Examensarbeit, 2011
76 Seiten, Note: 1,0
1 EINLEITUNG
2 MIGRATIONSGESCHICHTE
2.1 ARBEITSMIGRATION
2.2 BILDUNGSPOLITIK IN DER BRD
3 SOZIODEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER MIGRATIONSBEVÖLKERUNG
3.1 BEVÖLKERUNGSANTEIL UND PROGNOSE
3.2 VERTEILUNG DER ZUGEWANDERTEN AUF IHRE HERKUNFTSSTAATEN
3.3 GEOGRAPHISCHE VERTEILUNG
4 ERGEBNISSE INTERNATIONALER VERGLEICHSSTUDIEN
4.1 INTERNATIONALE GRUNDSCHUL‐LESE‐UNTERSUCHUNG (IGLU)
4.1.1 WISSENSWERTES
4.1.2 ERGEBNISSE
4.2 PROGRAM FOR INTERNATIONAL STUDENT ASSESSMENT
4.2.1 WISSENSWERTES
4.2.2 ERGEBNISSE
4.3 URSACHEN UND ERKLÄRUNGSVERSUCHE FÜR DIE BILDUNGSBENACHTEILIGUNG
4.3.1 DIE KULTURELL DEFIZITÄRE ERKLÄRUNG
4.3.2 DIE HUMANKAPITALTHEORETISCHE ERKLÄRUNG
4.3.3 DIE ERKLÄRUNG DURCH MERKMALE DER SCHULE ODER SCHULKLASSE
4.3.4 ERKLÄRUNG DURCH INSTITUTIONELLE DISKRIMINIERUNG
4.3.5 ERKLÄRUNG DURCH SPRACHLICHE DEFIZITE
4.4 DARAUS RESULTIERENDE FORDERUNGEN AN DAS DEUTSCHE SCHULWESEN
5 DAS DEUTSCHE SCHULSYSTEM
5.1 HISTORISCHE ENTWICKLUNG
5.2 AUFBAU
5.2.1 DAS BAYERISCHE SCHULSYSTEM
5.2.2 GRUNDSTRUKTUR DES DEUTSCHEN BILDUNGSWESENS
5.3 AUSGABEN FÜR BILDUNG
5.4 KRITIK AM DEUTSCHEN SYSTEM SCHULISCHER BILDUNG
5.4.1 ALLGEMEINE KRITIK AN DEN VORHANDEN STRUKTUREN
5.4.2 STELLUNGNAHME DES UN‐SONDERBERICHTERSTATTERS VERNOR MUÑOZ
5.4.3 INSTITUTIONELLE DISKRIMINIERUNG
5.4.4 VORWIEGEND HALBTAGSSCHULEN
6 INTERKULTURELLE BILDUNGSFORSCHUNG
6.1 MONOLINGUALE ANSÄTZE
6.2 BILINGUALE ANSÄTZE
6.3 BILINGUALISMUS‐KONTROVERSE
7 PROJEKTE UND CHANCEN
7.1 MERCATOR‐PROJEKT
7.2 MEHRSPRACHIGKEIT ALS CHANCE
7.3 RUCKSACK‐PROGRAMM
7.4 MEINE CHANCE IN OLDENBURG
8 RESÜMEE
8.1 DAS INTEGRATIONSKONZEPT FÜR DAS DEUTSCHE SCHULSYSTEM
8.1.1 ÜBERBLICK
8.1.2 AUFBAU
8.1.2.1 Vorschulische Erziehung
8.1.2.2 Grundschulzeit
8.1.2.3 Sekundarstufe 1 ‐ Integrationsschule
8.1.2.4 Weiterführende Bildungsmöglichkeiten
8.2 ABSCHLUSSFAZIT
Diese Zulassungsarbeit befasst sich mit den Gründen für die im Schnitt schlechteren schulischen Leistungen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem und erarbeitet auf Basis dieser Erkenntnisse ein eigenes Integrationskonzept.
4.2.2 Ergebnisse
Fast 50% der Kinder, deren beide Elternteile zugewandert sind, erreichen beim Lesen die unterste Kompetenzstufe 1 nicht.38 39 Um das Ausmaß dieser Aussage zu verstehen, muss man wissen, was die Kompetenzstufe 1 im Lesen bedeutet:
„Menschen die nur diese Lesekompetenzstufe erreichen, können kaum lesen und sind folglich auch nicht fortbildbar. Sie werden sich einreihen in das […] Heer der Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger unserer Gesellschaft.“ 40
Auch Schüler/innen mit dem oben genannten Hintergrund, die ihre gesamte Schullaufbahn in Deutschland absolvierten, was bei 70% der Fall ist, erreichen die Lesekompetenzstufe 1 selten. Die Korrelation der Leistungen im Lesen mit denen in mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern wurde während der Grundschulzeit schon durch die IGLU-Studie offengelegt und in Abbildung 6 dargestellt. Ohne sprachliche Grundfertigkeiten kann der Kompetenzerwerb in anderen Fächern weiterhin nur schwer gelingen.
