Masterarbeit, 2018
103 Seiten, Note: sehr gut
1 Einleitung
2 Die Rahmenbedingungen der Waldorfpädagogik in der Oberstufe
2.1 Die Bedeutung des Abiturs an der Waldorfschule
2.2 Der Charakter der Waldorfpädagogik in der Oberstufe unter besonderer Berücksichtigung der Urteilsfähigkeit
2.3 Die Bedeutung der zwölften Klasse vor dem Hintergrund staatlicher Abschlüsse - Sind zwölf Jahre Waldorf in Stein gemeißelt oder verhandelbar?
2.4 Abschlüsse an Hamburger Waldorfschulen nach der Gesetzesnovelle des Hamburgischen Schulgesetzes von 2003
3 Der Weg in die gymnasiale Oberstufe
3.1 Die Externenprüfungsordnung (ExPO) und die Veränderungen durch die Gesetzesnovelle von 2003
3.2 Ausgewählte Rahmenbedingungen für die Abiturprüfung nach der Ausbildungs- und Prüfungsordnung zum Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife und den Bildungsplänen für die gymnasiale Oberstufe
3.3 Der Arbeitskreis Schulaufsicht/Schulabschlüsse: Die Chronologie der Entscheidung
4 Die Umsetzung der Studienstufe an den Schulen
4.1 Waldorfessentials in der gymnasialen Oberstufe
4.2 Uberblicksepochen und Bildungsideal in der gymnasialen Studienstufe
5 Stimmen der Prozessbeteiligten
5.1 Gespräch mit Ariane Jost - Deutschlehrerin und Oberstufenkoordinatorin Waldorfschule Nienstedten
5.2 Gespräch mit Klaus Michael Maurer - Geschäftsführer Rudolf-Steiner-Schule, Harburg
5.3 Gespräch mit Heike Rosenthal - Oberstufenkoordinatorin und Fachlehrerin für Biologie, Rudolf-Steiner-Schule Altona
6 Fazit und Ausblick
Die Masterthesis untersucht den Entscheidungsprozess und die Umsetzung der gymnasialen Studienstufe an Hamburger Waldorfschulen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die zentralen Aspekte der Waldorfpädagogik trotz der Anpassung an staatliche Anforderungen, insbesondere die Einführung zentraler Abiturprüfungen, gewahrt bleiben können.
2.1 Die Bedeutung des Abiturs an der Waldorfschule
Der Erwerb der Reifeprüfung war schon mit dem Einrichten der Oberstufe an der ersten Waldorfschule in Stuttgart Uhlandshöhe von besonderer Bedeutung und eine besondere Herausforderung für die neue Pädagogik Rudolf Steiners.
Das Bestehen des Abiturs und die damit attestierte Hochschulreife war für Rudolf Steiner von Beginn an ein wichtiges Anliegen und dies formulierte er auch deutlich: Nun sind wir ja bestrebt, die Waldorfschule auszubauen, […], daß wir wirklich zunächst so weit kommen, wie die jungen Leute kommen, wenn sie das Gymnasium oder die Realschule vollendet haben, also an eine Universität oder eine Hochschule gehen wollen. (Steiner 1987, 149, GA 303)
Und führt weiter aus: „Dann müssen wir natürlich auch die gesamte Erziehung und den Unterricht so einrichten, dass dann die jungen Leute […] ihr Abiturium ablegen können.“ (Steiner 1987, 149, GA 303)
Für den Weg dorthin musste ein Kompromiss gefunden werden und Rudolf Steiner war der Balanceakt zwischen Erziehungsidee und Forderungen der Gegenwart durchaus bewusst (Steiner 1991, 5ff.), obwohl er dadurch gezwungen war, seine eigenen pädagogischen Vorstellungen in der zwölften Klasse an die Vorgaben der staatlichen Prüfungsanforderungen anzugleichen. (Vgl. Steiner 1991, 128ff., 23.08.1923, GA 305) In einem Vortrag vor dem Kollegium sagt er: Die Hauptsorge ist, daß wir leider gezwungen sind, mit der letzten Klasse eigentlich das Waldorfschul-Prinzip zu verleugnen [...] Wir werden jetzt einfach generaliter sagen müssen: Wir müssen im letzten Jahrgang alle diejenigen Fächer pflegen, die einfach im Lehrplan der hiesigen höheren Schulen vorhanden sind […] und ich sehe schon mit Schrecken den Verlauf des letzten Halbjahrs, wo wir werden alles sistieren müssen außer den Prüfungsfächern, und nur die Prüfungsfächer pflegen. Denn es ist kaum möglich, daran zu denken, daß auf eine andere Weise zu bewirken ist, daß die Schüler ein Abiturium bestehen. (Steiner 1975, 1, 25.04.1923, GA 300)
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die historische Ausgangslage der Waldorfpädagogik bezüglich staatlicher Abschlüsse und begründet das Interesse an der Untersuchung der Hamburger Studienstufe.
