Examensarbeit, 2006
70 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1 Ausgangspunkt: Lebensbedingungen und Bildungssituation von Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft
1.1 Individuelle Lebenswelten im Veränderungsprozess
1.1.1 Kinderwelten: zerrissen und isoliert
1.1.2 Kinderräume: eingegrenzt und vorbestimmt
1.1.3 Kinderleben: ausgeliefert und anspruchsvoll
1.2 Defizite in der Bildungswirksamkeit unseres Schulsystems anhand der Ergebnisse aus der IGLU- und PISA-Studie
1.3 Bildungsanforderungen an die Grundschule
1.3.1 Die Grundschule als Komplexität
1.3.2 Die Grundschule als gemeinsame Schule: Individualisierung und soziale Integration
2 Die Ganztagsschule unter dem Anspruch der Heterogenität
2.1 Historische Wurzeln der Ganztagsschule am Beispiel des Jena-Plans
2.2 Versuch einer Begriffsbestimmung
2.3 Ziele und Aufgaben der Ganztagsschule
2.4 Grundlegende Gestaltungsprinzipien
2.4.1 Rhythmisierung des Schulalltags
2.4.2 Öffnung des Unterrichts
2.4.3 Organisation des Schullebens und die Funktionalität der Räume
2.4.4 Die veränderte Personalstruktur: Lehrkräfte, Sozialpädagogen und Erzieher
2.4.5 Schulöffnung und Gemeinwesen
2.5 Erwartungen der Eltern
3 Die Umsetzung von Ganztagsschulen anhand eines Beispiels aus Thüringen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Leistungsfähigkeit der Ganztagsschule als pädagogische Antwort auf die veränderten Lebensbedingungen von Kindern und aktuelle Herausforderungen im Bildungssystem. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie durch ganztägige schulische Konzepte eine bessere Förderung, Chancengleichheit und soziale Integration realisiert werden kann.
1.1.1 Kinderwelten: zerrissen und isoliert
Die Reduktion der Geburtenrate, die in den letzten 25 Jahren etwa 50% beträgt, hängt vorwiegend mit der steigenden Rate der Müttererwerbstätigkeit zusammen. Der Wunsch der Berufstätigkeit einer Frau geht mit Verunsicherung in der Frage der Kinderbetreuung einher. So sind etwa 40% der deutschen Akademikerinnen kinderlos und erreichen damit die weltweit höchste Quote. (Kahl, 2005) Kinder erfahren seltener ein Aufwachsen mit Geschwistern. Sie werden dadurch eher unsozial und egozentrisch, aber auch offener und selbstständiger. Das zeigt, dass diese Aspekte verschiedene Einflüsse nehmen und von beiden Seiten zu betrachten sind. So findet die Feststellung, dass Einzelkinder, im Gegensatz zur fehlenden Sozialkompetenz, eine optimale Förderung durch die Familie erfahren auch Berechtigung. Mangelnde soziale Erfahrungen durch fehlende Geschwister müssen durch gesellschaftliche Einrichtungen kompensiert werden.
Es herrscht eine Variation des Zusammenlebens von Erwachsenen vor: Ehepaar-Familien, Stieffamilien, Eineltern-Familien und Lebensgemeinschaften. Dennoch besteht die Tendenz zur Ein-Kind-Familie. Durch Scheidungen und das Entstehen von neuen Familientypen, nimmt der Umgang der Kinder mit Erwachsenen zu und in den Eineltern-Familien werden sie zu wichtigen Gesprächspartnern des Vaters oder der Mutter. So entstehen automatisch hohe Anforderungen an die Tochter oder den Sohn. Die Kinder- und Erwachsenenwelten vermischen sich. (Kiper/Paul 1999)
1 Ausgangspunkt: Lebensbedingungen und Bildungssituation von Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft: Dieses Kapitel analysiert die soziologischen Veränderungen der Kindheit sowie die kritische Bildungslage im Spiegel internationaler Vergleichsstudien.
2 Die Ganztagsschule unter dem Anspruch der Heterogenität: Hier werden die theoretischen Konzepte, die historischen Wurzeln sowie die zentralen Gestaltungsmerkmale einer pädagogisch wirksamen Ganztagsschule erläutert.
3 Die Umsetzung von Ganztagsschulen anhand eines Beispiels aus Thüringen: Das Kapitel veranschaulicht die praktische Implementierung eines Ganztagsschulmodells am Beispiel der Staatlichen Grundschule Rudolstadt-West.
Ganztagsschule, veränderte Kindheit, Heterogenität, Bildungssituation, IGLU, PISA, Rhythmisierung, Öffnung des Unterrichts, soziale Integration, Chancengleichheit, Schulentwicklung, Kooperation, Grundschule, Pädagogik, Individualisierung.
Die Arbeit befasst sich mit der Anpassung der Schule an gesellschaftliche Wandlungsprozesse und die dadurch veränderte Lebenswelt von Kindern.
Im Fokus stehen die Auswirkungen der gesellschaftlichen Situation auf das Aufwachsen von Kindern, die Analyse von Bildungsdefiziten sowie die Gestaltungsmöglichkeiten der Ganztagsschule.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Ganztagsschulen durch pädagogische Gestaltungsprinzipien den aktuellen Bildungsproblemen begegnen und Bildungsansprüche kindgerecht verwirklichen können.
Die Arbeit nutzt eine fundierte Literaturanalyse, greift auf aktuelle Bildungsstudien (IGLU, PISA) zurück und analysiert ein spezifisches Praxisbeispiel (Fallstudie).
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Kindheitsbedingungen, die theoretische Herleitung der Ganztagsschulkonzepte und die praktische Umsetzung in einem spezifischen Beispiel.
Die wichtigsten Begriffe sind Ganztagsschule, Rhythmisierung, Öffnung des Unterrichts, soziale Integration und Chancengleichheit.
Der Jena-Plan dient als historisches Referenzmodell, da er wichtige Elemente wie die Rhythmisierung und die Erziehung zur Gemeinschaft bereits frühzeitig konzipiert hat.
Sie werden als unverzichtbare Kooperationspartner angesehen, die durch ihre Arbeit in Spiel- und Freizeitbereichen einen entscheidenden Beitrag zur ganzheitlichen Bildung und sozialen Unterstützung leisten.
Die Öffnung ist entscheidend, um den Lebensweltbezug herzustellen, Praxisbezug zu ermöglichen und die Schule als vernetzten Lernort im Gemeinwesen zu etablieren.
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