Examensarbeit, 2003
131 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
Teil I Konflikte in der Grundschule
1. Was sind Konflikte ?
1.1. Begriffsbestimmung
1.2. Konfliktverlauf
1.3. Funktion von Konflikten
2. Auf welche Konflikte treffen wir in der Grundschule?
2.1. Konflikte unter Kindern
2.1.1. Einflüsse der Altersstufe auf das Verhalten in Konfliktsituationen
2.1.2. Einflüsse des Geschlechts auf das Verhalten in Konfliktsituationen
2.1.3. Wie die Gegenwart anderer das Verhalten in Konfliktsituationen ändert
2.2. Konflikte zwischen Lehrer und Kinder
2.2.1. Konflikte die auf einer gestörten Beziehung zwischen Lehrer und Schüler beruhen
2.2.2. Konflikte, die darauf beruhen, dass Schüler die Anweisungen des Lehrers nicht oder nur teilweise erfüllen
3. Wie wird ein bestimmtes Konfliktverhalten erlernt?
4. Wie kann man mit Konflikten umgehen?
4.1. Flucht als mögliche Reaktion auf Konflikte
4.2. Kampf als mögliche Reaktion auf Konflikte
4.3. Verständnis und Verständigung als mögliche Reaktionen in Konflikten
5. Was bedeutet konstruktive Konfliktbewältigung?
5.1. Begriffsbestimmung
5.2. Zehn Grundsätze der konstruktiven Konfliktbewältigung
Teil II Trainingsmöglichkeiten in der Grundschularbeit: „Konflikte konstruktiv lösen lernen“
6. Grundlegende Überlegungen
6.1. Bausteine und wichtige Aspekte des Trainings für Lehrer
6.2. Bausteine und wichtige Aspekte des Trainings für Schüler
6.3. Zur praktischen Durchführung des Trainings
7. Lehrer lernen konstruktive Konfliktbewältigung
7.1. Baustein 1: Die Beziehung zu den Schülern verbessern
7.2. Baustein 2: Unterrichtsgestaltung
7.3. Baustein 3: Effektive Kommunikation
7.4. Baustein 4: Konstruktive Konfliktbewältigung
7.4.1. Eigene Konflikte mit Schülern bewältigen
7.4.2. Auf Konflikte zwischen Schülern reagieren
7.5. Baustein 5: Umgang mit unangemessenem Schülerverhalten
7.6. Baustein 6: Elternarbeit
8. Schüler lernen konstruktive Konfliktbewältigung
8.1. Baustein 1: Identitätsentwicklung
8.2. Baustein 2: Gefühlsbildung
8.3. Baustein 3: Kooperation und gegenseitige Achtung
8.4. Baustein 4: Kommunikation
8.5. Baustein 5: Konstruktive Konfliktbewältigung
Schlussbemerkungen
Ziel dieser Arbeit ist es, aufzuzeigen, wie Konflikte in der Grundschule als positive Lernchancen für die Persönlichkeitsentwicklung verstanden werden können, anstatt sie primär als Störfaktoren zu betrachten. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, wie Lehrer und Schüler durch konkrete Trainingsmöglichkeiten und soziale Lernprozesse lernen können, Konflikten konstruktiv, gewaltfrei und lösungsorientiert zu begegnen.
1.2. Konfliktverlauf
Um den Verlauf eines Konflikts anschaulich darzustellen, soll den weiteren Ausführungen ein fiktives Beispiel vorangestellt sein:
Eine Klasse hat in dieser Stunde Deutsch. Die Deutschlehrerin hatte sich auf diese Stunde besonders vorbereitet, da sie heute erstmalig eine Fantasiereise durchführen wollte. Nach der entspannenden Reise sollen die Schüler kreative Gedanken, die ihnen durch den Kopf gegangen sind, zusammentragen, um daraus ein Gedicht entstehen zu lassen. Die Lehrerin freute sich sehr darauf.
Während der Fantasiereise muss sie allerdings feststellen, dass sich mehrere Schüler nicht entspannen können. Einer mault schlechtgelaunt seinen Nachbar voll, eine Schülerin blättert nervös in ihrem Hefter, zwei andere tuscheln ununterbrochen, was wiederum andere ablenkt. Die Stimmung zwischen den Schülern erscheint insgesamt gereizt und angespannt. Auch die Lehrerin wird immer unruhiger und überlegt, warum sie es in der Einführung nicht geschafft hat, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen und wieso die Schüler sich weigern, mitzumachen. Wahrscheinlich nehmen sie eine solche Methode nicht ernst genug. Sie ärgert sich immer mehr über die Störungen der Schüler und ermahnt Einzelne eindringlich.
Die Schüler dieser Klasse werden in der darauffolgenden Stunde eine Klassenarbeit bei einem sehr strengen Lehrer schreiben und fühlen sich mehrheitlich nicht sicher in dem behandelten Gebiet. Sie sind angespannt und einige versuchen, sich noch kurz vor der Arbeit etwas anzuschauen oder mit dem Nachbarn etwas durchzusprechen. Sie sind mit ihren Gedanken ganz woanders und können sich weder entspannen, noch auf den Unterricht konzentrieren. Somit fühlen sie sich durch die Ermahnungen und Anforderungen der Deutschlehrerin gestört.
