Examensarbeit, 2007
88 Seiten, Note: 1.5
1. Einleitung
2. Was sind Essstörungen? Erscheinungsformen, Symptomatik und mögliche Folgeschäden
2.1. Anorexia nervosa/ Magersucht
2.2. Bulimia nervosa/ Bulimie
2.3. Binge Eating Disorder/ Ess-Sucht
2.4. Orthorexia nervosa
3. Warum treten Essstörungen auf? Hintergründe und Erklärungsansätze
3.1. Psychologische Faktoren
3.2. Familiäre Faktoren
3.3. Gesellschaftlicher Hintergrund
3.3.1. Der Traum vom gesunden Körper
3.3.2. Das Schönheitsdiktat der Medienwelt
3.3.3. Wandel der Esskultur
3.3.4. „Fit statt fett“ - Bundesregierung greift in die Ernährungsdebatte ein
3.4. Lebensphase Adoleszenz: Der schwierige Schritt ins Erwachsenenleben
3.4.1. Körperliche Veränderungen
3.4.2.Geschlechtsidentität: männliche und weibliche Rollen-
3.4.3. Autonomie und Ablösung vom Elternhaus
3.4.4. Einfluss der Peergroup
3.5. Lebensgeschichtliche (traumatische) Faktoren
4. Zwischenbilanz: Welche Konsequenzen ergeben sich für die Arbeit im schulischen Bereich?
5. Essstörungen im schulischen Kontext - Theoretischer Teil-
5.1. Bildungsauftrag der Schule
5.2. Präventive Maßnahmen
5.2.1. Primärprävention
5.2.1.1 Essstörungen als Unterrichtsgegenstand
5.2.1.2. Themenspezifische Projekttage, Workshops und AGs
5.2.1.2.1 Workshop des Mädchenhaus Heidelberg e.V.
5.2.1.2.2 Mädchen-AG „Ich bin so froh, dass ich ein Mädchen bin…“
5.2.1.2.3 Medienkritisches Fotoprojekt „Was heißt hier schön?“
5.2.2. Sekundärprävention
5.2 2.1. Wie erkennt man als Lehrer Essstörungen?
5.2.2.2. Das erste Gespräch
5.2.2.3. Weiterführende Schritte auf dem Weg zur Therapie
6. Zum empirischen Teil
6.1. Untersuchungsmethode
6.2. Auswahl der Probanden und Durchführung der Interviews
6.3. Fragestellung und Zielsetzung
6.4. Auswertung der Interviews
6.4.1 Lehrerin
6.4.2 Schulpsychologe
6.4.3. Ehemalige Betroffene
6.5. Fazit der Interviewauswertung
7. Schlussbetrachtung und Ausblick
Die Arbeit analysiert die Entstehungsbedingungen von Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen in einer leistungsorientierten Gesellschaft und leitet daraus pädagogische Interventions- und Präventionsmöglichkeiten für den Schulalltag ab, mit einem besonderen Fokus auf die kritische Auseinandersetzung mit Schönheitsidealen.
3.3.1. Der Traum vom gesunden Körper
Der Durchschnittsbürger von heute ist mehr denn je bestrebt, sich und seiner Gesundheit etwas Gutes zu tun. Angesichts der massiven Ausbreitung von Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen, Diabetes etc., oftmals zurückgeführt auf Übergewicht, finden Richtlinien und Empfehlungen in Sachen Gesundheit bereitwillig ein offenes Ohr.
Gemäß den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sollte sich die tägliche Nahrungszufuhr aus 60% Kohlenhydraten, 10-15% Eiweiß und maximal 30% Fett zusammensetzen (vgl. Martin Maria Schwarz In: Thimm/Wellmann 2004, S. 18). Es wird empfohlen, dass „bei einer vollwertigen Ernährung pflanzliche Lebensmittel, wie Getreideprodukte, vorzugsweise aus Vollkorn, Gemüse und Obst im Mittelpunkt der Ernährung stehen“ („Eine runde Sache: Der neue DGE-Ernährungskreis“, Dezember 2003).
So wie Empfehlungen gibt es auch zahlreiche Produkte auf dem Markt, die mit dem Stichwort Gesundheit werben. „Beim Gang entlang eines Kühlregals in einem beliebigen Supermarkt empfängt den Verbraucher heute ein allein schon durch die Produktnamen ausgelöstes Gesundheitsfeuerwerk: Drink fit, Vitality Fruchtdrink, Fitnessquark, Fastenfruchtjoghurt heißen die Milchprodukte, die kaum zu umgehen sind“ (Martin Maria Schwarz In: Thimm/Wellmann 2004, S. 15).
Dass der Verbraucher mit dem Stichwort „Gesundheit“ durchaus gelockt werden kann, haben Nahrungsmittelhersteller längst erkannt. Zusätzlich zu viel versprechenden Produktbezeichnungen geht der neueste Trend deshalb dahin, Nahrungsmittel mit besonders aktuellen Nährstoffen aufzupeppen. „Bonbons und Fruchtsäfte werden mit Vitaminen oder Mineralstoffen angereichert. (...) Milch und Käse werden abgesahnt, schlichter Joghurt mit Müsliflocken zum Fitneßsnack „gepowert“. Kuchen aus Weißmehl, dessen Ballaststoffe bei der Herstellung entzogen wurden, wird nun mit Weizenkleie, Zellulose oder Faserstoffen aus Sojabohnen zum „Vollwertkuchen“ umfrisiert“ (Furtmayr-Schuh 1993, S. 107).
