Bachelorarbeit, 2006
19 Seiten, Note: 1,0
1. EINLEITUNG UND BEGRIFFSBESTIMMUNG
2. ANALYSE
2.1 Aufmerksamkeit in der Kognitionspsychologie
2.1.1 Das Filtermodell
2.1.2 Das Kapazitätsmodell
2.2 Stellenwert der kognitiven Aufmerksamkeitsforschung für die Rhetorik, Anschlussstellen
2.3 Aufmerksamkeit als Präsenz des Orators im Adressatenbewusstsein
2.3.1 Aufmerksamkeit I: Aufmerksamkeitsheuristik?
2.3.2 Aufmerksamkeit II: Logosinduzierte Aufmerksamkeit, Relevanztheorie, tua res agitur bei Sperber/Wilson
3. ZUSAMMENFASSUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von kognitiver Aufmerksamkeitsforschung und Rhetoriktheorie, um daraus Strategien für den Orator zur effizienten Steuerung der Aufmerksamkeit des Adressaten abzuleiten. Die zentrale Forschungsfrage beschäftigt sich damit, wie Erkenntnisse über selektive kognitive Prozesse und Relevanztheorien genutzt werden können, um eine erfolgreiche Persuasion in unterschiedlichen Kommunikationssettings zu gewährleisten.
2.3.1 Aufmerksamkeit I: Aufmerksamkeitsheuristik?
Gehen wir davon aus, dass eine Rückbindung von Aufmerksamkeit über Zeichensysteme hinweg möglich ist – dass also eine Verbindung besteht zwischen der Erlangung von Aufmerksamkeit I und Aufmerksamkeit II – so öffnet sich uns das Feld der paralinguistischen Phänomene, in der antik-rhetorischer Terminologie dasjenige der Überzeugungsmittel pathos und ethos. Beschränken wir uns auf die Aufmerksamkeitsstiftenden Aspekte dieser Überzeugungsmittel. Gestische und mimische Oratordaten, gar seine Kleidung und Frisur, auch die physikalischen Eigenschaften der Stimme (Tonhöhe, Melodie) können beim Adressaten in verschiedenem Maß zur Erregung von Aufmerksamkeit I eingesetzt werden. Denn einerseits müssen sich „strukturell [...] der sprachliche Text und die Präsenz gegenseitig stützen, d.h. der Text darf nicht nur rationalistisch argumentieren, sondern hat auch die Selbstdarstellung des Organons zu flankieren [...]“.
Entscheidendes Gewicht bei der situativen Präsenzherstellung fällt aber der oratorischen Performanz zu. Das Setting, das der antiken Rhetoriktheorie als Modell zugrundeliegt, bezeichnen wir als primärmediales Setting. Es ist gekennzeichnet durch die korporale Anwesenheit sowohl des Orators als auch der/des Adressaten. Der Orator ist körperlich, gestisch und stimmlich präsent, es ist ihm stets möglich, sein Instrumentarium zur aktiven Lenkung des Persuasionsaktes anzupassen, „in kritischen Phasen [...] ständig selbst [zu] korrigieren und eine Krise gegebenenfalls auch dialogisch [aufzufangen]“.
1. EINLEITUNG UND BEGRIFFSBESTIMMUNG: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und definiert mittels des „Aufmerksamkeitsbaumes“ von Assmann/Assmann eine für die Rhetorik nutzbare Unterscheidung zwischen zwei Aufmerksamkeitsqualitäten.
2. ANALYSE: Hier werden kognitionspsychologische Modelle diskutiert und auf ihre Relevanz für die Rhetorik hin untersucht, wobei insbesondere die Strategien zur bewussten Steuerung der Aufmerksamkeit des Adressaten im Zentrum stehen.
3. ZUSAMMENFASSUNG: Das abschließende Kapitel resümiert die theoretischen Erkenntnisse und ordnet die Ergebnisse in den Kontext des oratorischen Adressatenkalküls ein.
Aufmerksamkeit, Rhetorik, Kognitionspsychologie, Persuasion, Relevanztheorie, Orator, Adressatenkalkül, Filtermodell, Kapazitätsmodell, Kommunikation, Aufmerksamkeit I, Aufmerksamkeit II, Perzeption, Apperzeption, Sprechakttheorie
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Rückschlüssen, die sich aus der kognitiven Aufmerksamkeitsforschung für die allgemeine Rhetorik ziehen lassen.
Die Themenfelder umfassen die kognitionspsychologischen Grundlagen der Aufmerksamkeit, die rhetorische Inszenierung von Präsenz und die Anwendung der Relevanztheorie auf persuasive Kommunikationsprozesse.
Das Ziel ist es, Strategien für den Orator zu entwickeln, um durch ein besseres Verständnis der Aufmerksamkeitsprozesse beim Adressaten den Persuasionserfolg zu sichern.
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, die kognitionspsychologische Modelle mit konstruktivistischen Theoremen und antik-rhetorischen Konzepten verknüpft.
Der Hauptteil analysiert Filter- und Kapazitätsmodelle der Psychologie, kontrastiert diese mit oratorischen Anforderungen und erarbeitet einen kognitiv fundierten Zugang zur Aufmerksamkeit des Adressaten.
Die zentralen Schlagworte sind Aufmerksamkeit, Rhetorik, Persuasion, Kognitionspsychologie und Relevanztheorie.
Aufmerksamkeit I beschreibt einen eher automatischen, reizgesteuerten Selektionsmechanismus, während Aufmerksamkeit II eine willentliche, kognitiv steuerbare Zuwendung zum Inhalt darstellt.
Es dient als Gegenargument zu einfachen Filtermodellen, da es belegt, dass auch außerhalb des Fokus liegende Informationen semantisch verarbeitet werden können.
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