Examensarbeit, 2007
89 Seiten, Note: 2,0
I. Einleitung
II. Theoretische Grundlagen
1.0 Begründungen für gemeinsames Lernen
1.1 Wissenschaftliche Erkenntnisse
1.2 Schulversuche
1.3 Ethisch-normative Begründungen
1.4 Gesetzliche Verankerung
2.0 Aktuell expandierende integrative Schulformen in Bayern
2.1 Übersicht
2.1 Aussenklasse
2.2 Öffnung der Förderschulen
2.3 Einzelintegration
3.0 Kooperationsklassen
3.1 Begriffsbestimmung
3.2. Rechtliche Grundlagen
3.3 Pädagogische Zielsetzung
3.4. Kooperationspartner
3.4.1 Lehrpersonal
3.4.2 Unterstützung durch die Mobilen Sonderpädagogischen Dienste (MSD)
3.5 Organisatorische Rahmenbedingungen
3.6 Normative Voraussetzungen
3.7 Anforderungen an den Unterricht in Kooperationsklassen
3.8 Kriterien zur Auswahl der Kooperationsschüler
3.9 Leistungsfeststellung und –bewertung
3.10. Strukturelle Aspekte
3.10.1 Genehmigung und Einrichtung
3.10.2 Bestimmung der Lerngruppe
III. Praxis
4.0 Darstellung und Analyse der Ergebnisse zur Lehrerbefragung
4.1 Vorbemerkung
4.2. Lehrer, Schüler, Eltern
4.2.1 Beweggründe zur Übernahme einer Kooperationsklasse
4.2.2 Klassengröße
4.2.3 Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf
4.2.4 Soziale Integration
4.2.5 Unterstützung der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf durch deren Eltern
4.2.6 Einstellung der Schülereltern ohne sonderpädagogischem
4.3 Organisation
4.3.1 Zeitpunkt des Schulwechsels
4.3.2 Auswahlkriterien für eine Kooperationsklasse
4.3.3 Unterstützung der Lehrer
4.3.4 Förderung durch die MSD
4.4 Lehrplan
4.4.1 Didaktik und Methodik
4.4.2 Zeitliche Aufwendungen
4.5 Leistungserhebung
4.5.1 Curriculare Anschlussfähigkeit
4.5.2 Leistungsüberprüfung
4.6 Bewertung der Integrationsform
4.6.1 Vorzüge des Modells
4.6.2 Persönliche Belastungen
4.6.3 Verbesserungsmöglichkeiten
IV. Perspektive
5.0 Reflexion und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Reichweite und Wirksamkeit von Kooperationsklassen in Bayern. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, inwieweit die tägliche pädagogische Praxis in diesen Klassen den theoretischen Ansprüchen an inklusive Beschulung gerecht wird, und identifiziert Möglichkeiten zur Optimierung des Modells.
1.1 Wissenschaftliche Erkenntnisse
Ein wesentliches Argument für den gemeinsamen Unterricht von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf und Schülern ohne sonderpädagogischen Förderbedarf basiert auf der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass sich dadurch für alle Schüler zahlreiche Vorzüge ergeben. Dabei wird dem integrativen Unterricht vor allem eine entwicklungsfördernde Bedeutung zugeschrieben.
Bei der Ausbildung kognitiver und sozialer Fähigkeiten sind für das Kind zunächst seine Bezugspersonen von Bedeutung. Findet es in dieser Umgebung nicht genügend Unterstützung und zeigt sich seine Umwelt als anregungsarm, so ist mit Lern- und Entwicklungsbeeinträchtigungen zu rechnen. Damit „läuft es Gefahr, in der Entwicklung zu retardieren und grundlegende Fähigkeiten wie etwa Rollenübernahme, Ambiguitätstoleranz und Identitätsdarstellung nur unvollständig im Laufe des Lebens zu erwerben. Dies führt zu Behinderungen und Problemen im Lernen und Verhalten“ (Benkmann 1997, S. 337). Insbesondere für solche Kinder ist es wichtig in anderen Umwelten, wie Kindergarten und Schule, die Möglichkeit zu erhalten, ihre kognitiven und sozialen Fähigkeiten auszubauen (vgl. a.a.O., S. 340f). Hierbei konnte eine besondere entwicklungsfördernde Komponente durch Gleichaltrige anhand des Modelllernens nachgewiesen werden: „Anreize in der Welt der gleichaltriger Schulkinder bestehen darin, daß am Modell der anderen gelernt wird“ (a.a.O., S. 337). Sicherlich bietet sich die Gelegenheit dazu auch im Schulleben der Förderschule, der integrative Unterricht jedoch verschafft noch weitreichende Möglichkeiten.
