Examensarbeit, 2011
117 Seiten, Note: 1,0
1. EINLEITUNG
2. ARBEITSGRUNDLAGE UND METHODOLOGISCHE ÜBERLEGUNGEN
3. DIE PRIVATSCHULE IM DEUTSCHEN SCHULWESEN – RECHTLICHE GRUNDLAGEN
3.1 ERSATZSCHULEN
3.1.1 Akzessorietät der Ersatzschule
3.1.2 Genehmigungsbedingungen
3.1.3 Anerkennung der Ersatzschule
3.1.4 Staatliche Alimentierung der Ersatzschulen
3.1.5 Schulaufsicht über Ersatzschulen
3.2 ERGÄNZUNGSSCHULEN
3.3 TRÄGERORGANISATIONEN
3.3.1 Konfessionelle Schulen
3.3.2 Schulen mit reformpädagogischer Prägung
3.3.3 Privatschulen des VDP
3.3.4 Internationale Schulen
3.3.5 Sonstige Privatschulen
4. LEGITIMATION UND FUNKTIONEN DES PRIVATSCHULWESENS
4.1 LEGITIMATION DES PRIVATSCHULWESENS
4.2 DIE FUNKTIONEN DER PRIVATSCHULEN IM DEUTSCHEN SCHULWESEN
4.2.1 Die soziale Funktion
4.2.2 Die pädagogische Funktion
4.2.3 Die gesellschaftliche Funktion
5. DER BOOM DER PRIVATSCHULEN – MYTHOS ODER REALITÄT?
5.1 STATISTISCHE DATEN
5.1.1 Privatschulen
5.1.2 Privatschüler
5.1.3 Verteilung nach Bundesländer
5.1.4 Trägerorganisationen
5.1.5 Schularten
5.1.6 Mädchen-Jungen-Relation an Privatschulen
5.1.7 Klassenstärke
5.1.8 Ausländeranteil
5.1.9 Privatschüler nach sozio-ökonomischen Merkmalen der Eltern
5.1.10 Bildungshintergrund der Eltern
5.2 AUSWERTUNG
5.3 ZWISCHENFAZIT
6. DAS 'VERSAGEN' DER STAATLICHEN SCHULEN
6.1 INTERNATIONALE UNTERSUCHUNGEN
6.2 NATIONALE UNTERSUCHUNGEN
6.2.1 Schülerzusammensetzung
6.2.2 Leistungsvergleich
6.2.2.1 Realschulen
6.2.2.2 Gymnasien
6.2.2.3 Mädchenschulen
6.2.3 Verteilung auf Klassenstufen
6.2.4 Die Privatschulen als Spiegelbild der staatlichen Schulen?
6.3 ZWISCHENFAZIT
7. DIE EXPANSION DER PRIVATSCHULEN UND IHRE URSACHEN
7.1 STRUKTURWANDEL DER FAMILIE
7.1.2 Herausforderung Elternschaft
7.1.3 Bildungsdruck
7.2 BILDUNG ALS DIENSTLEISTUNG
7.2.1 Privatschulfreiheit
7.2.2 Liberalisierung des Bildungsmarktes
7.3 ZWISCHENFAZIT
8. FAZIT
Die vorliegende Hausarbeit untersucht das Phänomen des "Booms" von Privatschulen in Deutschland seit der PISA-Studie 2000. Das primäre Ziel ist es, den vermeintlichen Zusammenhang zwischen dem schlechten Abschneiden staatlicher Schulen und dem Wachstum des privaten Bildungssektors wissenschaftlich zu prüfen, indem die Entwicklung statistisch analysiert und mit der Wahrnehmung der Eltern sowie Expertenmeinungen in Beziehung gesetzt wird.
3.1.2 Genehmigungsbedingungen
Erste Grundvoraussetzung zur erfolgreichen Genehmigung einer Ersatzschule besteht in der Gleichwertigkeit der Lehrziele. Aus diesem Grund müssen sich Ersatzschulen „die Bildungsziele der entsprechenden öffentlichen Schulart in ihren wesentlichen Merkmalen zu eigen machen“. Diese Auslegung verstärkt das von Weiß skizzierte Bild von der Privatschule als Spiegelbild der staatlichen Schule. Dessen ungeachtet konstatiert Klein, dass die Ersatzschulen, abgesehen von der Gleichwertigkeit der Lehrziele, keiner strikten Bindung zu ihrem öffentlichen Pendant unterworfen sind. Dies zeige sich per exemplum an den Erziehungszielen und Werteordnungen der betroffenen Schulen, die einzig dem Verfassungsgebot verpflichtet sind.
Die zweite Bedingung besteht in der Gleichwertigkeit der Einrichtungen. Der Grundsatz dieser Vorschrift entspricht dem obig genannten Prinzip: Die betroffenen Privatschulen dürfen „in ihrer Organisation und Ausstattung nicht hinter der entsprechenden öffentlichen Schule zurückstehen“.
Selbiges Prinzip gilt darüber hinaus auch für die Ausbildung der Lehrkräfte: die Gleichwertigkeit der wissenschaftlichen Ausbildung der Lehrkräfte muss sichergestellt werden. Nicht nur die staatliche Lehrerausbildung erfüllt diese Prämisse, sondern dies kann in Ausnahmefällen auch durch eine gleichwertige Praxiserfahrung erreicht werden. Ullrich und Strunck deklarieren die drei angeführten Richtlinien komprimiert als „Gleichwertigkeitsgebot“.
