartige Inszenierung durch den Meisterregisseur Goebbels! Die Fahrt Hindenburgs, der Regierung und der Abgeordneten geht von Berlin bis Potsdam durch ein einziges geschlossenes Spalier jubelnder Millionen. Ganz Berlin scheint auf der Straße zu sein. Regierung und Abgeordnete gehen von der Nikolai- zur Garnisonkirche zu Fuß. Glockenläuten und Kanonenschießen. Hindenburg betritt mit Hitler zusammen die Garnisonkirche. Der Rundfunksprecher weint fast vor Rührung.
Dann verliest Hindenburg seine Botschaft. Einfach, stark, aus schlichtem Herzen kommend und deshalb wohl zu schlichten Herzen sprechend. Allein die Tatsache, dass ein Mann dasteht, der Generationen deutscher Geschichte vereinigt, der 66 mitkämpfte, 71 bei der Kaiserkrönung in Versailles dabei war, 14 bis 18 zum Nationalhelden emporwuchs, dem keine verlorene Schlacht und kein verlorener Weltkrieg bei unserem merkwürdigen Volk etwas an Popularität nehmen konnten, den im Gegenteil erst die Niederlage zu mythischer Verklärung erhob, der dann als Greis noch einmal und schließlich ein zweites Mal die Führung des Reiches übernahm, nicht aus Eitelkeit oder Machtsucht, sondern zweifellos aus preußischem Pflichtgefühl – er vollzieht nun, kurz vor dem Grab, die Vermählung seiner Welt mit der neu aufgestiegenen, die der österreichische Gefreite Hitler repräsentiert.
Zur Interpretation von Ambivalenzen: Vergleich eines Sachtextes mit einem literarischen Text aus der Zeit des Dritten Reiches: Einleitende Darlegung des Titels und des Autors im historischen Kontext von 2006.
Zur Interpretation von Ambivalenzen - Zwei Texte und ihre Affinitäten: Untersuchung der Herausforderungen durch das Zentralabitur und Einführung in die vergleichende Analyse von Tagebuchquellen und literarischen Texten zur Interpretation politischer und persönlicher Ambivalenzen.
Ambivalenz, Zentralabitur, Drittes Reich, Tagebuch, Nationalsozialismus, Philippe Labro, Erich Ebermayer, Machtergreifung, Literaturanalyse, Historische Quellen, Identifikation, Generationenkonflikt, Quellenkritik, Interpretationsmethodik, Zeitgeschichte
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Herangehensweise an die Interpretation von Texten, die ein hohes Maß an Ambivalenz aufweisen, insbesondere im Kontext historischer Krisenzeiten.
Zentrale Themen sind der Nationalsozialismus, die Faszination der Massen, die Rolle des Individuums gegenüber der Politik sowie die literarische Verarbeitung von Abschied und Trennung.
Das Ziel ist es, Schülern aufzuzeigen, wie man „das Unbegreifliche begreifbar macht“ und wie man Quellen auf ihre expliziten und impliziten Informationen hin untersucht.
Es wird eine quellenkritische und textanalytische Methode angewandt, die den Vergleich von zeitgeschichtlichen Tagebuchnotizen mit literarischen Texten nutzt, um historische Wahrnehmung zu dekonstruieren.
Der Hauptteil analysiert einen spezifischen Tagebucheintrag von Erich Ebermayer zum „Tag von Potsdam“ (1933) und setzt diesen in Bezug zu einem Romanauszug von Philippe Labro über einen prägenden Abschiedsmoment.
Die wichtigsten Schlagworte umfassen Ambivalenz, historische Quellenarbeit, Machtergreifung, literarische Analyse und die Auseinandersetzung mit ideologischer Verführung.
Der Tag dient als exemplarischer Fall für die Inszenierung durch die Nationalsozialisten und zeigt die Zerrissenheit der Zeitgenossen zwischen Zustimmung und Distanz.
Der Roman dient als Kontrastfolie, um die Verarbeitung von Abschied und persönlichen Umbrüchen zu beleuchten, was den Schülern hilft, eigene Identifikationsprozesse zu entwickeln.
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