2 Die Rahmenbedingungen der Waldorfpädagogik in der Oberstufe: Dieses Kapitel analysiert das Spannungsfeld zwischen dem anthroposophischen Menschenbild und den staatlichen Vorgaben für die Oberstufe sowie die Relevanz der 12. Klasse.
3 Der Weg in die gymnasiale Oberstufe: Es wird die chronologische Entscheidungsfindung dokumentiert, die zur Abkehr vom traditionellen Waldorf-Externenabitur führte.
4 Die Umsetzung der Studienstufe an den Schulen: Hier werden die praktischen Anpassungsprozesse an den Schulen und die Wahrung waldorfspezifischer Inhalte beleuchtet.
5 Stimmen der Prozessbeteiligten: Das Kapitel versammelt Interviews mit Lehrkräften und Prozessbeteiligten, um die subjektive Perspektive auf die Veränderungen zu erfassen.
6 Fazit und Ausblick: Abschließend wird die Gesamtsituation bewertet und die Bedeutung der gymnasialen Oberstufe für die Zukunft der Waldorfschulen reflektiert.
Waldorfpädagogik, gymnasiale Studienstufe, Abitur, Hamburg, Rudolf Steiner, Oberstufe, Bildungsabschluss, Externenprüfung, Waldorfspezifische Inhalte, Schulentwicklung, Urteilsfähigkeit, Schulgesetznovelle, Profiloberstufe, Schulautonomie, Reformpädagogik
Die Arbeit dokumentiert den Transformationsprozess an Hamburger Waldorfschulen, die sich dazu entschieden haben, die staatliche gymnasiale Studienstufe einzuführen, anstatt den traditionellen Weg des Externenabiturs fortzusetzen.
Die Studie befasst sich mit der Vereinbarkeit von Waldorf-Pädagogik und staatlichen Bildungsstandards, der Rolle der 12. Klasse, der Einführung zentraler Abiturprüfungen und der Bewahrung waldorfspezifischer Elemente im Unterricht.
Ziel ist es, den Einführungsprozess der gymnasialen Studienstufe zu evaluieren und zu analysieren, wie Waldorfschulen dabei den Spagat zwischen staatlichen Vorgaben und ihrem pädagogischen Eigenanspruch meistern.
Die Arbeit basiert auf einer Analyse von Protokollen des Arbeitskreises Schulaufsicht/Schulabschlüsse sowie auf qualitativen Interviews mit Prozessbeteiligten (Lehrkräften und Oberstufenkoordinatoren).
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung der Waldorf-Oberstufe, die Dokumentation der Entscheidungschronologie in Hamburg sowie die detaillierte Beschreibung der Umsetzung an einzelnen Schulen.
Wichtige Begriffe sind Waldorfpädagogik, gymnasiale Studienstufe, Zentralabitur, Urteilsfähigkeit und Schulautonomie.
Die befragten Lehrkräfte bewerten die Umstellung überwiegend positiv, da sie den Schülern den Zugang zu Abschlüssen erleichtert, auch wenn sie den damit verbundenen bürokratischen und inhaltlichen Anpassungsdruck kritisch reflektieren.
Die 12. Klasse ist weiterhin ein integraler Bestandteil, wobei die Herausforderung besteht, die dort traditionell angesiedelten Überblicksepochen mit den Anforderungen der Studienstufe zu vereinbaren.
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