Examensarbeit, 2005
103 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Zum Begriff der Moral und seiner terminologischen Umgebung
2.1 Werte und Normen
2.2 Ethik und Moral
3. Psychologische und empirische Grundlagen
3.1 Kohlbergs Theorie moralischer Entwicklung
3.1.1 Ausgangspunkte der Theorie
3.1.2 Das Stufenmodell der moralischen Entwicklung
3.1.3 Kritik an Kohlbergs Theorie
3.1.3.1 Zur Kulturübergreifenden Gültigkeit von Kohlbergs Theorie
3.1.3.2 Frühkindliche Moralentwicklung
3.1.3.3 Verhältnis von Inhalt und Struktur in Kohlbergs Theorie
3.1.3.4 Geschlechtsunterschiede im moralischen Urteil
3.1.3.5 Zusammenfassung
3.1.5 Relevanz von Kohlbergs Theorie für die pädagogische Praxis
3.2 Vom Urteilen zum Handeln
3.2.1 Was charakterisiert moralisches Handeln?
3.2.2 Verantwortungsurteile und moralische Typen
3.2.3 Moralisches Selbst
3.2.4 Außermoralische Einflussfaktoren
3.2.4 Empathie und moralische Gefühle
3.2.7 Die moralische Atmosphäre
4. Erziehungsziele der Schule und Einstellungen und Verhaltensweisen der Jugend
4.1 Welche Art von Menschen soll die Schule hervorbringen?
4.1.1 Erziehungsziele in den Grundsatzerlassen der Grund-, Haupt- und Realschule
4.1.4 Der Bildungsauftrag der Schule im Niedersächsischen Schulgesetz
4.2 Ergebnisse empirischer Studien zur politischen Bildung, Wertorientierungen Rechtsextremismus und Gewalt
4.2.1 Bereitschaft zu politischem und sozialem Engagement
4.2.2 Akzeptanz und Umsetzung freiheitlich-demokratischer Werte
4.2.3 Rechtsextremismus und Gewalt
4.3 Ist die Schule selbst Schuld am Nicht-Erreichen ihrer Ziele?
5. Ziele von Moralerziehung
5.1 Umsetzung gesetzlicher Vorgaben in praktizierbare Verhaltensnormen
5.2 Moralische Erziehung als Grundlage für beruflichen Erfolg?
5.3 Erhalt der demokratisch-freiheitlichen Gesellschaft
5. 4 Entwicklung einer moralischen Persönlichkeit
5.5 Mündigkeit und Autonomie
6. Moralerziehung in der Diskussion: Begründungsansätze und Rechtfertigungsproblematiken
6.1 Moralerziehung im Pluralismus. Zur (Un?)-möglichkeit eines Wertekonsens.
6.2 Zur Vereinbarkeit staatlicher Neutralität und moralischer Erziehung
6.3 Ist Schule und Unterricht ohne Moralerziehung möglich?
6.4 Moralerziehung – Privileg der Eltern?
6.5 Ist moralische Erziehung eine Überforderung der Schule?
6.6 Chancen der Intervention
7. Umsetzung von Moralerziehung in der Schule
8. Fazit
9. Literaturverzeichnis
10. Anhang
Die Arbeit untersucht, ob eine bewusste moralische Erziehung in der staatlichen Schule möglich und legitim ist. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwieweit die Schule moralische Fähigkeiten von Schülern beeinflussen kann, ohne ihr Gebot zur weltanschaulichen Neutralität zu verletzen, und wie ein effektiver moralpädagogischer Ansatz vor dem Hintergrund komplexer gesellschaftlicher Anforderungen gestaltet sein muss.
3.2.1 Was charakterisiert moralisches Handeln?
Nicht jedes Handeln, das einem außenstehenden Betrachter als gut und richtig erscheint, ist schon ein moralisches. Wenn jemand einen anderen vor dem Ertrinken rettet, weil derjenige den Schlüssel zu seinem neuen Auto in der Tasche hatte, wird das wohl kaum jemand als moralisches Handeln charakterisieren. Bereits unser Alltagsverständnis sagt uns, dass, wer moralisch handelt, sich eben nicht nur von seinen persönlichen Interessen und Wünschen leiten lässt, wie es im Beispiel der Fall gewesen wäre. „Eine Handlung ist nicht schon dann moralisch, wenn sie objektiv und tatsächlich richtig ist, wenn sie also objektiv den Erwartungen und Regeln der Gesellschaft oder auch extern definierten moralischen Normen entspricht“ (Blasi, 2000, S. 118).
