Bachelorarbeit, 2015
39 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Begriffsklärung und historische Einordnung
2.1 Die Genese des Entwicklungsbegriffs
2.2 Entwicklungszusammenarbeit (EZ)
2.3 Entwicklungsethnologie & Ethnologie der Entwicklung
2.4 Partizipation in der Entwicklungszusammenarbeit
3. Methoden partizipativer Ansätze in der EZ
3.1 RRA / PRA: Ursprung und Begriffsklärung
3.2 Das Verhältnis partizipativer Ansätze zur Entwicklungsethnologie
4. Kritische Analyse partizipativer Entwicklungspraxis
4.1 Vorbemerkungen
4.2 Fachinterne Kritik
4.3 Exkurs: Erkenntnisse aus der Sozialpsychologie
4.4 Inhärente Widersprüche
5. Fallbeispiele
5.1 Vorbemerkungen
5.2 Staudammprojekt: Die Vorteile partizipativer Erhebungen
5.3 Forstprojekt: Falsch angewendete Methoden
5.4 Modernisierung der Wasserversorgung: Die Widersprüchlichkeit der partizipativen Rhetorik
6. Fazit
Diese Arbeit untersucht, ob Partizipation als zentrales Kriterium in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit das Versprechen einer effektiveren und gerechteren Entwicklung halten kann, oder ob sie strukturelle Machtungleichgewichte eher verschleiert als aufbricht.
1. Einleitung
Partizipation ist seit spätestens Anfang der 1990er Jahre eines der wichtigsten Kriterien in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. In seiner Jahresansprache 1998 verkündete der ehemalige Präsident der Weltbank, James Wolfensohn: „Participation matters – not only as a means of improving development effectiveness, as we know from our recent studies – but as the key to long-tearm sustainability and leverage“ (Zitiert nach Francis 2001:72).
Demnach gilt Partizipation als das Schlüsselkriterium für eine nachhaltige und erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit. Trotz einer Vielzahl kritischer Stimmen hat sich daran bis heute so gut wie nichts geändert. Partizipation ist kaum hinterfragte Lehrmeinung und gilt weiterhin als Grundvoraussetzung für eine bessere, effektivere und gerechtere Entwicklung.
In der Ethnologie beginnt eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema Anfang der 1980er Jahre. Zu dieser Zeit setzt sich in den internationalen Entwicklungsinstitutionen die Erkenntnis durch, dass Entwicklungszusammenarbeit nur erfolgreich sein kann, wenn zum einen auch kulturelle Faktoren berücksichtigt werden und zum anderen die Empfänger der Hilfsmaßnahmen an der Durchführung und Planung der Entwicklungsprojekte partizipieren. Die in etwa zur selben Zeit neu entstandene ethnologische Subdisziplin Entwicklungsethnologie war maßgeblich an der Durchsetzung und Verbreitung von Partizipation in der Entwicklungszusammenarbeit mitbeteiligt. Demgegenüber setzt sich die Ethnologie der Entwicklung kritisch mit eben diesem Prozess partizipativer Entwicklung auseinander.
1. Einleitung: Einführung in die zentrale Bedeutung von Partizipation als Schlüsselkriterium der Entwicklungszusammenarbeit und Skizzierung der Forschungsfrage.
2. Begriffsklärung und historische Einordnung: Historische Entwicklung der Begriffe Entwicklung und Entwicklungszusammenarbeit sowie die Rolle der Entwicklungsethnologie.
3. Methoden partizipativer Ansätze in der EZ: Vorstellung der RRA- und PRA-Methoden als Instrumente zur Einbeziehung lokalen Wissens.
4. Kritische Analyse partizipativer Entwicklungspraxis: Reflexion über fachinterne Kritik, sozialpsychologische Limitationen und inhärente Widersprüche.
5. Fallbeispiele: Praxisorientierte Analyse von Projekten zur Veranschaulichung des Erfolgs und Scheiterns partizipativer Ansätze.
6. Fazit: Synthese der Ergebnisse und Schlussfolgerung zur Rolle der Partizipation als Herrschaftsinstrument vs. emanzipatives Potenzial.
Partizipation, Entwicklungszusammenarbeit, Entwicklungsethnologie, PRA, RRA, Empowerment, Ownership, Machtstrukturen, Sozialpsychologie, Entwicklungspolitik, Kritische Analyse, Ethnologie der Entwicklung, Hilfsprojekte, Stakeholder, Wissensproduktion.
Die Arbeit untersucht kritisch die Rolle und Wirksamkeit von Partizipation als zentrales Leitprinzip der modernen internationalen Entwicklungszusammenarbeit.
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte der Entwicklungszusammenarbeit, Methoden der partizipativen Erhebung (RRA/PRA), sozialpsychologische Aspekte von Gruppenentscheidungen sowie eine kritische Analyse der Machtverhältnisse zwischen Gebern und Nehmern.
Das Ziel ist es, zu hinterfragen, ob Partizipation tatsächlich zu einer gerechteren Entwicklung führt oder ob sie lediglich als Rhetorik dient, um bestehende Machtasymmetrien zu verschleiern.
Es wird eine anwendungsorientierte entwicklungsethnologische Perspektive dem theoretisch-analytischen Blickwinkel der Ethnologie der Entwicklung und Erkenntnissen aus der Sozialpsychologie gegenübergestellt.
Im Hauptteil werden Methoden wie RRA und PRA analysiert, deren theoretische Begründung hinterfragt sowie deren Scheitern oder Erfolg an konkreten Fallbeispielen kritisch beleuchtet.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Partizipation, Entwicklungsethnologie, Empowerment, Machtstrukturen und PRA/RRA-Methodik charakterisiert.
Das Dilemma besteht darin, dass einerseits echte Partizipation gefordert wird, während andererseits die Ziele und Methoden von den Entwicklern vorgegeben sind und Machtstrukturen meist unangetastet bleiben.
Der Ethnologe fungiert oft als „Cultural Broker“, der zwischen Welten vermittelt, während er gleichzeitig aus der Position des neutralen Beobachters die zugrundeliegenden Machtprozesse kritisch analysiert.
Rottenburg beschreibt die Verwendung von offiziellen (O-Script) und inoffiziellen (I-Script) Handlungsscripten, die es Akteuren ermöglichen, Konflikte zu umgehen, indem sie bei Bedarf zwischen rhetorischer Partizipation und machtorientierter Zielsetzung wechseln.
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