Im Verlauf der Stunde reagieren sie auf die Aufgaben gar nicht mehr oder mit patzigen Antworten, worauf die Lehrerin mit immer schlechterer Laune reagiert.
1. Was sind Konflikte ?: Dieses Kapitel definiert soziale Konflikte aus einer psychologischen und pädagogischen Perspektive und beleuchtet deren Verlauf sowie deren Funktionen in sozialen Gruppen.
2. Auf welche Konflikte treffen wir in der Grundschule?: Hier werden spezifische Konfliktfelder im Grundschulalltag analysiert, insbesondere Konflikte zwischen Kindern sowie zwischen Lehrern und Schülern.
3. Wie wird ein bestimmtes Konfliktverhalten erlernt?: Das Kapitel untersucht lerntheoretische Prozesse und Sozialisationsbedingungen, die dazu führen, dass Kinder und Erwachsene bestimmte, oft wenig hilfreiche Konfliktmuster entwickeln.
4. Wie kann man mit Konflikten umgehen?: Es werden klassische, oft intuitive Reaktionsweisen wie Flucht oder Kampf kritisch reflektiert und dem Konzept der konstruktiven Konfliktbewältigung gegenübergestellt.
5. Was bedeutet konstruktive Konfliktbewältigung?: Hier werden der Begriff der konstruktiven Konfliktlösung definiert und zehn zentrale Grundsätze für ein friedliches Miteinander aufgestellt.
6. Grundlegende Überlegungen: Einführung in das Trainingskonzept der Arbeit, welches Bausteine für Lehrer und Schüler zur Förderung eines respektvollen Klimas und konstruktiver Konfliktlösung bietet.
7. Lehrer lernen konstruktive Konfliktbewältigung: Ein Praxisteil, der Lehrern Methoden zur Verbesserung der Lehrer-Schüler-Beziehung, effektiver Kommunikation und zum Umgang mit unangemessenem Verhalten an die Hand gibt.
8. Schüler lernen konstruktive Konfliktbewältigung: Ein umfangreicher Übungsteil für Grundschüler, der Aspekte wie Identitätsentwicklung, Gefühlsbildung, Kooperation und Kommunikation in spielerischer Form fördert.
Konfliktbewältigung, Grundschule, Sozialtraining, Lehrer-Schüler-Beziehung, Konstruktive Kommunikation, Ich-Botschaften, Aktives Zuhören, Gewaltprävention, Soziales Lernen, Gefühlsbildung, Konfliktverhalten, Identitätsentwicklung, Kooperation, Mediation, Konfliktlösung.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung von Konflikten im Grundschulalltag und entwickelt ein Training, das Lehrern und Schülern dabei hilft, Konflikte nicht als negative Störung, sondern als Chance für die Persönlichkeitsentwicklung und soziales Lernen zu nutzen.
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Dynamik von Konflikten, die Analyse von Konfliktursachen (z. B. durch Sozialisation oder Unterrichtsgestaltung) sowie praktische Trainingsbausteine für das Lehrpersonal und die Schüler zur Förderung der sozialen Kompetenz.
Das Hauptziel ist es, ein handlungsorientiertes Trainingskonzept zu erarbeiten, das pädagogische Fachkräfte befähigt, ein Klima des Vertrauens zu schaffen und Kinder systematisch im konstruktiven und friedlichen Umgang mit zwischenmenschlichen Problemen zu schulen.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse lerntheoretischer Ansätze (wie z. B. von Gordon, Glasl, Selman oder Kohlberg) und integriert diese in ein selbst entwickeltes, praxisnahes Trainingsprogramm, das durch zahlreiche Übungen und Reflexionsmethoden für den Schulalltag strukturiert wurde.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Analyse von Konfliktverläufen und -ursachen sowie in einen umfangreichen praktischen Teil, der in spezifische Bausteine (z. B. Identitätsentwicklung, Kommunikation, Gefühlsbildung) unterteilt ist.
Wesentliche Begriffe sind Konfliktbewältigung, soziale Kompetenz, Ich-Botschaften, aktives Zuhören, Lehrer-Schüler-Interaktion, Gewaltprävention und soziales Lernen.
Lehrer werden angeleitet, bei Problemen, die durch das Verhalten von Schülern entstehen, nicht mit abwertenden „Du-Botschaften“ zu reagieren, sondern in einem dreiteiligen Schema (Verhalten, Folge, Gefühl) eigene Bedürfnisse auszudrücken, um den Schüler zur Verhaltensänderung zu motivieren, ohne die Beziehung zu belasten.
Die Einbeziehung der Eltern ist essenziell, damit die in der Schule erlernten Techniken der konstruktiven Konfliktlösung auch im persönlichen Umfeld der Kinder angewendet und verfestigt werden können, was die Gesamtwirkung des Trainings nachhaltig stärkt.
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