Magisterarbeit, 2014
101 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
1.1. Eingrenzende Themenanalyse
2. Kommunikationstheoretische Grundlagen literarischer Kommunikation
2.1. Rhetoriktheoretische Definitionen - Kode, Zeichen, Text, Medium
2.2. Das Buchmedium und der Roman
2.3. Intertextualität und Diskursframe
2.4. Der Autor und sein rhetorisches Organon
2.5. Kalkül
2.6. Autorschaft
2.7. Die kommunikative Spielregel
3. Joachim Lottmanns Selbstpoetik
3.1. Autofiktion
3.2. Repragmatisierungsdruck als Problem oder Strategie der Autofiktion
3.3. Inszenierung
3.4. Agon und Ethos
3.5. Borderline-Journalismus: niemals an schnöden Fakten kleben
3.6. Die Reportage als Autobiographie?
3.7. Operative Anschlüsse
3.8. Der Borderline-Blog: Verifikation durch ein Hybridmedium?
4. Die Romane
4.1. Zombie Nation
4.2. Das Ramones-Musical
4.3. Gott führt uns zusammen
4.4. Kein Roman mit Joachim Lottmann
4.5. Poetologische Reflexionen: Ein Bauer in Albanien
5. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Werke des Autors Joachim Lottmann mit dem Ziel, eine spezifische Poetologie herauszuarbeiten, die sich primär aus dem New Journalism speist. Dabei wird insbesondere analysiert, wie Lottmann durch eine strategische Inszenierung von Autorschaft die Grenzen zwischen Roman und Reportage gezielt verwischt.
3.5. Borderline-Journalismus: niemals an schnöden Fakten kleben
Werfen wir zunächst einen Blick auf den Buchdeckel der 2007 erschienenen Reportagensammlung Auf der Borderline nachts um halb eins. Der Einband verspricht einen Band mit Reportagen, „die allesamt Sternstunden der etwas anderen Wahrheitsfindung sind“, eine „spezielle Reportagetechnik, die niemals an schnöden Fakten klebt“, wodurch der Autor „nicht weniger als eine subjektive Sittengeschichte unserer Gegenwart“ erzählt.
Dem Leseradressaten wird demnach bereits auf der paratextuellen Ebene ein Konvolut an Texten versprochen, das sich ganz offensichtlich vom Informationsjournalismus abgrenzen will. Gemäß eines seriösen Verständnisses von Journalismus versteht man unter einer Reportage einen narrativen Bericht „über reale Ereignisse, Zustände oder Personen, der separat (in Zeitungen und Zeitschriften) veröffentlicht oder in einen zyklischen thematischen Zusammenhang (Reportagesammlung) integriert“ wird. Im Vorwort bezeichnet Lottmann die Sammlung als „Kompendium des Popjournalismus“ und stellt sich gleichermaßen in die Tradition des New Journalism. Gleichzeitig gibt er zu, eine beinahe schlitzohrige Verkaufsstrategie zu verfolgen, indem er seine Texturen qualitativ mit diesen Labels auflädt, sie aber gleichzeitig von sich weist: „Popliteratur ist ein Schimpfwort und ist es noch. Aber man zieht damit Leute. Und Ebenso ist es mit dem Wort Borderline-Journalismus. Niemand, nicht einmal Tom Kummer, würde es wagen, dieses Schimpfwort auf seine eigenen Texte zu beziehen.“
1. Einleitung: Einführung in die literarischen und journalistischen Arbeiten von Joachim Lottmann und Definition der zentralen Fragestellung bezüglich der Grenzverwischung zwischen den Textgattungen.
2. Kommunikationstheoretische Grundlagen literarischer Kommunikation: Erarbeitung des theoretischen Rahmens unter Einbeziehung von Begriffen wie Medium, Text, Autor, Kalkül und der Rolle der Rhetorik.
3. Joachim Lottmanns Selbstpoetik: Detaillierte Untersuchung von Lottmanns spezifischer Schreibweise, insbesondere Autofiktion, Inszenierung und der Borderline-Strategie.
4. Die Romane: Analyse konkreter Romanwerke und deren Verbindung zu journalistischen Texten und Lottmanns autofiktionaler Strategie.
5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Reflexion der Ergebnisse über die strategische Autorschaft Lottmanns und Ausblick auf weiterführende Analysemöglichkeiten.
Joachim Lottmann, Autofiktion, Borderline-Journalismus, Rhetorik, Literaturtheorie, Autorschaft, New Journalism, Medientheorie, Inszenierung, Textstrategie, Faktualität, Fiktionalität, Poetologie, Kommunikation, Popliteratur
Die Arbeit analysiert die literarischen und journalistischen Texte von Joachim Lottmann hinsichtlich seiner bewussten Strategie, die Grenzen zwischen faktualem und fiktionalem Schreiben (Roman und Reportage) durch eine gezielte Inszenierung von Autorschaft aufzuheben.
Im Zentrum stehen die Konzepte der Autofiktion, des New Journalism, die rhetorische Konstruktion des Autors (Ethos) sowie die kommunikationstheoretischen Rahmenbedingungen, unter denen diese hybriden Textformen entstehen.
Das Ziel ist die Herausarbeitung einer spezifischen Poetologie der Werke Lottmanns, die zeigt, wie durch einen projektiven Kalkül des Autors eine bewusste Irritation und Adressatenbeeinflussung erfolgt.
Die Arbeit basiert auf einer rhetorisch orientierten Literatur- und Medientheorie, wobei insbesondere der „rhetorische Faktor“ nach Joachim Knape zur Analyse der kommunikativen Strategien herangezogen wird.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die Anwendung dieser Theorie auf Lottmanns Selbstpoetik (insbesondere die Autofiktion) sowie eine exemplarische Analyse ausgewählter Romane und Reportagen.
Die wichtigsten Schlagworte umfassen neben dem Autor selbst: Autofiktion, Borderline-Journalismus, Rhetorik, Inszenierung, Autorschaft und Poetologie.
Dieser Begriff wird von Lottmann selbst verwendet und von der Arbeit als zentrale poetologische Strategie entlarvt, um den Leser zwischen faktualen und fiktionalen Ansprüchen zu oszillieren und so eine spezifische Aufmerksamkeit zu generieren.
Im Gegensatz zum Anspruch objektiver Faktenvermittlung nutzt Lottmann journalistische Formen gezielt als "Bühne" für seine Inszenierung, wobei die faktuale Genauigkeit oft zugunsten der performativen Wirkung zurücktritt.
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