So stellt Benkmann die Frage: „Bieten sich im gemeinsamen Unterricht nicht mehr Chancen, den Einfluß weiterentwickelter Schüler für die kognitive und sozial-moralische Entwicklung behinderter Kinder zu nutzen und Hilfe und Solidarität der „Stärkeren“ gegenüber „Schwächeren“ zu praktizieren und dabei zu lernen?“ (1998, S. 168f). Die Begründungen für eine gemeinsame Schule gehen allerdings noch über das Modelllernen hinaus. So macht Piaget darauf aufmerksam, dass sich durch den Umgang mit Gleichaltrigen, ebenbürtige Partner entwickeln, die gemeinsame Regeln aushandeln und immer mehr in der Lage sind, selbstbestimmt zu Handeln (vgl. Piaget zit. nach Krämer-Kilic 2000, S. 271).
I. Einleitung: Definition des Gegenstands, Zielsetzung und Erläuterung der Relevanz des Integrationsmodells im bayerischen Schulwesen.
II. Theoretische Grundlagen: Detaillierte Auseinandersetzung mit den pädagogischen Begründungen, rechtlichen Voraussetzungen, Zielen und den verschiedenen Formen der schulischen Kooperation in Bayern.
III. Praxis: Empirische Untersuchung durch eine Lehrerbefragung, die Themen wie Organisation, Unterrichtsgestaltung, Belastung, Elternarbeit und Optimierungsmöglichkeiten analysiert.
IV. Perspektive: Synthese der Ergebnisse, Reflexion der Integrationsqualität und Ableitung konkreter Verbesserungsvorschläge für das Modell der Kooperationsklasse.
V. Anhang: Quellenverzeichnis.
Kooperationsklassen, Integration, sonderpädagogischer Förderbedarf, Inklusion, Mobile Sonderpädagogische Dienste, MSD, Lehrerbefragung, Unterrichtsgestaltung, Nachteilsausgleich, Schulentwicklung, Schulrecht, Bayern, Schulpraxis, Individualisierung, Lehrplan.
Die Hausarbeit untersucht die Implementierung und Wirksamkeit von Kooperationsklassen in Bayern als Modell der schulischen Integration für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf.
Die Arbeit behandelt die theoretischen Begründungen für gemeinsames Lernen, die rechtlichen Grundlagen in Bayern, die Rolle der beteiligten Akteure (Lehrer, Eltern, MSD) sowie die organisatorischen und didaktischen Anforderungen.
Das Ziel ist es, mittels einer empirischen Lehrerbefragung herauszuarbeiten, inwieweit die alltägliche Praxis den theoretischen Ansprüchen entspricht und welche Optimierungsmöglichkeiten bestehen.
Es wurde eine quantitative Lehrerbefragung im Juni 2007 an 68 oberbayerischen Schulen durchgeführt, deren Ergebnisse anhand von Schaubildern dargestellt und qualitativ analysiert werden.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen und die Analyse der Praxis, wobei insbesondere die Zusammenarbeit, die Belastung der Lehrkräfte und die Qualität der Förderung untersucht werden.
Die Arbeit lässt sich durch die Begriffe Kooperationsklassen, Inklusion, sonderpädagogischer Förderbedarf, Lehrerbefragung und Schulentwicklung kennzeichnen.
Eine Mehrheit der Lehrer (55%) empfindet die Unterstützung durch die Mobilen Sonderpädagogischen Dienste als zu gering, wobei insbesondere Zeitmangel als Hauptgrund für die eingeschränkte Effektivität genannt wird.
Die Freiwilligkeit der Lehrkräfte wird als essenzielle Bedingung für das Gelingen der Integration hervorgehoben, da ohne eine intrinsische Motivation der pädagogische Mehraufwand langfristig zu Überlastung führt.
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