Masterarbeit, 2013
112 Seiten, Note: 1,0
1. Das „Grundprinzip“ Anerkennung als pädagogische Bewegung
1.1 Die Bedeutung der Bildung und Erziehung
1.1.1 Der Kasper-Hauser-Versuche
1.1.2 Immanuel Kant (1724-1804)
1.1.3 Hugo Gaudig (1860-1926)
1.1.4 Albert Scherr
1.2 Scham und Anerkennung
1.2.1 Formen der Scham
1.2.2 Schamabwehrverhalten
1.2.3 Kampf um Anerkennung
1.2.4 Anerkennung versus Scham im Schulunterricht
1.3 Pädagogik der Vielfalt
1.3.1 Widerspruch zwischen Vielfalt und Leistung
1.3.2 Mehrperspektivische Anerkennung
1.4 Interaktionsqualitäten des Lehrerhandelns
1.4.1 Erziehungsstile nach Kurt Lewin
1.4.2 Dimensionen des „Erziehens“
1.4.3 Gütekriterien guten Unterrichts
1.5 Zusammenfassung
2. Anerkennungstheoretische Untersuchung sich öffnender Unterrichtsstile Erste empirische Ergebnisse
2.1 Wissenschaftliches Vorgehen
2.1.1 Datenerhebung
2.1.2 Beobachtungsbogen für individuelle Themen
2.1.3 Erstauswertung der Beobachtung
2.1.4 Auswertung mit MAXQDA
2.1.5 Angaben zum Untersuchungsfeld
2.2 Quantitative Analysen
2.2.1 Grad der Anerkennung im Fächervergleich
2.2.2 Grad der Ankerkennung nach Schultyp
2.2.3 Grad der Anerkennung nach Unterrichtsstil
2.2.4 Anerkennung versus Lernförderlicher Unterricht
2.2.5 Anerkennung versus thematische Aufmerksamkeit
2.2.6 Vergleich der einzelnen Lehrkräfte
2.3 Qualitative Analysen
2.3.1 Anerkennende Szenen im Schulunterricht
2.3.2 Missachtende Szenen im Schulunterricht
2.3.3 Szenen „sich öffnender Unterrichtsstile“
3. Zusammenfassung und Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss verschiedener Unterrichtsstile auf die intersubjektive Anerkennung von Schülern. Das primäre Ziel ist es, herauszuarbeiten, welche Unterrichtsform – insbesondere im Kontext sich öffnender Stile – am besten geeignet ist, das „Grundprinzip Anerkennung“ als pädagogische Bewegung zu verwirklichen und dadurch Scham und Missachtung entgegenzuwirken.
1.2.1 Formen der Scham
Wann immer sich Menschen begegnen, treffen verschiedene Formen von Scham aufeinander. Dr. Stephan Marks, Referent von Fortbildungen über Scham, Beschämung und Anerkennung, unterscheidet sechs Grundformen (vgl. Marks, 2005; Marks, 2008).
Erstens: Die Anpassungs-Scham wird ausgelöst, wenn wir etwas getan haben, was den Erwartungen und Normen der Mitmenschen widerspricht und wir daraufhin ausgegrenzt oder gemieden werden. Man fühlt sich nicht-dazugehörig, weil man „anders“ oder „schwach“ sei. Dieses Scham-Gefühl ist jedoch stark von der jeweiligen Kultur abhängig. In Deutschland gilt persönliche (Krankheit, Scheitern, Abhängigkeit, Fehler) und soziale Schwäche (Armut, Familien mit geringen beruflichen Status, mangelnde Bildung) als beschämend (Marks, 2005, S.1). Anpassungs-Scham kann sich aber auch auf den eigenen Körper beziehen, sei es, wenn man nicht dem entsprechenden Schönheitsideal der Medien („Model-Casting-Shows“, körperliche Merkmale) entspricht oder dem normativen Leistungsideal (Leistungskriterien im Sportunterricht, Menschen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen im Fachunterricht) nicht gerecht wird (Marks, 2009, S.137 ff.; Marks, 2011a, S.14 ff). Anpassung-Scham kann aber auch eine positive Funktion nach sich ziehen: Zugehörigkeit, denn sowohl durch Mannschaftssportarten als auch durch andere gemeinsame Freizeitbeschäftigungen entstehen Interessensgemeinschaften (ebd.).
