Diplomarbeit, 2004
110 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Aktuelle Begründungsansätze für die Einführung der offenen Ganztagsgrundschule
2.1. Die heutigen Lebensbedingungen von Kindern als Begründungsansatz für die offene Ganztagsgrundschule
2.1.1. Freizeit- und Medienverhalten von Kindern
2.1.2. Familiäre Strukturen
2.1.3. Gesellschaftliche Bedingungen
2.2. Die PISA-Studie als Begründungsansatz für die offene Ganztagsgrundschule
2.2.1. Hintergrundinformationen zur PISA-Studie
2.2.2. Die verschiedenen Kompetenzbereiche: Untersuchungsergebnisse und Schlussfolgerungen
2.3. Bildungs- und lerntheoretische Erkenntnisse als Begründungsansatz für die offene Ganztagsgrundschule
3. Das pädagogische Konzept der offenen Ganztagsgrundschule
3.1. Die historische Entwicklung des Ganztagsschulgedankens
3.2. Zum gegenwärtigen Stand der Betreuungssituation in NRW
3.3. Die pädagogische Idee der Ganztagsgrundschule
3.4. Die verschiedenen Modelle der offenen Ganztagsgrundschule und ihre konzeptionellen Unterschiede
3.5. Zielsetzungen der offenen Ganztagsgrundschule
3.6. Gesetzliche Rahmenbedingungen
4. Die beteiligten Systeme am Konzept der offenen Ganztagsgrundschule
4.1. Das System Schule
4.1.1. Aufgaben und Selbstverständnis der Grundschule
4.1.2. Die Schule in ihren Außenbeziehungen
4.1.3. Einbindung der Schule in das Rechtssystem
4.2. Das System Jugendhilfe
4.2.1. Zur Entwicklung der Jugendhilfe
4.2.2. Aufgaben und Selbstverständnis der Jugendhilfe
4.2.3. Organisation und Struktur der Jugendhilfe in NRW
4.2.4. Die besondere Rolle des Hortes als Einrichtung der Jugendhilfe
4.3. Schule und Jugendhilfe: ein spannungsreiches Verhältnis
4.3.1. Historische Betrachtung des Verhältnisses zwischen Schule und Jugendhilfe
4.3.2. Strukturbedingte Unterschiede zwischen Schule und Jugendhilfe
4.4. Die Kooperation beider Systeme
4.4.1. Zur Notwendigkeit der Kooperation von Schule und Jugendhilfe
4.4.2. Bedingungen und Voraussetzungen für die Kooperation
4.4.3. Kooperationsebenen zwischen Schule und Jugendhilfe
4.4.4. Schritte der Kooperation
5. Die praktische Umsetzung des Konzepts der offenen Ganztagsgrundschule
5.1. Bausteine und Merkmale der offenen Ganztagsgrundschule
5.1.1. Grundlegende Rahmenmerkmale
5.1.2. Inhaltliche Strukturmerkmale
5.1.3. Verpflegung in der offenen Ganztagsgrundschule
5.2. Finanzierung
5.3. Versicherungsschutz
5.4. Zeitstruktur
5.5. Personalstruktur
5.6. Raum- und Sachausstattung
5.7. Planungs- und Handlungsschritte
5.7.1. Bestands- und Bedarfserhebung
5.7.2. Konkretisierung eines pädagogischen Konzepts
5.7.3. Vernetzung schulischer und außerschulischer Bildungsarbeit
5.7.4. Erstellung eines konkreten Ganztagskonzeptes der Schule
5.8. Begünstigende Faktoren für die Einführung der offenen Ganztagsgrundschule
5.9. Hinderliche Faktoren für die Einführung der offenen Ganztagsgrundschule
6. Der Weg zur offenen Ganztagsgrundschule am Beispiel der Stadt Detmold
6.1. Vorstellung und Begründung des Vorgehens
6.2. Planungsschritte auf dem Weg zur OGGS: Ergebnisse der Einzelbefragung im Stadtjugendamt
6.3. Die Weerthschule in Detmold
6.3.1. Die Umsetzung des Konzepts der offenen Ganztagsgrundschule an der Weerthschule
6.4. Einschätzung des Konzepts durch die beteiligten Personengruppen
6.4.1. Ergebnisse der Schulleiterbefragung
6.4.2. Zur Durchführung der Fragebogenerhebung
6.4.2.1 Ergebnisse der Lehrerbefragung
6.4.2.2. Ergebnisse der Befragung der pädagogischen Mitarbeiter
6.4.2.3 Befragungsergebnisse der Lehrer und pädagogischen Mitarbeiter im Vergleich: Schlussfolgerungen für die weitere Arbeit der OGGS
7. Einschätzung der Chancen und Schwierigkeiten des Konzepts
8. Ausblick
Die Arbeit untersucht das Konzept der offenen Ganztagsgrundschule als Schnittstelle zwischen schulischen Bildungsaufträgen und außerschulischen Angeboten der Jugendhilfe, mit dem Ziel, pädagogische Synergien zur Bewältigung aktueller gesellschaftlicher Anforderungen und Bildungsherausforderungen zu identifizieren.
