Bachelorarbeit, 2018
43 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Die antike Theorie der Invektive
2.1 Definition der Invektive
2.2 Persuasive Verfahren der klassischen Invektive
2.2.1 Ironie
2.2.2 Beleidigung
2.2.3 Witz
3. Hate-Speech als moderne Form der Invektive?
3.1 Hate-Speech
3.2 Konzeptioneller Vergleich von Hate-Speech mit Invektive
4. Der Disstrack als popkulturelle Form der politischen Schmährede?
4.1 Was ist ein Disstrack?
4.2 Der Disstrack vor dem Hintergrund von Hate-Speech und Invektive
4.3 Der Disstrack als rhetorisches Phänomen
4.4 Der Disstrack im Kontext aktueller Debatten zur Kunstfreiheit
5. Exemplarische Analyse eines aktuellen Disstracks
5.1 Darstellung der Grundkonstellation
5.2 Analyse des Tracks „Legacy“
6. Fazit und forschungstheoretischer Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Disstracks als moderne Form der Invektive verstanden werden können. Anhand des Tracks „Legacy“ von Kollegah wird analysiert, wie rhetorische Mittel zur sprachlichen Herabsetzung eingesetzt werden und in welchem Verhältnis diese popkulturelle Ausdrucksform zu klassischen rhetorischen Theorien sowie aktuellen Phänomenen wie Hate-Speech steht.
2.1 Definition der Invektive
Der Begriff Invektive lässt sich mit ‚Schmährede‘ beschreiben. Sie spiegelt dabei das Ziel des Orators wider, die verbale Herabsetzung einer Person. Oftmals handelt es sich um eine Person, die in der Öffentlichkeit steht. Die Invektive soll das öffentliche Bild dieses Individuums ruinieren, es demaskieren und das angeblich der Wahrheit entsprechende Abbild anhand sprachlicher Mittel darlegen. Sie tritt demnach nicht nur in mündlich vorgetragenen Reden vor einer Adressatengruppe auf, sondern auch in der Literatur oder in Gedichten beziehungsweise in Texten der Rapmusik. Bekannt ist die Bezeichnung „oratio invectiva“ erst seit der Spätantike, erste Erwähnungen finden sich im vierten Jahrhundert nach Christus.
Als Vergleich zu Invektive kann die ‚damnatio memoriae‘ aus der römischen Kultur gesehen werden, durch die der Name einer Person ausgelöscht werden soll. Die Person, über die in einer Invektive gesprochen wird, wird durch den Orator negativ dargestellt, auf moralischer sowie persönlicher Ebene. Die bestimmte Person, die durch die Invektive diffamiert wird, soll nicht nur in ein schlechtes Licht gerückt werden, welches laut dem Orator ‚wahr‘ ist, sondern auch nachhaltige Imageschäden erleiden. In der Antike war es eine gängige Methode, dass in der Invektive die persönliche sowie sachliche Ebene nicht voneinander getrennt wurden. Oftmals waren der Wesenszug einer Person und das Erscheinungsbild im öffentlichen Raum von größerer Bedeutung als die Ziele politischer Natur.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Disstracks am Beispiel von Kollegahs „Legacy“ und Darlegung der Zielsetzung sowie des Aufbaus der Arbeit.
2. Die antike Theorie der Invektive: Definition der Invektive als rhetorische Schmährede und Erläuterung zentraler persuasiver Verfahren wie Ironie, Beleidigung und Witz.
3. Hate-Speech als moderne Form der Invektive?: Untersuchung des Hate-Speech-Begriffs und dessen Abgrenzung beziehungsweise konzeptionelle Verknüpfung mit der Invektive.
4. Der Disstrack als popkulturelle Form der politischen Schmährede?: Einordnung des Disstracks als rhetorisches Phänomen und Diskussion seiner Rolle im Spannungsfeld zwischen Kunstfreiheit und Diffamierung.
5. Exemplarische Analyse eines aktuellen Disstracks: Praktische Anwendung der erarbeiteten Theorie durch die Analyse der Grundkonstellation und der spezifischen Textpassagen des Tracks „Legacy“.
6. Fazit und forschungstheoretischer Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Disstracks als moderne Invektiven und Aufzeigen möglicher zukünftiger Forschungsansätze.
Invektive, Disstrack, Kollegah, Rhetorik, Hate-Speech, Schmährede, Legacy, verbale Herabsetzung, Ironie, Beleidigung, Witz, Kunstfreiheit, Rapmusik, Persuasion, Diffamierung.
Die Arbeit untersucht, ob und wie Disstracks der Rapmusik als moderne Form der rhetorischen Invektive (Schmährede) betrachtet werden können.
Die zentralen Felder umfassen die antike Rhetoriktheorie, die Abgrenzung zu Hate-Speech, die kulturelle Bedeutung von Disstracks und die sprachliche Analyse von Rap-Texten.
Das Ziel ist es, die rhetorischen Mechanismen der Herabsetzung in Disstracks systematisch darzustellen und wissenschaftlich einzuordnen.
Es wird eine rhetorische Textanalyse angewandt, die durch den Vergleich mit antiken und modernen Invektiven-Theorien gestützt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Invektive, Hate-Speech), die kulturwissenschaftliche Einordnung (Disstrack, Kunstfreiheit) und die exemplarische Analyse von Kollegahs „Legacy“.
Wichtige Begriffe sind Invektive, Disstrack, Rhetorik, verbale Herabsetzung und Kunstfreiheit.
Während Disstracks eher als rhetorische, oft künstlerisch gerahmte Form der Inszenierung und persönlichen Auseinandersetzung fungieren, zielt Hate-Speech primär auf die Aufhetzung gegen Gruppen und die Konstituierung menschlicher Minderwertigkeit ab.
Der Track eignet sich aufgrund seiner Länge, der hohen Dichte an sprachlichen Mitteln (Wortspiele, Ironie) und des klaren Angriffs auf einen Kontrahenten ideal für eine detaillierte rhetorische Untersuchung.
Die Kunstfreiheit dient als rechtlicher und ethischer Rahmen, um zu diskutieren, wo die Grenzen zwischen zulässiger künstlerischer Auseinandersetzung und strafbarer oder unethischer Diffamierung verlaufen.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Disstracks komplexe rhetorische Konstrukte darstellen, die über bloße Beleidigungen hinausgehen und strategisch eingesetzt werden, um die Überlegenheit des Orators zu inszenieren.
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