Examensarbeit, 2006
63 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Was ist Identität?
1.1 Annäherung an das Thema
1.1.1 Die Aktualität der Identitätsfrage
1.1.2 Sein oder Werden?
1.1.3 Psychische Einheit oder Spaltung?
1.1.4 Das Verhältnis zwischen Identität und Alterität
1.1.5 Wesen und Oberfläche der Identität
1.2 Versuch einer Antwort auf die Frage „Was ist Identität?“
1.2.1 Das Keupp’sche Identitätsmodell
1.2.2 Drei weitere Modelle
1.2.3 Synthese
2. Das Konzept der Selbstsozialisation
2.1 Einführung in die Thematik
2.2 Zur Geschichte der Sozialisationstheorien
2.3 Selbstsozialisation
2.3.1 Definitionen
2.3.2 Der konkrete Prozess der Selbstsozialisation
2.4 Musikalische Selbstsozialisation
2.4.1 Zur Bedeutung der Musik für Jugendliche
2.4.2 Von der allgemeinen zur musikalischen Selbstsozialisation und deren Bedeutung für die Gesellschaft
2.4.3 Kulturelle Kompetenzen
2.4.4 Zum Umgang Jugendlicher mit Musik
2.5 Erweiterung des Müller’schen 3-Wege-Systems
3. Musikpädagogische Relevanz
3.1 Musikalische Gebrauchspraxis
3.2 Über die Unverzichtbarkeit musikalischer Gebrauchspraxen Jugendlicher für Musikunterricht
3.2.1 Musikunterricht als Förderer jugendlicher Persönlichkeitsentfaltung
3.2.2 Identitätskonstruktion, Kommunikation und die soziale Seite der Popmusik
3.2.3 „Verstehen durch Erleben“
3.2.4 Weitere Lehrmeinungen
3.3 Synthese
Die Arbeit untersucht den Umgang Jugendlicher mit Musik vor dem Hintergrund des Konzepts der Selbstsozialisation und prüft dessen musikpädagogische Relevanz. Es wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Anerkennung dieser musikalischen Gebrauchspraxen als kreative Eigenleistung einen modernen, mündigkeitsorientierten Musikunterricht bereichern kann.
1.1 Annäherung an das Thema
Die Annäherung an das Thema Identität kann auf völlig unterschiedliche Weise erfolgen, wie folgende Zitate belegen:
„Ich gebe meiner Seele bald dieses, bald jenes Gesicht, je nach welcher Seite ich sie wende. Wenn ich unterschiedlich von mir spreche, dann deswegen, weil ich mich als unterschiedlich betrachte. Alle Widersprüche finden sich bei mir in irgendeiner den Umständen folgenden Form. […] Vor allem sehe ich etwas in mir, je nachdem wie ich mich drehe; und wer immer sich aufmerksam prüft, entdeckt in seinem Inneren dieselbe Wandelbarkeit und Widersprüchlichkeit, ja in seinem Urteile darüber. Es gibt nichts Zutreffendes, Eindeutiges und Stichhaltiges, das ich über mich sagen, gar ohne Wenn und Aber in einem einzigen Wort ausdrücken könnte. […] Wir bestehen alle nur aus buntscheckigen Fetzen, die so locker und lose aneinanderhängen, daß jeder von ihnen jeden Augenblick flattert, wie er will; daher gibt es ebenso viele Unterschiede zwischen uns und uns selbst wie zwischen uns und den anderen.“
Hier beschreibt Michel de Montaigne Identität äußerst bildhaft und lässt sie in einem instabilen, wandelbaren und widersprüchlichen Licht erscheinen. Aussagen über die Identität bzw. die „Seele“ sind für ihn unzutreffend, uneindeutig und nicht stichhaltig. An die Patchwork-Theorie (vgl. Kap. 1.2.2) erinnernd spricht er von „buntscheckigen Fetzen“.
1. Was ist Identität?: Dieses Kapitel beleuchtet das komplexe Spannungsfeld der Identitätsbildung in der Moderne, diskutiert verschiedene theoretische Modelle und mündet in einer Synthese, die Identität als ständiges Ausbalancieren zwischen Einzigartigkeit und Normalität definiert.
2. Das Konzept der Selbstsozialisation: Hier wird das Konzept der Selbstsozialisation als aktiver, produktiver Prozess der Identitätsfindung durch Jugendliche dargestellt, wobei die Rolle der Musik als zentrales Mittel zur Lebensgestaltung und für den Aufbau kultureller Kompetenzen besonders hervorgehoben wird.
3. Musikpädagogische Relevanz: Das abschließende Kapitel überträgt die theoretischen Erkenntnisse auf den schulischen Musikunterricht, indem es die Notwendigkeit begründet, die musikalischen Gebrauchspraxen der Schüler als Ausgangspunkt für einen lebensweltorientierten und mündigkeitsfördernden Unterricht ernst zu nehmen.
Selbstsozialisation, Identitätskonstruktion, Jugendkulturen, Musikalische Gebrauchspraxis, Popmusik, Mediensozialisation, Musikunterricht, Integration, Distinktion, Persönlichkeitsentfaltung, Identitätsfindung, Peer-Groups, Musikpsychologie, Ästhetische Praxis, Jugendliche
Die Arbeit untersucht, wie Jugendliche mittels Musik ihre Identität aktiv gestalten und welche Rolle dabei der Prozess der Selbstsozialisation spielt.
Im Fokus stehen die Identitätsforschung, das Konzept der Selbstsozialisation, musikalische Gebrauchspraxen von Jugendlichen und deren Bedeutung für die pädagogische Arbeit.
Das Ziel ist es zu klären, warum eine Anerkennung der musikalischen Praxis von Jugendlichen für einen modernen Musikunterricht unverzichtbar ist, um Bildungsprozesse an der Lebenswelt der Schüler auszurichten.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Theorieanalyse soziologischer und musikpädagogischer Ansätze, insbesondere dem Konzept der Selbstsozialisation von Renate Müller.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Identitätsdiskussion, eine detaillierte Erläuterung der Selbstsozialisation durch Musik sowie eine Untersuchung der fachdidaktischen Relevanz für den schulischen Kontext.
Die zentralen Begriffe umfassen Selbstsozialisation, Identitätskonstruktion, musikalische Gebrauchspraxen, Popmusik und eine schülerorientierte Musikpädagogik.
Er beschreibt den aktiven Prozess, in dem Jugendliche sich in selbst gewählten soziokulturellen Kontexten eigene Kompetenzen und Identitäten aneignen, anstatt nur passives Objekt gesellschaftlicher Einflüsse zu sein.
Sie ist deshalb wichtig, weil Popmusik die Lebenswelt der Schüler maßgeblich prägt und als Medium dient, mit dem diese ihre Identität, ihre soziale Stellung und ihre Kommunikationsfähigkeit entwickeln.
Dieses Modell versteht Identität als eine prozesshafte, unabschließbare Aufgabe, bei der das Individuum ständig zwischen verschiedenen Anforderungen und Rollen balancieren muss, vergleichbar mit einem Umbau eines Schiffes auf hoher See.
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