Zweitens: Die Gruppen-Scham bezieht sich im Gegensatz zur Anpassungs-Scham auf andere Personen oder Gruppen, wenn diese die herrschenden Erwartungen und Normen nicht erfüllen. Viele junge Deutsche schämen sich beispielsweise für die nationalsozialistische Vergangenheit der eigenen Nation und möchten sich in der Öffentlichkeit von den Verbrechen der Vorfahren distanzieren (ebd.). Eine andere Auffassung von Gruppen-Scham erfordert das Bekennen zu einer Person (Zivilcourage), die ebenfalls mit den Wertvorstellungen der Gesellschaft kollidiert (Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen, Uneheliche Kinder) und wodurch man durch die Nähe zu dieser Person selbst Opfer von Beschämung zu werden droht (Marks, 2008). Vor allem in der Schule ist Zivilcourage notwendig, wenn man Werte wie Solidarität, Wertschätzung, Achtung und Menschenwürde bewahren soll.
1. Das „Grundprinzip“ Anerkennung als pädagogische Bewegung: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen dar, indem es Bildung, Erziehung und Anerkennung in den Kontext von Werten, Scham und Vielfalt stellt.
2. Anerkennungstheoretische Untersuchung sich öffnender Unterrichtsstile Erste empirische Ergebnisse: Dieses Kapitel beschreibt das wissenschaftliche Vorgehen und präsentiert die empirischen Ergebnisse der Untersuchung an verschiedenen Schultypen und Unterrichtsstilen.
3. Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und betont die Bedeutung einer wertschätzenden Pädagogik für eine inklusive Gesellschaft.
Pädagogik der Anerkennung, Scham, Beschämung, Inklusive Pädagogik, Unterrichtsstil, soziale Wertschätzung, Schulentwicklung, Interaktionsqualität, empirische Forschung, Lehrerhandeln, Werteerziehung, heterogene Lerngruppen, INTAKT, MAXQDA, Bildungsauftrag.
Die Arbeit untersucht den Einfluss verschiedener Unterrichtsstile auf das soziale Klima im Klassenzimmer und wie Lehrkräfte durch Anerkennung oder Missachtung die Selbstachtung und Identitätsentwicklung ihrer Schüler beeinflussen.
Die zentralen Themen sind Anerkennungstheorie, Scham- und Beschämungsmechanismen in pädagogischen Kontexten, Inklusion sowie der Zusammenhang zwischen Führungsstilen (autoritär, demokratisch, Laissez-faire) und Unterrichtsqualität.
Das Ziel ist zu ergründen, welcher Unterrichtsstil dem „Grundprinzip Anerkennung“ am besten gerecht wird und inwiefern sich öffnende Unterrichtsformen positiv auf die intersubjektive Anerkennung auswirken.
Es wird eine empirische, teilnehmende Unterrichtsbeobachtung angewandt. Die Daten wurden mit der Analysesoftware MAXQDA systematisch ausgewertet, basierend auf Feldvignetten und Gütekriterien für guten Unterricht nach Hilbert Meyer.
Im Hauptteil werden nach einer theoretischen Fundierung (u.a. Kant, Gaudig, Scherr, Honneth) die Ergebnisse der Hospitationen an drei verschiedenen Schulen (Gymnasien und eine Grundschule) detailliert analysiert, verglichen und quantitative sowie qualitative Erkenntnisse abgeleitet.
Schlüsselbegriffe sind Pädagogik der Anerkennung, Scham, Inklusion, Unterrichtsstil, soziale Wertschätzung, empirische Forschung, Inklusive Pädagogik und Interaktionsqualität.
Die "ESBZ" (ein privates Gymnasium) zeichnet sich durch einen schülerzentrierten Unterricht (Wochenplanarbeit in Lernbüros) aus, der dem Laissez-faire-Stil nahekommt und eine tendenziell höhere soziale Wertschätzung aufweist.
Das Projektnetz "INTAKT" liefert den methodischen Rahmen und die Forschungsinstrumente für die empirische Untersuchung sozialer Interaktionen in pädagogischen Arbeitsfeldern, die in dieser Arbeit zur Auswertung genutzt wurden.
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