Examensarbeit, 2009
63 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Ausgewählte Theorieansätze zur Erklärung von Geschlecht
2.1 Essentialismus
2.2 Psychoanalytische Ansätze
2.3 sex – gender – doing gender – konstruktivistische und sozialisationstheoretische Sicht auf Geschlecht
2.4 Theorie des dritten Geschlechts
2.5 Queer Theorie
2.6 Zusammenfassung und Bewertung
3. Sozialisationsprozesse von Jungen und Mädchen
3.1 Geschlechtsidentität
3.2 Geschlechterstereotype, Geschlechterrollen und geschlechtstypisches Verhalten
3.3 Geschlechtstypische Schulleistung
3.4 Die Rolle der LehrerInnen auf die Geschlechterentwicklung
3.5 Zusammenfassung
4. Geschlechtergerechte Erziehung
4.1 Inhalte und Ziele
4.2 Methodenkatalog
4.2.1 Methoden zur Selbstbeobachtung
4.2.2 Unterrichtsmedien und Unterrichtsinhalte
4.2.3 Sprache
4.2.4 Monoedukative Phasen
4.2.5 Hinweise zu weiteren Umsetzungsmöglichkeiten
4.3 Zusammenfassung
5. Schlussbetrachtung
Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über die geschlechtergerechte Erziehung in der Grundschule zu geben, theoretische Grundlagen der Kategorie Geschlecht zu klären und praxisorientierte Modelle zur Förderung einer chancengerechten Bildung vorzustellen.
2.1 Essentialismus
Diese Theorie besagt, dass es zwei biologische Geschlechter gibt, die sich durch ihre chromosomale Ausstattung unterscheiden, welche wiederum Auswirkungen auf verschiedene biologische Differenzen wie z. B. Körperbau, Genitalien, Gehirn, Stoffwechsel haben. Das soziale Geschlecht, d. h. bestimmte soziale Verhaltensweisen, emotionale, psychische und intellektuelle Eigenschaften werden demnach durch die biologische Tatsache der menschlichen Zweigeschlechtlichkeit abgeleitet und begründet. Essentialistische Theorien stellen einen kausalen Zusammenhang zwischen Genotyp und Phänotyp bezüglich der Sexualität und Geschlechtsidentität her. Sie versuchen persönlichkeits- und charakterbestimmende Merkmale auf biologischer Basis zu beschreiben, die den Menschen universell kennzeichnen. Dieser theoretische Ansatz erweitert die biologische Differenz zu einer „natürlichen“ Differenz des sozialen Geschlechts. Männern und Frauen erhalten jeweils spezifische Aufgaben und Bildungsmöglichkeiten in der Gesellschaft aufgrund ihrer biologischen Unterschiede. Dies wird besonders deutlich, wenn man z. B. geschlechtsspezifische Erziehungs- und Bildungskonzepte, Rollenerwartungen und Verhaltenszuschreibungen der Vergangenheit etwas genauer betrachtet wie der historische Kontext der Mädchen- und Jungenbildung.
Essentialistische Theorien finden sich besonders in Alltagstheorien wieder. So werden geschlechtstypische Eigenschaften auf der Basis biologischer und angeblich natürlicher Dispositionen begründet. Als Beispiele seien nur genannt, dass nicht nur Lehrer „natürliche“ Bezüge zwischen Geschlecht und Lernerfolgen, Begabungen, Interessen und Verhaltensweisen herstellen, sondern auch Eltern sowie ErzieherInnen. Auch in anderen Bereichen werden essentialistische Argumente angebracht, um z. B. die Berufswahl oder auch um die Entwicklung und Förderung von geschlechtstypischen Eigenschaften zu begründen.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz geschlechtergerechter Erziehung und hinterfragt die Annahme, Chancengleichheit sei bereits vollständig erreicht.
2. Ausgewählte Theorieansätze zur Erklärung von Geschlecht: Dieses Kapitel stellt verschiedene theoretische Ansätze von Essentialismus bis hin zur Queer Theorie vor, um die Konstruktion von Geschlecht wissenschaftlich einzuordnen.
3. Sozialisationsprozesse von Jungen und Mädchen: Der Fokus liegt hier auf der Entwicklung von Geschlechtsidentitäten, der Bedeutung von Stereotypen und dem Einfluss von Lehrkräften auf die SchülerInnen.
4. Geschlechtergerechte Erziehung: Hier werden praxisnahe Ziele, ein Methodenkatalog für den Unterricht sowie Möglichkeiten zur Selbstreflexion für Lehrkräfte dargelegt.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Notwendigkeit zusammen, Geschlecht als soziales Konstrukt zu verstehen, um individuelle Persönlichkeitsentfaltung jenseits starrer Rollenmuster zu ermöglichen.
Geschlechtergerechte Erziehung, Grundschule, Doing Gender, Sozialisation, Geschlechtsidentität, Geschlechterstereotype, Reflexive Koedukation, Lehrerrolle, Genderkompetenz, Chancengleichheit, Theorieansätze, Schulleistung, Diskriminierung, Rollenbilder, Pädagogik.
Die Arbeit untersucht die Relevanz und Umsetzung einer geschlechtergerechten Erziehung im Schulalltag, insbesondere an Grundschulen, um Bildungsbenachteiligungen abzubauen.
Die zentralen Felder umfassen die theoretische Einordnung von Geschlecht, die Sozialisationsprozesse von Kindern sowie konkrete pädagogische Handlungsoptionen für Lehrkräfte.
Ziel ist es, ein Problembewusstsein für geschlechtsspezifische Zuschreibungen zu schaffen und Wege aufzuzeigen, wie LehrerInnen eine Genderkompetenz entwickeln können.
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturrecherche und die Analyse aktueller Schulforschung, um Konzepte der Geschlechterpädagogik kritisch zu beleuchten.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Erklärungsmodelle, die Analyse der Sozialisation in der Schule und einen umfangreichen Methodenkatalog für die Schulpraxis.
Begriffe wie "Doing Gender", "Reflexive Koedukation", "Geschlechterstereotype" und "Genderkompetenz" prägen das wissenschaftliche Profil der Arbeit.
Sie lehnt essentialistische Begründungen für Geschlechterunterschiede ab, da diese eher zur Festschreibung von Ungleichheiten führen, anstatt individuelle Potenziale zu fördern.
Die Autorin sieht diese als sinnvolle Ergänzung zur reflexiven Koedukation, sofern sie gezielt für spezifische Themen genutzt werden und nicht zu einer dauerhaften Trennung führen.
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