Examensarbeit, 2007
92 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Der Kindergarten als Ort des Lernens und Förderns
2. Förderung von Lernvoraussetzungen im Kindergarten
2.1 Körperliche Lernvoraussetzungen
2.2 Sozial-emotionale Lernvoraussetzungen
2.3 Kognitive Lernvoraussetzungen
3. Phonologische Bewusstheit
3.1 Phonologische Bewusstheit als Teil des Literacy-Konzepts
3.2 Phonologische Informationsverarbeitung
3.2.1 Phonetische Rekodierung im Arbeitsgedächtnis
3.2.2 Phonologische Rekodierung aus dem inneren Wortlexikon
3.2.3 Phonologische Bewusstheit
3.3 Bedeutsamkeit der phonologischen Bewusstheit und ihrer Förderung für den Schriftspracherwerb
3.3.1 Trainierbarkeit der phonologischen Bewusstheit
3.3.1.1 Skandinavische Längsschnittstudie von Lundberg et al.
3.3.1.2 Würzburger Längsschnittstudien von Schneider et al.
3.4 Förderung der phonologischen Bewusstheit in Kindergarten und Schule
4. Das Würzburger Trainingsprogramm „Hören, lauschen, lernen“ zur Förderung der phonologischen Bewusstheit im Kindergarten
4.1 Prinzipien des Würzburger Trainingsprogramms
4.2 Wirksamkeit des Trainingsprogramms
4.3 Praktische Umsetzung des Trainingsprogramms
4.4 Aufgaben zur Förderung phonologischer Bewusstheit
4.4.1 Lauschspiele
4.4.2 Aufgaben zu Reimen
4.4.3 Aufgaben zu Sätzen und Wörtern
4.4.4 Aufgaben zu Silben
4.4.5 Aufgaben zu Anlauten
4.4.6 Aufgaben zu Phonemen
5. Umsetzung des Würzburger Trainingsprogramms „Hören, lauschen, lernen“ im Kindergarten Cremlingen
5.1 Allgemeine Informationen zur Umsetzung
5.2 „Hören, lauschen, lernen 2“
5.3 Beobachtungen zur Übereinstimmung des Programms in Theorie und Praxis
5.3.1 Kontinuität und Dauer des Trainings
5.3.2 Teilnehmende Kinder
5.3.3 Spiel- oder Arbeitsatmosphäre
5.3.4 Individuelle Förderung
5.3.5 Aussprache der Phoneme
5.3.6 Einhaltung des Trainingsplans und des Aufgabenkonzepts
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der phonologischen Bewusstheit als entscheidende kognitive Lernvoraussetzung für den Schriftspracherwerb im Elementarbereich. Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen vorschulischer Sprachförderung und späterem schulischen Erfolg zu klären sowie die praktische Umsetzbarkeit und Wirksamkeit des Würzburger Trainingsprogramms „Hören, lauschen, lernen“ in einer Kindertageseinrichtung zu evaluieren.
3.2.3 Phonologische Bewusstheit
Bereits 1937 beschäftigte sich der deutsche Sprachdidaktiker Bernhard Bosch (1904 – 2004) in seiner Dissertation „Grundlagen des Erstleseunterrichts“ mit dem Konstrukt der phonologischen Bewusstheit.76 Seiner Meinung nach ist die „allgemeinste Voraussetzung zum Lesenlernen [eine] gewisse Abständigkeit von der Sprache“.77 Darunter verstand er, dass das Kind die Fähigkeit besitzt, Sprache und Schrift als Gegenstand zu betrachten, was für ihn eine wesentliche Voraussetzung zum Erlernen der Schriftsprache darstellte.
Dies bedeutet wiederum, dass das Kind die Fähigkeit besitzt, sich vom Inhalt der Sprache zu lösen, um nicht nur eine Bedeutung in dem Gesagten, sondern auch eine formale Struktur zu erkennen. Bosch untersuchte diese Fähigkeit bei Vorschul- und Grundschulkindern, indem er ihnen Wortpaare zur Unterscheidung gab. Auf die Frage, welches Wort länger sei, „Kuh“ oder „Piepvögelchen“, antworteten manche Kinder mit „Kuh“. Die Erklärung der Befragten zu dieser Antwort war, dass die „Kuh“ viel größer sei als das „Piepvögelchen“.78 An diesem Beispiel kann man das Problem der Unterscheidung zwischen semantischen und phonologischen Strukturen der Sprache sehr deutlich erkennen. Die Kinder haben scheinbar keinen Bezug zu der formalen Ebene, sondern orientieren sich lediglich am Inhalt der Sprache, die offensichtlich in ihrem bisherigen Leben die eindeutig größere Rolle gespielt hatte.
