Masterarbeit, 2012
94 Seiten, Note: 2,1
EINLEITUNG
TEIL A: DER POLITISCHE REDNER ZWISCHEN MACHT- UND VERTRAUENSVERLUST SEIT DER DEUTSCHEN WIEDERVEREINIGUNG
1. „DER UNZUFRIEDENE DEMOKRAT“: DIE POLITISCHE ORIENTIERUNGSKRISE DER DEUTSCHEN GESELLSCHAFT
1.1. ÖKONOMISCHER FAKTOR
1.2. SOZIOKULTURELLER FAKTOR
1.3. PARTIZIPATIVER FAKTOR
2. DIE MACHT DER MEDIEN: DAS SPANNUNGSVERHÄLTNIS ZWISCHEN POLITIK UND DER „VIERTEN GEWALT“
2.1. VON KOHL BIS MERKEL: DIE ENTWICKLUNG DER DEUTSCHEN POLITIK SEIT 1990
2.2. MEDIENDEMOKRATIE: DAS VERHÄLTNIS ZWISCHEN POLITIK UND MEDIEN
2.2.1. POLITISCHE INSZENIERUNGSMECHANISMEN
2.2.1. DIE INHALTLICHE LEERE DER POLITISCHEN SPRACHE
TEIL B: DAS ANTIKE REDNERIDEAL – EIN RÜCKBLICK
1. GRIECHENLAND
1.1. ARISTOTELES UND DER „GUTE“ TECHNIKER
2. ROM
2.1. CICERO UND DER ORATOR PERFECTUS
2.2. QUINTILIAN UND DER VIR BONUS DICENDI PERITUS
TEIL C: OHNE ETHIK UND MORAL? DAS AGIEREN MODERNER POLITIKER
1. RICHTLINIEN UND EMPFEHLUNGEN AUS DER FORSCHUNG UND LITERATUR
1.1. JOACHIM KNAPE UND DER STRATEGISCHE KOMMUNIKATOR
1.2. ARMIN WOLF UND DER CURSUS HONORUM
1.3. ALEXANDER KIRCHNER UND DAS POSTULAT DER GLAUBWÜRDIGKEIT
1.4. WILFRIED RÖHRICH UND DIE POLITISCHE VERANTWORTUNG
1.5. UWE PÖRKSEN UND DIE POLITISCHE REDE
2. DER BUNDESPRÄSIDENT – ZWEI KONTRÄRE BEISPIELE
2.1. HORST KÖHLER
2.1.1. VITA
2.1.2. DAS AMT
2.1.3. ÖFFENTLICHE RESSONANZ
2.2. CHRISTIAN WULFF
2.2.1. VITA
2.2.2. DAS AMT
2.2.3. ÖFFENTLICHE RESSONANZ
3. RESÜMEE
SCHLUSSBETRACHTUNG
1. GESELLSCHAFTSPOLITISCHE VORAUSSETZUNGEN
2. GRUNDZÜGE DES MODERNEN ORATOR POLITICUS
Die Masterarbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen politischer Macht und Verantwortung im Kontext einer wachsenden Politikverdrossenheit in der Bundesrepublik Deutschland seit 1990. Ziel ist es, unter Rückgriff auf antike Rhetorikideale und aktuelle medienwissenschaftliche Diskurse, ein modernes, glaubwürdiges Rednerideal für Politiker zu entwickeln, das ethisches Handeln in den Mittelpunkt stellt.
Die Macht der Medien: Das Spannungsverhältnis zwischen Politik und der „Vierten Gewalt“
Der politische Redner bewegt sich sowohl im Raum einer orientierungssuchenden Gesellschaft als auch im Raum der Medien. Die Zeitungen, das Fernsehen und das Internet schaffen eine umfangreiche Lancierung von politischen Inhalten. Somit bieten die Medien der Politik ein vielfältiges Repertoire zur politischen Partizipation. Gleichermaßen werden neue politische Strategien erforderlich, zumal eine große und zugleich sozial differente Masse über den Weg der dimissiven Kommunikation angesprochen werden muss. Die Medien nehmen hierin die Rolle des Partners mit Widerstandpotenzial ein. Die Indirektheit der eigentlich unmittelbaren Kommunikation zwischen Sender und Empfänger wird, laut Knape, geschwächt, da die Medien als Zwischenkommunikatoren die Handlungsabsicht des Politikers verfälschen können. Knape bezeichnet dies als „Widerstandspotenzial“.
