Examensarbeit, 2006
116 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Motivationspsychologie
2.1 Motivationstheorien
2.1.1 Behavioristische Lern- und Verhaltenstheorien
2.1.2 Kognitive Theorien
2.1.2.1 Neugiermotivation
2.1.2.2 Anreizmotivation
2.2 Leistungsmotivation
2.2.1 Atkinsons Risiko-Wahl-Modell
2.2.2 Die Attributionstheorie nach Weiner
2.2.3 Heckhausens Selbstbewertungsmodell
2.3 Ausblick
3. Die Bedeutung der Motivation für Lernprozesse
3.1 Lernmotivation
3.1.1 Das Erweiterte Kognitive Motivationsmodell
3.2 Förderung der Lernmotivation durch Leistungsmotivation
3.3 Intrinsische Lernmotivation
3.3.1 Zum Begriff der intrinsischen Motivation
3.3.2 Intrinsische Motivation im Lernumfeld
3.4 Die Selbstbestimmungstheorie nach Deci und Ryan
3.5 Ausblick
4. Das Prinzip der Leistungsbeurteilung
4.1 Das Notensystem
4.2 Die Funktionen der Zensur
4.2.1 Motivation
4.2.2 Rückmeldung
4.2.3 Funktionsüberlastung
4.3 Messung von Schulleistung
4.4 Bezugssysteme der Leistungsbeurteilung
4.4.1 Sachliche Bezugsnorm
4.4.2 Soziale Bezugsnorm
4.4.3 Individuelle Bezugsnorm
4.4.4 Bezugsnormen in der Schulpraxis
5. Auswirkungen der Noten auf die Schülermotivation
5.1 Notengebung in Hinblick auf die Selbstbestimmungstheorie
5.2 Noten und ihre Attributionszuschreibung
5.3 Der Korrumpierungseffekt von Zensuren
5.4 Der extrinsische Charakter von Zensuren
5.5 Resümee
6. Alternative Beurteilungsformen
6.1 Lehrerkommentare
6.2 Verbale Beurteilung
6.2.1 Schwachstellen der verbalen Beurteilung
6.3 Schülerselbstbewertung
6.3.1 Kritische Stellungnahme
6.4 Resümee
7. Untersuchung des Einflusses von Noten auf die Schülermotivation in Abhängigkeit herkömmlicher und alternativer Beurteilungsformen
7.1 Mündliche Note
7.2 Anlage der Untersuchung
7.2.1 Ziffernnote
7.2.2 Kommentierte Note
7.2.3 Schülerselbstbewertung
7.3 Hypothesenbildung
7.4 Objektivitäts- und Reliabilitätsprüfung
7.5 Ergebnisauswertung
7.5.1 Nachvollziehbarkeit der mündlichen Zensur
7.5.2 Verbesserungsmotivation
7.5.3 Schüleremotionen
7.5.4 Kausalattribution
7.5.5 Motive für die Beteiligung am Unterricht
7.5.6 Ideale Beurteilungsform aus Sicht der Schüler
7.6 Resümee
8. Fazit
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Leistungsrückmeldungen, insbesondere durch Zensuren, auf die Lern- und Leistungsmotivation von Schülern. Das primäre Ziel besteht darin, die negativen motivationalen Effekte der herkömmlichen Ziffernnote aufzuzeigen und alternative Beurteilungsformen, wie die kommentierte Note und die Schülerselbstbewertung, hinsichtlich ihrer motivationsfördernden Potenziale zu analysieren und empirisch zu vergleichen.
5.3 Der Korrumpierungseffekt von Zensuren
Der Korrumpierungseffekt besagt, dass eine bereits vorhandene intrinsische Motivation durch externale Bekräftigungen, in Form von Lob, materieller Belohung oder einer Zensur, beeinträchtigt und sogar vollständig zerstört werden kann (vgl. KRAPP/RYAN 2002: 60). Das mag zunächst paradox klingen, wenn der Schüler seine Handlung prinzipiell gerne ausführt. Besteht neben dem inneren Wunsch jedoch auch eine extrinsische Verlassung, z. B. die Benotung der angefertigten Hausaufgaben, entsteht motivationspsychologisch eine Überverlassung (overjustification). Mithin zweifelt der Schüler an der ursprünglichen Zweckfreiheit seines Handelns. Das Erreichen guter Noten steht von nun an im Vordergrund. Intrinsische Gründe, z. B. die Freude am Lösen von Mathematikaufgaben, werden in Frage gestellt (vgl. HECKHAUSEN/RHEINBERG 1980: 26).