Ein weiteres Beispiel für die Differenzierung zwischen semantischer und phonologischer Ebene kann an dem Wort „Hase“ gezeigt werden. Inhaltlich würde einem zu diesem Wort eventuell „Mein Hase heißt Max“ oder „Ein Hase frisst gerne Salat“ einfallen. Betrachtet man aber den formalen Aspekt des Wortes, fallen einem Dinge auf, wie „,Hase’ reimt sich auf ‚Vase’“, „,Hase fängt mit [h] an“, „,Hase’ hat zwei Silben“, „,Hase’ kann in vier Laute zerlegt werden“ oder „Beim Verbinden der Laute [h], [a:], [z] und [ə] entsteht das Wort ‚Hase’“. Im zweiten Fall also wurde das Wissen um die Struktur der Lautsprache angewendet.79
Einleitung: Die Einleitung thematisiert die gesellschaftliche Relevanz von Lese- und Schreibkompetenzen und begründet die Notwendigkeit der Förderung der phonologischen Bewusstheit als prognosekräftige Lernvoraussetzung für den Schulerfolg.
1. Der Kindergarten als Ort des Lernens und Förderns: Dieses Kapitel erläutert den gesetzlichen Bildungsauftrag des Kindergartens und die Rolle der Einrichtung bei der Förderung basaler Lernvoraussetzungen für den Übergang in die Grundschule.
2. Förderung von Lernvoraussetzungen im Kindergarten: Hier werden die drei Kernbereiche – körperliche, sozial-emotionale und kognitive Lernvoraussetzungen – differenziert betrachtet und ihre gegenseitige Abhängigkeit dargelegt.
3. Phonologische Bewusstheit: Das Kapitel führt in das Literacy-Konzept ein, erläutert die phonologische Informationsverarbeitung und diskutiert ausführlich den Zusammenhang der phonologischen Bewusstheit mit dem Schriftspracherwerb sowie deren Trainierbarkeit.
4. Das Würzburger Trainingsprogramm „Hören, lauschen, lernen“ zur Förderung der phonologischen Bewusstheit im Kindergarten: Hier werden die theoretischen Prinzipien, die didaktische Struktur und die spezifischen Übungsbereiche des Würzburger Programms detailliert vorgestellt.
5. Umsetzung des Würzburger Trainingsprogramms „Hören, lauschen, lernen“ im Kindergarten Cremlingen: Die Autorin dokumentiert ihre praktischen Hospitationserfahrungen, analysiert die praktische Umsetzung vor Ort und vergleicht diese mit den konzeptionellen Anforderungen.
Phonologische Bewusstheit, Schriftspracherwerb, Elementarbereich, Schulfähigkeit, Würzburger Trainingsprogramm, Literacy, Sprachförderung, Phoneme, Silben, Anlaute, Prävention, Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten, Sprachanalyse, Lautsynthese, Vorschulerziehung.
Die Hausarbeit untersucht, wie durch gezielte vorschulische Förderung im Kindergarten, insbesondere durch das Würzburger Trainingsprogramm, die phonologische Bewusstheit bei Vorschulkindern gestärkt werden kann, um den späteren Schriftspracherwerb zu erleichtern.
Die Arbeit behandelt die Lernvoraussetzungen für die Schulfähigkeit, die theoretische Verortung der phonologischen Bewusstheit innerhalb der Sprachwissenschaft sowie die methodische und praktische Umsetzung von Förderprogrammen.
Das Hauptziel ist es zu ergründen, ob und wie phonologische Bewusstheit im Elementarbereich gefördert werden kann, um Kindern den Einstieg in den Schriftspracherwerb zu ebnen und möglichen Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten vorzubeugen.
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse zur Fundierung des Themas sowie einen empirischen, qualitativen Ansatz in Form einer Hospitation im Kindergarten Cremlingen zur Untersuchung der praktischen Programmanwendung.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der phonologischen Bewusstheit, die Vorstellung des Würzburger Trainingsprogramms und die detaillierte Auswertung der Beobachtungen aus der pädagogischen Praxis.
Zu den zentralen Begriffen zählen Phonologische Bewusstheit, Schriftspracherwerb, Schulfähigkeit, Prävention und das Würzburger Trainingsprogramm.
Im weiteren Sinne geht es um den Umgang mit Silben und Reimen, was oft unbewusst im Spiel erfolgt, während der engere Sinn die explizite, abstrakt-analytische Arbeit mit Phonemen bezeichnet, die höhere Anforderungen stellt.
Obwohl das Programm feste Prinzipien und eine Aufgabenhierarchie vorgibt, zeigt die Hospitation, dass pädagogische Fachkräfte den Verlauf an den individuellen Lernstand und die Bedürfnisse ihrer Gruppe anpassen müssen, um Motivation und Lernerfolg zu sichern.
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