„[Dies sind die] systembedingten autopoietischen technischen und semiotischen Ablenkungseigenschaften der Medien und Texturen, die für die Intentions- und Rezeptionseigenschaften der kognitiven Systeme (Sender, Empfänger) Verfremdung mit sich bringen.“
Distanz und Komplexität gehen mit dieser Ablenkung einher. Es ist für die Politik demnach unumgänglich mit den Medien zu kooperieren, um Widerstände so klein wie möglich zu halten. Neben der Exekutive, Legislative und Judikative werden die Medien in der Politikforschung als „Vierte Gewalt“ im Staat gehandelt. Sarcinelli wendet demgegenüber ein, dass „die Medien als Widerpart oder Kontrollinstanz allen anderen Gewalten gegenüber gestellt“ sind. Sie sollen dabei, so Sarcinelli, autonom, distanziert und unabhängig agieren. Diese These ist kritisch zu betrachten, da Informativität Nähe zu den Parteien erfordert.
EINLEITUNG: Die Arbeit beleuchtet die zunehmende Politikverdrossenheit in Deutschland und den Bedarf an einem modernen Rednerideal, ausgehend vom Scheitern prominenter Politiker.
TEIL A: DER POLITISCHE REDNER ZWISCHEN MACHT- UND VERTRAUENSVERLUST SEIT DER DEUTSCHEN WIEDERVEREINIGUNG: Dieses Kapitel analysiert die gesellschaftlichen, ökonomischen und medialen Bedingungen, die das Vertrauensverhältnis zwischen Bürgern und Politik seit 1990 belasten.
TEIL B: DAS ANTIKE REDNERIDEAL – EIN RÜCKBLICK: Hier werden die antiken Wurzeln der Rhetoriktheorie, insbesondere bei Aristoteles, Cicero und Quintilian, auf ihre Bedeutung für das moderne Rednerideal untersucht.
TEIL C: OHNE ETHIK UND MORAL? DAS AGIEREN MODERNER POLITIKER: Dieser Teil systematisiert aktuelle Forschungsergebnisse zum ethischen politischen Handeln und analysiert die Fallbeispiele Horst Köhler und Christian Wulff.
SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Ergebnisse werden synthetisiert, um die zentralen Grundzüge des modernen orator politicus zu formulieren, der Verantwortung und Macht in Einklang bringt.
Politische Rhetorik, Orator Politicus, Mediendemokratie, Politikverdrossenheit, Glaubwürdigkeit, Verantwortungsethik, Mediencharisma, Politainment, Symbolpolitik, vir bonus, Partizipation, Gesellschaftskritik, politische Kommunikation, Agenda 2010, politische Inszenierung.
Die Arbeit untersucht das moderne Ideal des politischen Redners unter der Prämisse, dass ein politisches Amt heute eine hohe ethische Verantwortung mit Machtausübung in einer medial dominierten Gesellschaft verbinden muss.
Die zentralen Felder umfassen die politische Orientierungskrise nach der Wiedervereinigung, das Spannungsverhältnis zwischen Politik und Medien sowie die ethischen Anforderungen an einen glaubwürdigen politischen Redner.
Wie kann ein modernes Rednerideal definiert werden, das es Politikern ermöglicht, trotz medialem Druck und gesellschaftlicher Verdrossenheit authentisch, glaubwürdig und verantwortungsbewusst zu handeln?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse der Rhetoriktheorie sowie eine medien- und politikwissenschaftliche Untersuchung aktueller Diskurse und politischer Biografien als Grundlage.
Der Hauptteil gliedert sich in eine gesellschaftspolitische Bestandsaufnahme, eine historische Retrospektive auf antike Rednerideale und eine Analyse der aktuellen Anforderungen an Politiker anhand von Expertenmeinungen und Fallbeispielen.
Die Begriffe Glaubwürdigkeit, Verantwortung, Mediencharisma, politische Inszenierung und der orator politicus stehen im Zentrum der Untersuchung.
Köhler wird als ein Bundespräsident charakterisiert, der zwar eine hohe Bürgernähe erreichte und sich für persönliche Werte einsetzte, dabei aber durch eine stetige Reibung mit der Regierungspolitik ein diffuses Bild zwischen reformerischem Anspruch und politischem Agieren erzeugte.
Die Medienberichterstattung wandelte sich bei Wulff von einer anfänglich neutralen oder positiven Wahrnehmung hin zu einer vehementen, affektiven Kritik im Zuge der "Kredit-Affäre", die schließlich den Druck auf sein Amt maßgeblich verstärkte.
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