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die aktuelle gesellschaftliche Debatte über Übergewicht und das Schlankheitsideal sowie deren Auswirkungen auf junge Menschen, womit die Relevanz der pädagogischen Auseinandersetzung mit dem Thema Essstörungen begründet wird.
2. Was sind Essstörungen? Erscheinungsformen, Symptomatik und mögliche Folgeschäden: In diesem Kapitel werden die klinischen Krankheitsbilder Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Binge Eating Disorder und Orthorexia nervosa definiert und deren charakteristische Merkmale erläutert.
3. Warum treten Essstörungen auf? Hintergründe und Erklärungsansätze: Hier werden multifaktorielle Entstehungsbedingungen analysiert, darunter psychologische und familiäre Faktoren, gesellschaftliche Einflüsse wie Medien und Schönheitsideale sowie die besondere Bedeutung der Entwicklungsphase Adoleszenz.
4. Zwischenbilanz: Welche Konsequenzen ergeben sich für die Arbeit im schulischen Bereich?: Dieses Kapitel reflektiert die theoretischen Erkenntnisse und leitet die Notwendigkeit für die Institution Schule ab, unterstützende Erfahrungsräume zur Persönlichkeitsentwicklung zu schaffen.
5. Essstörungen im schulischen Kontext - Theoretischer Teil-: Der theoretische Teil untersucht den Bildungsauftrag der Schule und stellt konkrete präventive Methoden für den Unterricht sowie Möglichkeiten der Sekundärintervention bei Lehrkräften vor.
6. Zum empirischen Teil: Dieser Abschnitt beschreibt die Durchführung qualitativer Experteninterviews mit einer Lehrerin, einem Schulpsychologen und einer ehemaligen Betroffenen, um die Wahrnehmung und Handhabung des Themas in der Schulpraxis zu untersuchen.
7. Schlussbetrachtung und Ausblick: Hier werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengeführt und ein Plädoyer für eine frühzeitige Aufklärung sowie eine stärkere Sensibilisierung im schulischen Alltag gehalten.
Essstörungen, Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Adoleszenz, Prävention, Schule, Medienwirkung, Schönheitsideal, Körperbild, Persönlichkeitsentwicklung, Suchtprävention, Lehrerrolle, Selbstwertgefühl, Intervention, Binge Eating Disorder
Die Arbeit analysiert das Phänomen der Essstörungen bei Heranwachsenden und untersucht die komplexen Ursachen sowie die Möglichkeiten für Schulen, präventiv und interventiv tätig zu werden.
Zentrale Themen sind die verschiedenen Erscheinungsformen von Essstörungen, der Einfluss gesellschaftlicher Normen und Medien auf das Körperbild sowie pädagogische Konzepte zur Stärkung der Persönlichkeit junger Menschen.
Das Hauptziel ist es, Lehrkräfte für die Thematik zu sensibilisieren und konkrete Wege aufzuzeigen, wie Schule als Lebensraum zur Vorbeugung von Essstörungen beitragen kann.
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte theoretische Literaturanalyse sowie einen empirischen Teil, in dem qualitative Experteninterviews mit einer Lehrerin, einem Schulpsychologen und einer ehemaligen Betroffenen ausgewertet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit Risikofaktoren und theoretischen Interventionsmodellen, gefolgt von der praktischen Anwendung in Form von Präventionsmaßnahmen im Schulalltag.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Essstörungen, Adoleszenz, Prävention, Schulkontext, Medienkritik und Selbstwertgefühl geprägt.
Laut der Arbeit sind Schulen ein zentraler Sozialisationsraum, in dem Jugendliche durch den Druck von Medien und Leistungsanforderungen oft verunsichert werden, was die Schule zur Pflicht verpflichtet, als präventiver Anker zu fungieren.
Das Schönheitsdiktat der Medienwelt, das bereits im Kindesalter durch Vorbilder wie Barbie oder Zeichentrickfiguren verinnerlicht wird, ist ein kritischer Faktor, da es die Entstehung eines instabilen Körperbildes bei jungen Mädchen massiv begünstigt.
Lehrkräfte sollen keine Diagnosen stellen, sondern bei Auffälligkeiten ihr professionelles Augenmerk schärfen, ein vertrauensvolles Gesprächsangebot unterbreiten und bei Verdacht die Vermittlung an professionelle Therapiestellen sicherstellen.
Die Zwischenbilanz hält fest, dass Prävention nicht nur die reine Wissensvermittlung über Kalorien umfassen darf, sondern die Kinder aktiv "stark machen" muss, um ihre Persönlichkeit gegen gesellschaftliche Anpassungsdrücke zu schützen.
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