In Abbildung 7 ist zu erkennen, dass die bereits in der zweiten Generation hierzulande lebenden Schüler/innen mit Migrationshintergrund in punkto Lesekompetenz schlechter abschneiden als diejenigen der ersten Generation, obwohl sie von Beginn an das deutsche Schulsystem durchlaufen haben. Bis auf die Niederlande und Dänemark tritt dieses Phänomen in keinem anderen Teilnehmerstaat der PISA-Studie auf. Betrachtet man die Durchschnittswerte der OECD-Länder, liegen die Leseleistungen der im Zuwanderungsland geborenen Migranten um 20 Punkte höher als die der selbst Immigrierten. Auffällig ist auch, dass Deutschland sogar bei den besseren Schüler/innen der ersten Generation im internationalen Vergleich schon zum unteren Viertel gehört und schließlich bei denen der zweiten Generation das Schlusslicht bildet.
1 EINLEITUNG: Hinführung zur Thematik und Erläuterung der Forschungsfrage vor dem Hintergrund des "Rechts auf Bildung" für Kinder mit Migrationshintergrund.
2 MIGRATIONSGESCHICHTE: Historischer Überblick über Migration nach Deutschland und die späte bildungspolitische Thematisierung der ausländischen Schüler.
3 SOZIODEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER MIGRATIONSBEVÖLKERUNG: Statistische Analyse der Bevölkerungsentwicklung sowie der Verteilung und Prognose von Menschen mit Migrationshintergrund.
4 ERGEBNISSE INTERNATIONALER VERGLEICHSSTUDIEN: Darstellung von IGLU- und PISA-Ergebnissen sowie Untersuchung von Ursachen wie kulturellen Defiziten, Humankapital und strukturellen Schulmerkmalen.
5 DAS DEUTSCHE SCHULSYSTEM: Analyse des Aufbaus und der historischen Entwicklung des Bildungssystems mit Fokus auf Kritik, z.B. durch UN-Sonderberichterstatter Muñoz.
6 INTERKULTURELLE BILDUNGSFORSCHUNG: Vergleich von monolingualen und bilingualen Förderansätzen sowie Diskussion der entsprechenden Kontroverse anhand von Metaanalysen.
7 PROJEKTE UND CHANCEN: Vorstellung praktischer Förderprojekte wie dem Mercator-Projekt, dem Rucksack-Programm und der Initiative "Meine Chance in Oldenburg".
8 RESÜMEE: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Präsentation eines eigenen Integrationskonzepts für das deutsche Schulsystem.
Bildungschancen, Migrationshintergrund, deutsches Bildungssystem, IGLU, PISA, Sprachförderung, Integrationsschule, soziale Herkunft, institutionelle Diskriminierung, Bildungserfolg, Schulleistung, interkulturelle Bildungsforschung, Mercator-Projekt, Mehrsprachigkeit, Bildungsgerechtigkeit.
Die Arbeit untersucht die Ursachen für die im Durchschnitt geringeren Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem.
Zentrale Themen sind die Migrationsgeschichte, internationale Schulleistungsstudien, Erklärungsansätze für Bildungsbenachteiligung, Schulstrukturen und Ansätze zur interkulturellen Bildungsförderung.
Ziel ist es, die Gründe für das schlechtere Abschneiden dieser Schülergruppe zu identifizieren und auf Basis der Ergebnisse ein integratives Schulkonzept zu entwerfen.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, der Auswertung internationaler Vergleichsstudien (PISA, IGLU) sowie der kritischen Auseinandersetzung mit pädagogischen Konzepten und Modellen.
Im Hauptteil werden soziodemographische Daten, internationale Leistungsvergleiche, strukturelle Defizite des deutschen Schulwesens sowie verschiedene Förderprogramme und Ansätze zur interkulturellen Bildungsforschung detailliert analysiert.
Wichtige Begriffe sind Bildungsgerechtigkeit, Migrationshintergrund, Schulleistung, Sprachförderung, strukturelle Diskriminierung und Integrationskonzepte.
Muñoz bemängelt primär das Fehlen eines einheitlichen, konsistenten Bildungsrahmens und die frühe Selektion der Schüler in verschiedene Schultypen, was tendenziell ausgrenzend wirkt.
Die Beherrschung der Bildungssprache wird als entscheidende Hürde identifiziert; der Übergang von der Alltagssprache zur komplexen Bildungssprache dauert oft mehrere Jahre, was bei fehlender systematischer Förderung zu massiven Leistungsnachteilen führt.
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