2.1.1. Freizeit- und Medienverhalten von Kindern
Für viele Kinder ist ihr Alltag durch mangelnde Bewegungs- und Spielerfahrungen auf der einen und Reizüberflutung auf der anderen Seite geprägt. Das unmittelbare Wohnumfeld steht Kindern als Spiel-, Aneignungs- und Erfahrungsraum schon seit längerer Zeit immer weniger zur Verfügung. Unbebaute, bespielbare Grünflächen und Spielplätze sind aufgrund ihrer weiten Entfernung häufig nur noch in Begleitung Erwachsener erreichbar (vgl. Zimmer 1994, S.26). Die Zahl freier Grünflächen und ungefährlicher Spielstraßen nimmt vor allem in den Städten durch die zunehmende Bebauung und den wachsenden Verkehr ab. Eine sogenannte „Straßensozialisation“ sowie der Aufbau von Straßenspielgemeinschaften ist immer weniger möglich, weil sich das Leben der Kinder verstärkt in Binnenräumen wie Wohnungen oder Schulen und vermindert in Außenräumen wie der Straße abspielt (vgl. Fries 2002, S.170). Kontakte im sozialen Umfeld finden dadurch kaum noch spontan und selbstorganisiert statt, womit auch der Schule vermehrt die Aufgabe zukommt, diese spontanen Kontakte und selbst gewählten Freundschaften anzubahnen, zu ermöglichen und zu unterstützen.
Auch Sport und Bewegung werden immer weniger von den Kindern selbst, sondern zunehmend von Vereinen organisiert. Diese Angebote sind aufgrund der hohen Kosten oder aufgrund weiter Entfernungen nicht allen Kindern zugänglich. Der Besuch der offenen Ganztagsgrundschule bietet auch Kindern, die sonst keinen Zugang zu diesen Angeboten haben, die Möglichkeit neue Sportarten zu erlernen.
Zudem führt das Aufsuchen verschiedener über das Stadtgebiet und darüber hinaus verteilter Vereine zu einer sogenannten „Verinselung“ und Zerstückelung des kindlichen Lebensraums (vgl. Fries 2002, S.171).
1. Einleitung: Die Autorin legt die persönliche Motivation dar und begründet die Wahl des Themas vor dem Hintergrund aktueller bildungspolitischer Debatten.
2. Aktuelle Begründungsansätze für die Einführung der offenen Ganztagsgrundschule: Dieses Kapitel erörtert die Notwendigkeit von Ganztagsschulen durch veränderte Lebenswelten von Kindern und die bildungspolitischen Konsequenzen aus der PISA-Studie.
3. Das pädagogische Konzept der offenen Ganztagsgrundschule: Es werden die historische Entwicklung, die pädagogische Zielsetzung sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen der offenen Ganztagsgrundschule detailliert betrachtet.
4. Die beteiligten Systeme am Konzept der offenen Ganztagsgrundschule: Der Fokus liegt auf der Analyse der Rollen, Strukturen und dem spannungsreichen Verhältnis zwischen den Systemen Schule und Jugendhilfe sowie der Notwendigkeit ihrer Kooperation.
5. Die praktische Umsetzung des Konzepts der offenen Ganztagsgrundschule: Dieses Kapitel behandelt die konkreten organisatorischen und pädagogischen Bausteine sowie die notwendigen Schritte von der Bestandsaufnahme bis zur Konzeption.
6. Der Weg zur offenen Ganztagsgrundschule am Beispiel der Stadt Detmold: Anhand einer Fallstudie der Weerthschule werden die praktische Umsetzung und eine begleitende Befragung der Beteiligten ausgewertet.
7. Einschätzung der Chancen und Schwierigkeiten des Konzepts: Die Arbeit schließt mit einer reflexiven Diskussion über das Potenzial und die Hemmnisse bei der Etablierung des Ganztagsmodells.
8. Ausblick: Es wird ein optimistischer Ausblick auf die Weiterentwicklung der offenen Ganztagsgrundschule unter der Voraussetzung einer verbesserten Zusammenarbeit gegeben.
offene Ganztagsgrundschule, Schule, Jugendhilfe, PISA-Studie, Kooperation, Schulentwicklung, Kindheit, Freizeitpädagogik, Bildungsqualität, Rhythmitisierung, Sozialisation, Betreuung, Weerthschule, Detmold, Bildungschancen.
Die Arbeit analysiert das Konzept der offenen Ganztagsgrundschule und untersucht das komplexe Verhältnis zwischen dem System Schule und dem System Jugendhilfe im Kontext aktueller Bildungsreformen.
Die zentralen Themen umfassen die soziologischen Begründungsansätze für Ganztagsbetreuung, die pädagogische Konzeption, systemische Kooperationsmöglichkeiten zwischen Schule und Jugendhilfe sowie die praktische Umsetzung vor Ort.
Ziel ist es, die pädagogischen Möglichkeiten aufzuzeigen, die durch eine Kooperation von Schule und Jugendhilfe entstehen, um eine neue, qualitätsorientierte Lern- und Lehrkultur an Grundschulen zu fördern.
Die Arbeit kombiniert theoretische Analysen pädagogischer und rechtlicher Grundlagen mit einer empirischen Fallstudie, die Hospitationen und schriftliche Befragungen von Lehrkräften und pädagogischem Personal umfasst.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die rechtlichen Rahmenbedingungen, die detaillierte Darstellung der Arbeitssysteme (Schule/Jugendhilfe) und eine praktische Analyse der Implementierungsschritte.
Zu den prägenden Begriffen gehören die offene Ganztagsgrundschule, Systemkooperation, Chancengleichheit, Rhythmitisierung des Schultages und die Verknüpfung von Bildung und Erziehung.
Während pädagogische Mitarbeiter die Kooperation insgesamt positiv beurteilen, zeigen Lehrer ein uneinheitlicheres Bild, was auf unterschiedliche Grade des persönlichen Engagements und Vorurteile gegenüber dem jeweils anderen System hindeutet.
Die Finanzierung wird als problematisch wahrgenommen; die derzeitige Mischfinanzierung und die begrenzten Ressourcen führen oft dazu, dass pädagogische Qualitätsansprüche zugunsten organisatorischer Zwänge in den Hintergrund treten.
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