Blasi (2000, S. 118) identifiziert drei Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit eine Handlung moralisch ist:
1. Die Handlung muss das Ergebnis einer Absicht sein.
2. Die Absicht muss auf moralischen Motiven beruhen und durch sie bestimmt werden.
3. Der Handelnde muss die Handlung wollen, weil sie moralisch gut ist.
Dieses allgemein anerkannte Verständnis moralischen Handelns kann durch Kohlbergs Definition moralischen Handelns weiter spezifiziert werden. Für Kohlberg (Kohlberg & Candee, 1984, S. 403 f.) ist ein moralisches Handeln nur solches, welches erstens „dem handlungsrelevanten Urteil des Individuums entspricht“ (Kohlberg & Candee, 1984, S. 403) und zweitens unter objektiven und universellen Maßstäben (zum Beispiel nach Kants kategorischem Imperativ) für gut befunden werden kann. Damit kann ausgeschlossen werden, dass jedes Handeln als moralisch charakterisiert werden kann. Ohne diese doppelte Eingrenzung könnte ansonsten z.B. auch gewalttätiges Handeln als moralisch angesehen werden , denn dieses kann durchaus in Konsistenz mit einem Stufenurteil stehen.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische und aktuelle Relevanz der Moralerziehung und skizziert das Anliegen der Arbeit, die Legitimität und Möglichkeiten schulischer Wertevermittlung zu hinterfragen.
2. Zum Begriff der Moral und seiner terminologischen Umgebung: Dieses Kapitel klärt grundlegende Begriffe wie Moral, Ethik, Werte und Normen und definiert den Rahmen, in dem diese in der Arbeit verstanden werden.
3. Psychologische und empirische Grundlagen: Hier werden zentrale Theorien der moralischen Entwicklung, insbesondere die von Lawrence Kohlberg, sowie Konzepte zum Zusammenhang von moralischem Urteil und Handeln vorgestellt.
4. Erziehungsziele der Schule und Einstellungen und Verhaltensweisen der Jugend: Das Kapitel analysiert den offiziellen Bildungsauftrag im Niedersächsischen Schulgesetz und stellt diesem empirische Studien über die tatsächliche politische Bildung und Wertorientierung Jugendlicher gegenüber.
5. Ziele von Moralerziehung: Es werden die verschiedenen Ziele moralischer Erziehung erarbeitet, von der Umsetzung praktischer Verhaltensnormen bis hin zur Entwicklung einer mündigen, moralischen Persönlichkeit.
6. Moralerziehung in der Diskussion: Begründungsansätze und Rechtfertigungsproblematiken: Dieses Kapitel thematisiert die Legitimität moralischer Erziehung in einer pluralistischen Gesellschaft unter Berücksichtigung des staatlichen Neutralitätsgebots.
7. Umsetzung von Moralerziehung in der Schule: Es werden Wege und pädagogische Konzepte aufgezeigt, wie moralische Bildung in den schulischen Alltag integriert werden kann, sowie deren praktische Herausforderungen diskutiert.
8. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer bewussten und reflexiven Gestaltung moralischer Erziehung in der Schule.
Moralerziehung, Ethik, Werte, Normen, Kohlberg, Moralentwicklung, Schulgesetz, politisches Engagement, Pluralismus, Neutralitätsgebot, Mündigkeit, Autonomie, Schulkultur, Zivilcourage, Gerechtigkeit
Die Hausarbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der moralischen Erziehung an öffentlichen Schulen, ausgehend von der Frage, ob ein bewusster Erziehungsauftrag in einem weltanschaulich neutralen Staat legitim ist.
Zentrale Felder sind die psychologischen Grundlagen der moralischen Entwicklung (nach Kohlberg), die Analyse der offiziellen Erziehungsziele im deutschen Schulsystem sowie die Herausforderungen durch den gesellschaftlichen Wertepluralismus.
Das Hauptziel ist es zu klären, ob Schule moralisches Verhalten bei Jugendlichen positiv beeinflussen kann und wie dies in einer pluralistischen Gesellschaft legitimiert werden kann, ohne das Neutralitätsgebot zu verletzen.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, der Einbeziehung psychologischer Entwicklungstheorien sowie der Auswertung empirischer Studien zur politischen Bildung und zum Wertewandel bei Jugendlichen.
Der Hauptteil gliedert sich in die psychologischen Grundlagen, die Analyse aktueller schulischer Erziehungsziele, die Diskussion über Moral im Pluralismus sowie die praktischen Möglichkeiten der Umsetzung von Moralerziehung im Schulalltag.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Moralerziehung, Kohlbergs Stufenmodell, staatliche Neutralität, Wertepluralismus, Mündigkeit und das Verhältnis von moralischem Urteil zu moralischem Handeln.
Die Autorin argumentiert, dass absolute Autonomie als Idealzustand in der Erziehungspraxis kaum vollständig erreichbar ist, dennoch dient sie als notwendiger Orientierungspunkt für pädagogisches Handeln.
Die Analyse kritisiert, dass bei den "Just Community"-Versuchen der Zwang zur Rechtfertigung vor der Gruppe zu einem konformistischen Druck führen kann, der sich mit den Prinzipien von Autonomie und individueller Freiheit beißt.
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