Dennoch sind externale Bekräftigungen nicht prinzipiell zu verdammen. Die von ihnen ausgehenden Anreizqualitäten müssen Beachtung finden. Verschiedene Studien belegen, dass generell materielle Belohnungen die intrinsische Motivation stärker hemmen als symbolische oder verbale, erwartete Belohnungen mehr korrumpieren als unerwartete und die Betonung einer folgenden Belohnung beeinträchtigender wirkt als das Verschweigen dieser (vgl. RHEINBERG 2004: 56). In der Konsequenz muss die verbale Beurteilung im Schulunterricht verstärkten Einsatz finden, wobei zu beachten ist, dass das Feedback unter einer individuellen Bezugsnorm erfolgt und nicht den sozialen Vergleich betont. Externale Bekräftigungen sollten grundsätzlich nur bei absoluter Notwendigkeit erfolgen. So ist gewährleistet, dass die selbstinduzierte Motivation nicht beeinträchtigt wird.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die problematische Rolle der Leistungsrückmeldung an Schulen und formuliert die zentrale Fragestellung nach dem Einfluss von Noten auf die Schülermotivation.
2. Motivationspsychologie: Dieses Kapitel liefert die theoretischen Grundlagen der Motivationspsychologie, indem es behavioristische und kognitive Konzepte sowie Modelle der Leistungsmotivation detailliert darstellt.
3. Die Bedeutung der Motivation für Lernprozesse: Es wird die Rolle der Lernmotivation untersucht und das Erweiterte Kognitive Motivationsmodell sowie die Selbstbestimmungstheorie zur Erklärung der intrinsischen Lernmotivation herangezogen.
4. Das Prinzip der Leistungsbeurteilung: Das Kapitel analysiert das herkömmliche Notensystem, seine Funktionen und Gütekriterien sowie die Bedeutung verschiedener Bezugsnormen (sachlich, sozial, individuell) für die Leistungsbeurteilung.
5. Auswirkungen der Noten auf die Schülermotivation: Hier erfolgt die Verknüpfung von Benotungspraxis und Motivationsmodellen, wobei insbesondere der Korrumpierungseffekt und der extrinsische Charakter von Noten im Fokus stehen.
6. Alternative Beurteilungsformen: Drei Ansätze – Lehrerkommentar, verbale Beurteilung und Schülerselbstbewertung – werden als Alternativen zur Ziffernnote vorgestellt und diskutiert.
7. Untersuchung des Einflusses von Noten auf die Schülermotivation in Abhängigkeit herkömmlicher und alternativer Beurteilungsformen: Dies ist der empirische Teil der Arbeit, in dem eine eigene Studie durchgeführt wird, um die Auswirkungen der drei verschiedenen Feedbackformen auf die mündliche Beteiligung und Motivation zu vergleichen.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, Leistungsdiagnose stärker als Leistungsbeurteilung in den Vordergrund zu stellen, um die Lernfreude zu erhalten.
Schülermotivation, Leistungsbeurteilung, Zensuren, Ziffernnote, intrinsische Motivation, extrinsische Motivation, Kausalattribution, Bezugsnormorientierung, Korrumpierungseffekt, Lehrerkommentar, Schülerselbstbewertung, Leistungsrückmeldung, Lernmotivation, Erwartungs-Wert-Modell, Selbstbestimmungstheorie.
Die Arbeit analysiert den Einfluss, den herkömmliche Notengebung (Ziffernnoten) auf die Lern- und Leistungsmotivation von Schülern an Gymnasien ausübt, und vergleicht diesen mit alternativen Beurteilungsformen.
Zentrale Felder sind die psychologischen Grundlagen der Motivation (Leistungsmotivation, intrinsische/extrinsische Motivation), die Funktionen von Zensuren sowie der Einfluss von Noten auf die Kausalattribution und das Selbstwertgefühl der Schüler.
Das Ziel ist es, Schwachstellen der herkömmlichen Ziffernnote aufzuzeigen und zu demonstrieren, dass alternative, kommentierende oder selbstbewertende Feedbackformen motivierendere Effekte auf Schüler haben als reine Zahlennoten.
Neben einer umfassenden Literaturanalyse theoretischer Konzepte der Motivationspsychologie führt die Autorin eine eigene empirische Studie an einem Gymnasium durch, bei der 201 Schüler in drei verschiedenen Feedback-Gruppen befragt wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Zensursystem, die Diskussion alternativer Methoden und den empirischen Teil zur Auswertung der Schülerbefragung hinsichtlich Variablen wie Nachvollziehbarkeit und Verbesserungsmotivation.
Schülermotivation, Ziffernnote, Leistungsbeurteilung, Korrumpierungseffekt, Schülerselbstbewertung, Attribution, Lernprozess.
Während die Ziffernnote als einseitiges, externes Sanktionsinstrument fungiert, bindet die Schülerselbstbewertung den Lernenden aktiv in den Diagnoseprozess ein, was zu einer höheren Transparenz und einer internalen Ursachenzuschreibung führt.
Die Autorin folgert, dass Zensuren die intrinsische Motivation korrumpieren können und empfiehlt einen Wechsel hin zu einer pädagogisch-psychologisch orientierten Leistungsdiagnose, die stärker auf individuelle Lernfortschritte fokussiert.
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