Die vierte Bedingung zur erfolgreichen Genehmigung einer Ersatzschule ist die wohl kontrovers diskutierteste: die nicht zu fördernde Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern. Während Kritiker der Finanzierung von Privatschulen in diesem Passus explizit die Benachteiligung der privaten gegenüber den staatlichen Einrichtungen sehen, bemängelt die entsprechende Gegenseite die Umgehung des Sonderungsverbotes seitens der Privatschulen durch die zu verrichtenden hohen Schulgelder. Auf Grundlage der Urteile verschiedener Landes- und Bundesgerichte zur Verhältnismäßigkeit der Schulgelder, kristallisiert sich ein angemessenes Schulgeld von ca. 150 – 250 Euro heraus.
Als letzte Kondition gilt es die Sicherung der wirtschaftlichen und rechtlichen Stellung der Lehrkräfte zu garantieren. Zweck dieser Bestimmung ist einerseits der Schutz vor mangelhaften Bildungseinrichtungen und andererseits die Garantie für die Lehrkräfte gemäß ihrer beruflichen Stellung vergütet zu werden. Dies indiziert jedoch wiederum nicht eine Gleichstellung der Lehrkräfte von privaten Schulen in zentralen Bereichen mit ihrem öffentlichen Pendant. Allein Mindeststandards sind erforderlich.
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet das öffentliche Interesse am Privatschulboom in Deutschland und stellt die zentralen Forschungsfragen zur tatsächlichen Zunahme, der Rolle von PISA und den Beweggründen der Eltern.
2. ARBEITSGRUNDLAGE UND METHODOLOGISCHE ÜBERLEGUNGEN: Dieses Kapitel erläutert die Struktur der Arbeit, die sich in eine rechtliche Basis, eine quantitative Datenanalyse und die Perspektiven von Eltern und Schülern unterteilt.
3. DIE PRIVATSCHULE IM DEUTSCHEN SCHULWESEN – RECHTLICHE GRUNDLAGEN: Es werden die verfassungsrechtlichen Garantien (Art. 7 GG) und die Bedingungen für Ersatz- und Ergänzungsschulen detailliert dargelegt.
4. LEGITIMATION UND FUNKTIONEN DES PRIVATSCHULWESENS: Der Abschnitt diskutiert die sozialen, pädagogischen und gesellschaftlichen Funktionen von Privatschulen und beleuchtet deren Rolle als "Lückenfüller" oder Reservemechanismus.
5. DER BOOM DER PRIVATSCHULEN – MYTHOS ODER REALITÄT?: Basierend auf statistischen Daten des Statistischen Bundesamtes wird untersucht, ob ein tatsächlicher "Boom" messbar ist und ob dieser mit PISA-Ergebnissen korreliert.
6. DAS 'VERSAGEN' DER STAATLICHEN SCHULEN: Dieses Kapitel analysiert das vermeintliche "Versagen" staatlicher Schulen und vergleicht kritisch die Leistungsdaten von privaten und staatlichen Institutionen.
7. DIE EXPANSION DER PRIVATSCHULEN UND IHRE URSACHEN: Die Expansion wird als Folge gesellschaftlicher Strukturwandlungen, veränderter Familienverständnisse und der Ökonomisierung des Bildungssektors erklärt.
8. FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass Privatschulen zwar an Bedeutung gewinnen, ein systematischer Leistungsvorsprung jedoch empirisch nicht belegt ist und die Motive der Eltern primär im Wunsch nach Distinktion liegen.
Privatschulen, PISA-Studie, Bildungsmarkt, staatliches Schulwesen, Ersatzschulen, Schulleistungsvergleich, Elternschaft, Bildungsdruck, Privatisierung, soziale Segregation, Schulträger, Chancengleichheit, Bildungssoziologie, Schulwahlmotive, Schulentwicklung.
Die Arbeit untersucht den in der Öffentlichkeit wahrgenommenen "Boom" von Privatschulen in Deutschland und analysiert, ob dieser als Reaktion auf die PISA-Ergebnisse und das wahrgenommene "Versagen" staatlicher Schulen zu deuten ist.
Die Themenfelder umfassen die rechtlichen Grundlagen von Privatschulen, die quantitative Entwicklung der Schülerzahlen, die Leistungsvergleiche zwischen privaten und staatlichen Schulen sowie die soziologischen Hintergründe der Schulwahl durch Eltern.
Die zentrale Frage ist, ob es tatsächlich eine rapide Zunahme von Privatschulen gibt, ob diese mit PISA-Daten korreliert, ob Privatschulen leistungsmäßig "besser" sind und welche Beweggründe Eltern zur Wahl privater Einrichtungen führen.
Die Arbeit stützt sich auf eine deskriptive statistische Analyse amtlicher Daten, die Auswertung bestehender bildungsökonomischer Fachliteratur sowie eigene Interviews mit Eltern und Schülern zur Qualifizierung der Ergebnisse.
Der Hauptteil gliedert sich in eine rechtliche Einführung, eine detaillierte statistische Analyse des "Booms" anhand von Bundesdaten, eine kritische Auseinandersetzung mit Leistungsvergleichsstudien und eine soziologische Betrachtung der Expansionsursachen.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie "Privatschulfreiheit", "PISA-Effekt", "soziale Differenzierung", "Bildungsdruck", "Ersatzschulen" und das "Versagen des staatlichen Schulsystems".
Nein, die Auswertung der Studien von Weiß und Preuschoff zeigt, dass kein signifikanter Leistungsvorteil von Privatschulen nachgewiesen werden kann, sobald man sozio-ökonomische Faktoren und die Schülerschaft angemessen berücksichtigt.
Laut der Arbeit spielt der Leistungsaspekt oft eine untergeordnete Rolle. Die Entscheidung ist eher durch den Wunsch nach Wertevermittlung, Distinktion (Abgrenzung von anderen Milieus) und das Vertrauen auf ein vermeintlich besseres Schulklima und Förderkultur begründet.
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